Die Jakob-Wagner-Straße muss also saniert werden. Es fehlen Gehsteige und Parkbuchten.
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Die Jakob-Wagner-Straße muss also saniert werden. Es fehlen Gehsteige und Parkbuchten.

Ersterschließung

Fast 650.000 Euro: Anwohner vor teurer Sanierung bewahrt

  • Bert Brosch
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Zwei Straßen in Feldkirchen müssten saniert werden. Weil es sich um eine Ersterschließung handelt, wäre es für die Anwohner teuer geworden. Doch der Bauausschuss intervenierte.

Feldkirchen – Großer Schreck für die Anwohner der Jakob-Wagner- und Von-Tucher-Straße: Nicht nur, dass sie an maroden Straßen wohnen und diese daher nun teuer saniert werden müssten. Beide Straßen sind offiziell noch nie fertiggestellt worden, was bedeutet: Die Gemeinde würde nur zehn Prozent der Sanierung bezahlen, 90 Prozent müssten die Anwohner berappen. Der Bauausschuss bewahrte sie allerdings davor.

Der Gemeinderat hatte an die Verwaltung den Auftrag erteilt, sämtliche Straßen in der Gemeinde auf Mängel abzufahren und gleichzeitig festzustellen, ob die Straße „endgültig hergestellt“ sind. Das bedeutet, ob sie ordentlich asphaltiert oder geplättelt sind, Gehsteige und Parkbuchten haben, eine Entwässerung. Die Kontrolle ergab, dass es insgesamt sieben Straßen in der Kategorie 5 oder 6 gibt, die also unbedingt saniert und hergestellt werden müssen. „Die Straßen sind doch das Vermögen der Gemeinde“, betonte Bauamtsleiterin Dagmar Leiter im Ausschuss. „Wenn man feststellt, dass einige nicht in Ordnung sind, muss man die schnell herrichten, sonst wird es immer teurer.“

416 000 Euro würden auf die Grundstückseigentümer umgelegt

Auch die Jakob-Wagner-Straße landete in der Klasse „schlecht“, muss also saniert werden. Bei näherer Betrachtung stellten die Kontrolleure fest, dass die Straße tatsächlich noch nie hergestellt wurde. Dieser Ausbau sollte nun erfolgen, einen Bebauungsplan gibt es dafür allerdings noch nicht. Es fehlen Gehsteige, es müssen Parkbuchten her, und eine ordentliche Entwässerung gibt es auch nicht. Zudem hat die AfK-Geothermie nach dem Verlegen der Rohre den Straßenbelag nur provisorisch hergerichtet. „Dafür wurde an die Gemeinde Geld bezahlt, um das später fachgerecht zu machen“, sagte Leiter. Nach der Kostenschätzung des Ingenieurbüros Scherer und Kurz aus Hohenbrunn belaufen sich die Kosten für den Ausbau auf rund 463 000 Euro. Die Gemeinde würde zehn Prozent bezahlen, 90 Prozent oder 416 000 Euro würden auf die Grundstückseigentümer umgelegt.

Für 246 000 Euro muss die Von-Tucher-Straße erneuert werden.

Ähnliches gilt für die Von-Tucher-Straße, die sich an die Jakob-Wagner-Straße anschließt. Sie wurde nach der Straßenbefahrung in die Bewertungen 4 und 5 („mäßig-schlecht“) eingeteilt. Auch diese Straße ist noch nie erstmalig hergestellt. Für den Ausbau liegt allerdings bereits ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1996 vor. Nach ersten Schätzungen des Ingenieurbüros kostet der Ausbau rund 246 000 Euro. Auch hier würde die Gemeinde nur zehn Prozent zahlen, die restlichen 221 400 Euro kämen auf die Anwohner zu.

„Die Straßen sind zwar nicht top, aber...“

Gut 20 Anwohner, darunter der ebenfalls betroffene ehemalige Bürgermeister Leonhard Baumann, waren in der Sitzung und äußerten deutlich ihren Unmut über die geplanten Maßnahmen. Man wohne seit Jahrzehnten in der Straße, sei mit deren Zustand zufrieden. Außerdem sei es unverständlich, warum die Gemeinde mit diesen beiden Anliegerstraßen anfangen wolle. „Irgendwo müssen wir ja anfangen, beide Straßen müssten technisch hergestellt werden“, sagte Bürgermeister Andreas Janson (UWV). Doch nach strittiger Diskussion setzte sich der Bauausschuss mit 8:3 Stimmen gegen die Empfehlung der Verwaltung durch. „Die Straßen sind zwar nicht top, aber nicht so schlecht, dass wir jetzt zwingend etwas tun müssen“, begründete Janson.

Eine Frage blieb allerdings unbeantwortet. „Warum diese Straßen nie fertiggestellt wurden, das entzieht sich meiner Kenntnis“, sagte Geschäftsstellenleiter Heinz-Josef Reiser. „Vielleicht hat man damals schon gesagt, da es ja keine Durchgangsstraßen sind, möchte man die Anwohner finanziell schonen.“

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