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Neu vermietet, statt abgerissen: Das Haus (links im Bild) an der Danzinger Straße in Feldkirchen wollte sein Eigentümer eigentlich abreißen. Auf seine Neubaupläne reagierten die Nachbarn verärgert. Nun hat das Landratsamt das Gebäude gemietet.

Freude über Flüchtlingshaus

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Nach einer langen Auseinandersetzung unter Nachbarn in der Danziger Straße in Kirchheim, ist jetzt eine Lösung gefunden. 

Feldkirchen– Dass Asylunterkünfte in Wohngebieten nicht immer gut gelitten sind – das ist eine Erfahrung, die man kennt, auch aus dem Landkreis. Umso beachtlicher ist ein Fall in Feldkirchen. Dort sind die Anwohner der Danziger Straße froh darüber, dass in ihrer Nachbarschaft ein Haus genutzt wird, um Geflohene unterzubringen.

Noch vor einem Jahr hatte es in der Danziger Straße große Aufregung gegeben: Juan Roderigo wollte das Haus auf dem Grundstück seiner Eltern abreißen und durch einen Dreispänner ersetzen. Die Nachbarn liefen dagegen Sturm, weil nach ihrer Ansicht die gültigen Gebäudemaße nicht eingehalten worden waren. Jetzt, ein Jahr später, hat das Landratsamt München den Altbestand bis zum Jahr 2020 angemietet und zwölf Geflohene in dem Haus einquartiert. Die Nachbarn sind sehr zufrieden.

Die ganze Vorgeschichte: Im Jahr 2010 hatte Roderigo einen ersten Antrag gestellt, ein neues Haus auf dem Grundstück zu bauen, das seine Eltern Ende der 1960er-Jahre an der Danzigerstraße gekauft hatten. Den eingereichten Bauantrag lehnte das Landratsamt allerdings ab. Begründung: Die Gebäudemaße überschritten die der anderen Häuser entlang der Straße. Im Frühjahr 2017 reichte der Bauherr neue Pläne ein für drei Reihenhäuser, nach seinen Worten orientierte er sich nun exakt am größten Haus in der Straße. Weil die Nachbarn seine Pläne strikt ablehnten, beauftragte er eine Firma, die mittels einer Drohne die Maße der Häuser in der Umgebung feststellte – mit den Ergebnissen dieser Messung sah sich Roderigo bestätigt. Die Nachbarn wiederum fühlten in ihrer Intimsphäre verletzt und ausspioniert. Sie erstatteten Anzeige. Im Juni 2017 entschied dann der Feldkirchner Gemeinderat mit 7:4 Stimmen Roderigos Bauantrag zu genehmigen. Das letzte Wort hat aber bei allen Bauangelegenheiten das Landratsamt. Dort wollte in der Folge Wolfgang Kellerer, auch im Namen einiger anderer Nachbarn, Beschwerde einlegen, gegen die beiden Feldkirchner Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) und Andreas Janson (UWV). Denn beide hatten sich für das Bauvorhaben ausgesprochen. Kellerer hoffte damals darauf, dass das Landratsamt die Zustimmung zum Bauantrag verweigern werde, entgegen dem Votum der Gemeinde. So ist es nun gekommen.

Denn mittlerweile hat das Amt das alte Haus von Juan Roderigo angemietet. Im Erdgeschoss wohnt eine Familie mit vier Kindern, im Obergeschoss leben sechs junge Männer. Laut Christina Walzner vom Landratsamt stammen die Menschen aus Syrien und Nigeria und zogen nach Feldkirchen um, weil der Mietvertrag in ihrer bisherigen Bleibe in einer anderen Landkreis-Kommune regulär ausgelaufen war. Einige Bewohner sind anerkannte Flüchtlinge mit Bleiberecht, bei anderen läuft das Asylverfahren.

„Wir sind sehr froh, wie das jetzt gelaufen ist“, sagt Wolfgang Kellerer zufrieden und seine Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, nickt. „Wir hätten doch überhaupt nichts gegen einen Neubau gehabt – aber es muss eben gleiches Recht für alle gelten. Jetzt wird den Flüchtlingen geholfen, das ist doch schön!“

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