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Digitales Klassenzimmer: Die ersten gespendeten Laptops sind im Einsatz, aber es fehlen noch viele Geräte für das Kinderheim. An den neuen Computern lernen (v.l.) Manuel (17), Nachhilfe-Lehrer Reimer Grundmann, Lara (10), Heimleiter Achim Weiss, Paris (8), Erzieherin Jutta Bisani und Maya (17).

Spendenaufruf

Lernen im Kinderheim: Laptops und Tablets gesucht

  • Bert Brosch
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Im Tages- oder Wochenrhythmus gehen die Kinder und Jugendlichen, die im Feldkirchner Kinderheim leben, in die Schule. Doch wenn sie im Heim lernen, haben sie ein Problem: Es fehlen Laptops. 

Feldkirchen– Manuel (17) ist total stolz. Er hat vor wenigen Tagen sein Quali-Zeugnis bekommen. Note: 2,7. Nach den Sommerferien möchte er weitermachen mit der Schule. Nur was, wenn die dann wegen einer zweiten Corona-Welle wieder schließen müssen? Das ist für Manuel und die anderen Buben und Mädchen im evangelischen Kinderheim (EvKi) ein großes Problem. Denn Aufgaben im Heim zu lösen, klappt nur mit der entsprechenden technischen Ausrüstung. Die fehlt aber, daher ruft der „Freundeskreis“ nun zu Geld- oder Sachspenden auf.

Einer, der sich um die Kinder im Heim kümmert, ist Reimer Grundmann. Der frühere Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte ist heute als Nachhilfelehrer im EvKi tätig. Er hat Manuel zwei Jahre intensiv begleitet. „Durch Corona mussten unsere Kinder und Erzieher ganz neue Wege finden, um den Schulstoff zu bewältigen“, sagt Grundmann. Mittlerweile sind die Schüler wieder im Unterricht – allerdings oft nur tageweise oder jede zweite Woche. Die Schulen versorgen die Kinder zwar mit Aufgaben und Lösungen, doch um diese überhaupt empfangen und bearbeiten zu können, muss das technische Equipment passen.

„So sind unsere Kinder doppelt benachteiligt: technisch und sozial“

In manchen Gruppen gibt es nur einen PC für neun Kinder zwischen sechs und 18 Jahren, Smartphones mit großen Daten-Tarifen haben die Kinder nicht. „So sind unsere Kinder doppelt benachteiligt: technisch und sozial“, sagt Grundmann. Zwar habe man einen Hausmeister, der technisch fit ist und versucht, jede nur erdenkliche Leitung und Verbindung herzustellen, alle verfügbare Technik zu installieren. Aber es fehlen eben die Geräte.

Der Freundeskreis des Heims, der sich vor einigen Jahren gegründet hat, will helfen. Die zehn bis zwölf Leute grillen normalerweise beim Sommerfest, helfen technisch aus, machen Oldtimer-Ausflüge mit den Kindern, spielen Fußball oder sammeln eben Spenden, erläutert Heimleiter Achim Weiss. Jetzt ruft der Freundeskreis zu Geldspenden auf, damit die Laptops und Tablets gekauft werden können, oder am besten gleich zu Sachspenden. In einer ersten Welle kamen so fast 5000 Euro zusammen. „Da konnten wir 16 Laptops anschaffen“, sagt Grundmann. „Wir haben aber neun Gruppen, brauchen also noch einmal 16 bis 18 Laptops und ebenso viele Tablets, dass wenigstens immer zwei Kinder gemeinsam ein Gerät benutzen können.“ Dabei hält er einen dicken Stoß von 16 beidseitig bedruckten Blättern mit Mathe-Aufgaben hoch. „Das ist der Stoff für eine Woche in der fünften Klasse Gymnasium – das kann man nur herunterladen und bearbeiten, wenn die Technik passt.“

„Dann hat er von sich aus gesagt, er will mehr“

Die Verantwortlichen des EvKi denken nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst. Sollten dann die Schulen wieder schließen, wollen sie wenigstens technisch vorbereitet sein. „Schön wäre es auch, wenn die Schulen sich auf ein gemeinsames System einigen könnten, aktuell bekommen wir E-Mails, Whatsapp-Nachrichten, haben die Mebis-Plattform, die jede Schule anders aufbaut – das ist für die Kinder, aber auch für uns Erzieher schon sehr kompliziert“, sagt Erzieherin Jutta Bisani.

Der 17-jährige Manuel hat es dennoch gemeistert. „Er ist schon acht Jahre bei uns und war jahrelang in der Förderschule“, sagt Bisani. „Dann hat er von sich aus gesagt, er will mehr – also haben wir ihn gefördert und sind ebenso stolz wie er, was er geschafft hat.“

Gespendet

werden kann an: Innere Mission München Diakonie; DE21 7025 0150 0040 2517 61 „Spende für Beschulung“.

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