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Glaskunst der besonderen Art wird in der Glaslernstatt hergestellt.

Projekt mit Langzeitarbeitslosen

Eine Werkstatt fürs Leben

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Teelichter aus Ouzo-Flaschen und eine Obstschüssel aus dem Bullauge: In der Glaslernstatt in Feldkirchen gibt’s ganz spezielle Unikate  - und besondere Mitarbeiter.

Feldkirchen – Die Glaslernstatt ist eigentlich ein klassisches Start-Up-Unternehmen mit Businessplan, bald eigener Homepage und einem Web-Shop. Der Unternehmer ist jedoch außergewöhnlich: Das „Anderwerk“ arbeitet mit Langzeitarbeitslosen.

Uwe Schürch ist rührig. Der Betriebsleiter der „Anderwerk“-Werkstätten, ein Unternehmen der AWO-Group, in Feldkirchen mit Elektro-Recycling, einer Kfz-Werkstatt und Schreinerei vor Ort, kümmert sich darum, Langzeitarbeitslosen eine Integration in die Arbeitswelt zu ermöglichen.

Betriebsleiter Uwe Schürch.

Sein jüngster Coup ist die Glaslernstatt – entstanden aus einem Zufall. „Wir brauchten Geschenke für eine interne Weihnachtsfeier“, erinnert sich Schürch. Und so wurden aus langhalsigen Zwei-Liter-Ouzo-Flaschen vom benachbarten Griechen Teelichter mit eingraviertem Firmenlogo. Aus dem Glasbullauge zerlegter Waschmaschinen entstand eine Salat- und Obstschüssel, aus vertikal halbierten Flaschen Ess- und Beilagenteller.

Diese Idee stammt von Oliver Gerner. Für seinen Beruf als gelernter Zimmerer ist er „körperlich verschlissen“. Dann habe er sein künstlerisches Talent zwar entdeckt, sei als professioneller Tätowierer aber gescheitert. Seit einigen Jahren ist er arbeitslos, vor drei Monaten kam er über das Jobcenters zum „Anderwerk“. Hier fühlt sich Gerner wohl, er packt nicht nur zu und weiß sich zu helfen, er „verziert“ auch. Führte er früher als Tätowierer die Nadel, hält er nun das Sandstrahlgerät in der Hand. Aus Recyclingglas entstehen so außergewöhnliche, neue Produkte. Gerner strahlt die auf eine Folie gezeichneten Logos, Bilder, aber auch von ihm selbst kreierte Motive, jedes Stück ein Unikat. Gabor (37) aus Ungarn legt die Flaschen vorher in eine Seifenlauge und entfernt die Etiketten, Nouroudine (43) aus Togo schneidet die Flaschenhälse ab.

Nouroudine aus Togo schneidet die Hälse der Flaschen ab.

Aktuell sind in der Glaslernstatt sechs Langzeitarbeitslose beschäftigt, „25 bis 30 sollen es einmal werden“, sagt Schürch. Der 53-jährige Elektroingenieur war weltweit als Qualitätssicherer tätig, bevor er vor drei Jahren zum „Anderwerk“ wechselte.

Seine Mitarbeiter, vom Handwerker bis zum Informatiker, werden ihm, wenn sie länger als ein Jahr ohne Anstellung sind, als Langzeitarbeitslose vom Jobcenter zugewiesen. Theoretisch im Alter von 25 Jahren aufwärts, „die meisten sind aber um die 50 Jahre alt“. Drei Jahre können sie bleiben und dürfen im Schnitt bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür gibt’s 1,50 Euro die Stunde. „Nicht viel, aber wir stabilisieren die Leute. Vielen geben wir auch nach langer Zeit wieder einen geregelten Arbeitstag vor, den sie Tag für Tag erfüllen sollten. Jeden Tag morgens auf der Matte zu stehen, das kann man auch verlernen.“ Deshalb sagt Schürch auch „sollte“, denn er weiß morgens nie genau, wer wirklich kommt.

Wer sich im Laufe der Zeit als geeignet zeigt, dem kann er eine Umschulung anbieten. Dann kann er zeitverkürzt auf zwei Drittel der üblichen drei bis dreieinhalb Jahre eine Berufsausbildung absolvieren. „Diejenigen, die viele Jahre in Berufen gearbeitet haben, aber denen einfach das Abschlusszeugnis fehlt, schaffen das auch“, sagt Schürch. Undsie sind es auch, die oft wieder einen Job auf dem freien Markt finden.

Schürch muss jetzt aber erst einmal Platz schaffen. Die etwa 20 Quadratmeter in der großen Halle an der Kreuzstraße reichen nicht, wenn all seine Ideen Realität werden sollen: Geschenkaufträge für Firmen, Deko und Glas für die Gastronomie und Einzelaufträge von Privatleuten. Das Gute: Da die Glaslernstatt auch in kleinen Stückzahlen produziert, „ist der Markt da, Konkurrenz gibt es eigentlich keine“.

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