Mit diesem Betonblock wurde der Lkw am Wegfahren gehindert.
+
Mit diesem Betonblock wurde der Lkw am Wegfahren gehindert.

Damit Fahrer nicht die Zeche prellt

Beton-Blockade: Werkstatt setzt Lkw fest

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Der Ärger bei einem Berliner Fuhrunternehmen ist groß. Der Grund: eine Lkw-Werkstatt in Feldkirchen. Sie hatte einem Lkw-Fahrer einen Betonblock vor das Fahrzeug gesetzt.

Feldkirchen – Es geht um 1087,96 Euro. Und es geht um viel Ärger. Der Chef eines Fuhrunternehmens wirft einer Werkstatt in Feldkirchen unmenschliches Verhalten vor. Der Inhaber der Werkstatt sieht sich im Recht: Er will nicht um sein Geld betrogen werden. Nun landet der Fall bei einem Anwalt.

Alles beginnt am 27. September 2018. Ein 74-jähriger Fahrer des Fuhrunternehmens Jürgen Kolbe aus Panketal, gelegen an der nördlichen Stadtgrenze Berlins, ist gerade unterwegs nach Landsberg am Lech. Er soll dort Styropor abholen. Der MAN-Lastwagen hat ein elektronisches Problem, der Fahrer lenkt den Lkw zu einer Fachwerkstatt nach Feldkirchen.

Telefonisch gibt das Fuhrunternehmen der Werkstatt eine Freigabe für die Reparaturkosten. Die Werkstatt repariert den MAN-Lkw: Mechaniker prüfen das Druckbegrenzungsventil sowie die Hochdruckpumpe und reinigen den Kraftstofftank. Dichtungen und Einschraubstutzen werden gewechselt.

Niemand kann eine Rechnung ausstellen

Erst gegen 19.30 Uhr ist das Fahrzeug fertig repariert. Das Fuhrunternehmen will die Rechnung bezahlen, der Fahrer soll weiterfahren. Nur, die Mechaniker können die Rechnung nicht ausstellen. Vermutlich können nur die Buchhaltung oder der Werkstatt-Chef Rechnungen schreiben.

Die sind aber zu der Zeit nicht mehr vor Ort, erst am kommenden Tag sind sie wieder im Büro. Was nun? Damit der Lkw-Fahrer nicht wegfährt und möglicherweise die Zeche prellt, stellen Mitarbeiter der Werkstatt mit einem Gabelstapler einen Betonblock vor das Fahrerhaus. Der Lkw kann weder vor noch zurück. Er ist eingesperrt.

Der 74-jährige Fahrer schläft in der Kabine, er verbringt die Nacht auf dem Werkstatt-Gelände. „Ohne Toilette, ohne Dusche, ohne Essen und Trinken. Das ist unmenschlich“, sagt Ulrich Köhler vom Fuhrunternehmen aus Panketal. Der Fahrer ruft die Polizei. Ein Beamter sagt ihm am Telefon, dass er das Problem selbst lösen solle, erzählt Köhler.

Beton-Blockade: Fuhrunternehmer spricht von Freiheitsberaubung und Nötigung

Am nächsten Morgen ist der Werkstatt-Chef wieder im Büro. Köhler streitet mit ihm am Telefon. Schließlich räumt er den Stein weg und lässt den Fahrer ziehen. Das Fuhrunternehmen überweist ein paar Tage später den offenen Rechnungsbetrag. So, wie Köhler Forderungen nach einer Reparatur immer begleicht.

Köhler bewertet das Verhalten der Feldkirchner als Freiheitsberaubung und Nötigung. Seit 25 Jahren sei das Fuhrunternehmen MAN-Kunde, ein solcher Vorfall sei noch nie passiert. Durch den Zeitverzug sei dem Fuhrunternehmen ein Schaden von 3000 Euro entstanden.

Beton-Blockade: Das sagt der Werkstatt-Chef

Anruf beim Werkstatt-Chef. Der Mann reagiert auf die Vorwürfe gelassen. „Die Kunden kommen aus ganz Europa. Türkei, Russland, Frankreich“, sagt er. Nach der Reparatur fahren sie wieder weg, oft schon sei er dabei geprellt worden. Das lasse er nicht zu. Vor jedem Auftrag würde er neue Kunden über Preis und Zahlungsmodalitäten aufklären. Kunden müssen sofort nach Reparatur zahlen, per Zahlungsgarantie der Heimatwerkstatt oder Kreditkarte.

Wenn Kunden die Rechnung so nicht begleichen können, stellt die Werkstatt einen Stein vor den Lkw. Er beruft sich auf das sogenannte Unternehmerpfandrecht. Es gibt Firmen Sicherheit für fällige Forderungen. In der Branche sei das ganz normal, sagt der Werkstatt-Chef. Andere Firmen würden es ebenso machen.

Im Fall des norddeutschen Fuhrunternehmens habe es keine Kostenübernahme durch eine Heimatwerkstatt gegeben, auch hatte der Fahrer keine Kreditkarte dabei, argumentiert das Team der Werkstatt. Davon, dass das Fuhrunternehmen erst gar keine Chance zur Zahlung gehabt haben sollen, spricht der Werkstatt-Chef nicht.

Beton Blockade: Schlechte Bewertungen bei Google

Was nach dem Vorfall folgt, ist eine schlechte Bewertung bei Google: Köhler wirft darin der Feldkirchner Werkstatt „Methoden wie bei der Mafia“ vor. Gegen die Bewertung geht nun der Werkstatt-Leiter vor. Ein beauftragter Anwalt der Werkstatt spricht von Verleumdung und übler Nachrede. Google soll die Bewertung löschen, andernfalls sieht sich die Werkstatt gezwungen, „eigenständig Strafantrag zu stellen“.

Ein Blick auf die Bewertungen in Google verrät: Die schlechte Bewertung aus Panketal ist kein Einzelfall. Auch andere Kunden berichtet von „Abzocke“ und „Mafia-Methoden“. Und immer wieder taucht der Betonblock auf. Aufgestellt vor Lastwagen von verärgerten Kunden aus aller Welt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare