Storno-Stress statt Erholung

Türkei-Urlaub: Familie bekommt Geld nicht erstattet - Reiseveranstalter stellt sich quer

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Familie Harreiner aus Feldkirchen will ihren Türkei-Urlaub wegen der Reisewarnung aufgrund der Corona-Krise umbuchen, doch der Anbieter stellt sich quer.

  • Familie Harreiner aus Feldkirchen ist im Storno-Stress.
  • Der geplante Türkei-Urlaub fiel corona-bedingt aus.
  • Die Stornierung des Urlaubs kostete die Familie bisher vor allem eins: Nerven.

Feldkirchen – Ende August sollte es für Familie Harreiner aus Feldkirchen eigentlich so weit sein: der lang ersehnte Türkeiurlaub. Schon im vergangenen Jahr hat Florian Harreiner die All-Inclusive-Pauschalreise gebucht. Eine Woche Sonne, Strand und türkisblaues Meerwasser – Erholung pur. Doch die vergangenen Wochen verwandelten sich für den Familienvater in einen Spießrutenlauf. Er wollte aufgrund der Reisewarnung für die Türkei den Urlaub kostenlos stornieren. Doch der Anbieter stellte sich quer. Es folgten dutzende Telefonate und ständiger E-Mail-Verkehr. Lange ohne Erfolg. „So etwas geht nicht“, schimpft Harreiner.

Reisewarnung in der Türkei: Familie darf Urlaub nicht stornieren

Schon zu Beginn der Coronakrise hatte der 33-Jährige das Online-Reiseportal kontaktiert und versucht, den Urlaub umzubuchen oder zu stornieren. Doch das Unternehmen hielt den 33-Jährigen hin. „Am Anfang hat der Anbieter mich immer vertröstet“, erzählt Harreiner. Doch seit das Auswärtige Amt die Reisewarnung für das Urlaubsziel Türkei bis Ende August verlängert hat, ist für Harreiner klar, dass das Unternehmen seine Reise kostenlos stornieren muss. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Bayern. „Die Reisewarnung für die Türkei besteht bis zum 31. August fort. Fällt die geplante Reise in diesen Zeitraum können Pauschalreisende kostenfrei von der Reise zurücktreten“, erläutert eine Sprecherin auf Anfrage.

Urlaubs-Stornierung wegen Corona: „Mit jedem Gespräch sind die Mitarbeiter unfreundlicher geworden“

Das Reiseportal blieb uneinsichtig, kam der Familie nicht entgegen. „Mit jedem Gespräch sind die Mitarbeiter unfreundlicher geworden“, berichtet Florian Harreiner. „Obwohl die Reisewarnung nicht mehr von der Hand zu weisen ist.“ Die Anzahlung in Höhe von 650 Euro hat der 33-Jährige bis jetzt nicht zurückbekommen. Das Reiseportal berechne den Betrag als Bearbeitungsgebühr. „Zum Glück habe ich noch nicht den gesamten Urlaub gezahlt“, sagt der zweifache Familienvater. Doch laut der Verbraucherschutzzentrale kann Harreiner auch auf seine Anzahlung bestehen. „Der bereits gezahlte Reisepreis muss vom Reiseveranstalter erstattet werden“, stellt die Sprecherin klar.

Türkei-Urlaub wegen Corona stornieren: Familie aus Bayern steht vor Problem

Florian Harreiner wäre auch mit einer Umbuchung oder einem Gutschein zufrieden gewesen. „Es ist doch normal, dass man mit zwei Kinder derzeit nicht in die Türkei fliegen möchte“, sagt er. Am liebsten wäre er mit seinem Auto in den Urlaub gefahren. Doch eine eigene Anreise sei – genau wie eine Umbuchung – nicht möglich. „Ich würde das Anzahlungsgeld auch als Gutschein fürs nächste Jahr zurücknehmen“, sagt Harreiner. Doch diese Option gebe es nicht. „Der Anbieter kommt uns keinen Millimeter entgegen.“

Reise-Stornirung trotz Corona nicht möglich: Familie kein Einzelfall

Das Problem von Familie Harreiner ist kein Einzelfall, erklärt die Sprecherin der Verbraucherzentrale Bayern. „Reisende, die betroffen sind und ihre Reise absagen möchten und von ihrem Reiseveranstalter aufgefordert werden Stornogebühren zu bezahlen, sollen sich auf die bestehende Reisewarnung und die klaren rechtlichen Vorschriften berufen.“ Stornogebühren oder auch Bearbeitungsgebühren müssten nicht bezahlt werden. Außerdem sollen sich Betroffene regelmäßig auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes über die aktuelle Situation informieren.

Florian Harreiner hat irgendwann einen Anwalt eingeschaltet. Nach monatelangem Kampf bekommt er sein Geld wieder. Noch sei es zwar nicht auf dem Konto, „aber es sieht gut aus“. Ein Schreiben seines Arbeitgebers half. Es bescheinigte ihm, als Angestellter des kommunalen Bauhofs in Markt Schwaben zu einer systemrelevanten Gruppe zu gehören.

Dass es heuer nicht in die Türkei geht, steht für den Familienvater fest. Auf Urlaub mit seiner Frau und seinen zwei Kinder will er aber nicht verzichten. Mit dem Auto geht es an den Gardasee.

Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseländer unter Deutschen. Derzeit drohen nach der Heimkehr aber zwei Wochen Quarantäne. Es gibt nur eine Ausnahme. Platzt der Traum vom Urlaub im Sommer 2020 doch noch? Das Coronavirus breitet sich in Urlaubsländern wie der Türkei wieder stärker aus. Das müssen Touristen jetzt wissen. Auch während der Corona-Pandemie Doch in jedem Land gelten andere Regeln. Ein Überblick über beliebte Urlaubsländer

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