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Das Schild und der Name Hindenburgplatz sollen verschwinden.

Platz soll umbenannt werden

Hindenburg nicht hinnehmbar

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Emotionaler war in den vergangenen Jahren wohl selten eine Sitzung im Feldkirchner Gemeinderat. Es geht um den Hindenburgplatz und die zweifelhafte Geschichte seines Namensgebers.

Feldkirchen –  SPD und Grüne wollen den Platz am liebsten sofort umbenennen. Den Parteifreien ist der Name dagegen völlig egal und die UWV samt Herbert Vanvolsem (CSU) wollen nur den Namen auf dem Schild durchstreichen und darunter eine Informationstafel anbringen über Hindenburgs Taten.

Den Anfang der „netten Geschichtsstunde für die Bürger“, wie es Silvia Pahl-Leclerque (Grüne) nannte, machte Werner Hartl. Der gebürtige Feldkirchner war 35 Jahre Geschichtslehrer am Gymnasium Perlach, er durfte im Rahmen der Bürgerfragerunde vor Beginn der Sitzung das Wort ergreifen. Eindringlich und detailliert schilderte er das Leben und Wirken Hindenburgs. „Wir dürfen nicht unsere Geschichte tilgen oder vergessen – aber wir können doch unmöglich so einen Mann wie den Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Feldkirchen ehren“, mahnte Hartl. Hindenburg habe, obwohl er einen Eid auf die Weimarer Verfassung geschworen hatte, mit seinen Gesetzen zum Verbot von Kommunisten, Versammlungen, Presserecht oder dem Ermächtigungsgesetz die Demokratie maßgeblich beendet. „Er hat bis zu seinem Tod im August 1934 nichts für die Bürger Deutschlands gemacht, hat Hitler ins Amt gehoben und mit ihm auf einem Wahlplakat posiert.“

Andenken verdienter Bürger wird durch Hindenburg entweiht

Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) ergänzte, dass er sich seit Jahren intensiv mit der deutsche Geschichte befasse: „Hindenburg war nie in Feldkirchen und hat kein Jota für unseren Ort getan.“ Am 12. Mai 1933 wurde der kleine Platz am Kriegerdenkmal über Nacht in Hindenburgplatz, die Münchner Straße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. „Und am 9. Mai 1945 war das Hitler-Schild weg, nur den Hindenburg haben sie vergessen – das müssen wir jetzt tun“, forderte der Bürgermeister. Es gebe so viele verdiente Bürger aus Feldkirchen, nach denen Straßen benannt sind, deren Andenken werde durch den Hindenburgplatz entweiht.

Die beiden Gemeinderätinnen der Grünen stellten klar, dass sie die Umbenennung des Platzes vor allem wegen „den vielen populistischen und undemokratischen Tendenzen in Polen, Ungarn oder Tschechien wollen. Das können wir durch einen Hindenburgplatz nicht unterstützen“, sagte Silvia Pahl-Leclerque. Fraktionskollegin Simone Krois schlug vor, das Thema und den neuen Namen in den Feldkirchner Schulen zur Diskussion zu stellen, sie plädierte für Maitanzplatz.

„Ich dachte, das ist der Name eines Schiffes“

Christian Wurth (Parteifreie) erläuterte, dass für ihn als gebürtiger Feldkirchner der Platz immer so hieß. „Ich dachte bis gestern, das ist der Name eines Schiffes, dass da ein Mann dahintersteckt, war mir völlig neu.“ Für ihn sei der Name des Platzes aber so wichtig, als wenn „in Chicago eine Bratwurst platzt“.

Fraktionskollege Gerorg Mermi sah das ebenso „schmerzlos“. Einfach nur tilgen wollte er den Namen aber nicht, es müsste eine Informationstafel aufgestellt werden. „Ich finde Maibaumplatz am sinnvollsten.“

Franz Golibrzuch (UWV) sagte, dass ihn viele ältere Feldkirchner angesprochen hätten, der Platz solle weiterhin so heißen. „Ebenso wie auch Hitler am Anfang den Menschen Arbeit und Brot gab, hatte Hindenburg nicht nur schlechte Seiten. Er war beliebt und wurde von der Mehrheit vor 90 Jahren gewählt“, betonte Golibrzuch. Er plädierte für eine Informationstafel und dass der Name Hindenburg nur durchgestrichen, aber nicht entfernt werde. Das sah auch Fraktionskollege Schön so, der darauf verwies, dass es viele Orte in Deutschland gebe, in denen sich Bürgerentscheide klar gegen eine Umbenennung der Hindenburgplätze ausgesprochen hätten.

„Das ist unsere Geschichte“

Dorothea Probst (UWV) kritisierte, die Vorfahren so schlecht darzustellen. „Das waren doch nicht alles Deppen, die haben dem gewählten Reichspräsidenten eine Ehre erwiesen. Das ist unsere Geschichte.“ Herbert Vanvolsem bemängelte die sehr einseitige Darstellung durch den Bürgermeister und viele Gemeinderäte, auch er habe sich intensiv mit Hindenburg befasst. „Es steht uns heute nicht zu, alles von damals nur negativ zu sehen. Wenn der Hindenburg wegkommt, dann aber bitte auch die Zeppelin- und die Richthofenstraße, denn die waren ebenso Kriegshelden und haben nichts mit Feldkirchen zu tun“, forderte Vanvolsem.

Gegen fünf Stimmen von UWV und Vanvolsem beschloss die Mehrheit des Gemeinderats die Umbenennung des Platzes. Wie er künftig heißen soll, ist noch unklar.

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