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Baubeginn im Herbst: Nach zwei Jahren Planung soll das Raiffeisengelände Form annehmen. Mehr als 33,8 Millionen Euro darf der Neubau aber nicht kosten

Der Bürgermeister war dagegen

33,8 Millionen – und keinen Euro mehr? Gemeinderat deckelt Kosten für Neubau

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Der Bürgermeister konnte mit der Idee nichts anfangen, und doch hat der Gemeinderat dem Bauvorhaben am Ex-Raiffeisengelände einen Kostendeckel verpasst.

Feldkirchen – Die über zweijährige Planungsgeschichte des kommunalen Bauvorhabens auf dem ehemaligen Raiffeisengelände in Feldkirchen nähert sich dem Ende. Insgesamt sollen dort ab Herbst in drei Gebäuden 59 Wohnungen, 20 Senioren-Apartments, eine Mittagsbetreuung für über 80 Kinder sowie ein Bürger-Café entstehen. Die Kosten hat der Gemeinderat nun gedeckelt: auf 33,8 Millionen Euro. Gegen den Widerstand von Bürgermeister Werner van der Weck (SPD).

Nach einem Wettbewerb hatte das Münchner Architekturbüro Felix + Jonas im November 2017 vom Gemeinderat den Auftrag für die Bebauung des Geländes an der S-Bahn-Linie erhalten. Aus den ursprünglich 50 Wohnungen der Ausschreibung wurden 63 in drei, bis zu sechs Stockwerken hohen Gebäuden, die zur Bahn hin aus Schallschutzgründen höher sind und nach Süden und Osten immer niedriger werden. Der erste Entwurf gefiel den Gemeinderäten zunächst nicht, wurde aber doch im September 2018 beschlossen. Nun wurde in jüngster Sitzung die endgültige Planung vorgestellt: Auf einer Grundstücksgröße von 6574 Quadratmetern werden 59 Wohnungen, zwei Senioren-WGs mit je zehn Zimmern, Gemeinschaftsraum und Nebenräumen, dazu eine Mittagsbetreuung sowie ein Bürgertreff mit 100 Quadratmetern entstehen. Unter dem Haus werden 82 Tiefgaragen-Plätze gebaut, drei davon mit Elektro-Schnellladestation.

SPD-Gemeinderat: Wollen keinen Berliner Flughafen

Architekt Peter Schlumprecht vom Büro Felix und Jonas stellte die Planung vor. Er kalkuliert mit Baukosten von rund 30 Millionen Euro. Durch die angespannte Situation in der Baubranche, in der aktuell für den Rohbau „astronomische Preise“ bezahlt werden müssen, kalkulierte er zehn Prozent als Risikosumme dazu und kam so auf Kosten von 33 Millionen Euro. „Aus unserer guten Erfahrung mit einem Kostendeckel bei der Turnhalle schlage ich auch hier einen leicht flexiblen Deckel von 33 Millionen Euro vor“, sagte Gemeinderat Michael Burger (SPD): „Kostet das Haus dann 34 Millionen, ist es noch in Ordnung, kostet es aber plötzlich 40 Millionen, dann nicht mehr.“ Er wolle hier keinen Berliner Flughafen haben.

Sein Fraktionskollege Franz Reinheimer ergänzte, dass die Sporthallen-Kosten während der Planung plötzlich auf fast 14 Millionen gewachsen seien und das Projekt dann doch mit rund acht Millionen sehr gut gelungen wäre. Van der Weck plädierte vor allem an die SPD, den aus seiner Sicht sehr unpraktischen Kostendeckel nicht einzuziehen. „Wir haben doch die Baupreisentwicklung nicht in der Hand, wenn die Kosten plötzlich zu stark steigen während der Ausschreibung, beenden wir dann das ganze Projekt oder müssen im Gemeinderat immer wieder nachjustieren? Ich bin dagegen“, verdeutlichte der Bürgermeister. Damit stand er aber alleine da. 

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Der Rest des Gemeinderats vertraute darauf, dass der Kostenrahmen eingehalten wird. Nach mehreren Berechnungen einigten sich die Fraktionen auf eine Höchstsumme von 33,8 Millionen Euro. Abzüglich der Zuschüsse des Freistaats sowie der Verrechnung des Grundstücks muss die Gemeinde rund 11 Millionen Euro bezahlen. Ob dies über einen Kredit bezahlt wird, wie Burger vorschlug, oder zum Teil aus den Rücklagen, wie van der Weck empfahl, um für die 12 Millionen Euro keine Strafzinsen zahlen zu müssen, wird in einer der Folgesitzungen entschieden.

Das gibt‘s auch nicht oft: In Feldkirchen bezieht der Burschenverein bald eine Wohnung.

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