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Frauen für den Sport: (v.l.) Elke Baumgärtner, Annette Ganssmüller-Maluche und Brigitte Pfaffinger.

Fehlende Unterstützung, fehlende Hallen

Sportvereine beklagen sich

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Fehlender Platz, fehlendes Geld, viel Bürokratie: Vertreter von Sportvereinen haben ihrem Ärger in Feldkirchen Luft gemacht. Auch Lehrer stehen in der Kritik.

Feldkirchen – Es gibt zu wenig Sportunterricht an den Schulen. Das stößt vielen sauer auf. Elke Baumgärtner (58), frisch gewählte Kreis-Vorsitzende des Bayerischen Landessport-Verbandes (BLSV) und damit Ansprechpartnerin für 198 Sportvereine, kritisiert diese Entwicklung massiv. Die meisten Schüler hätten nur noch zwei Stunden Sport wöchentlich. „Durch den Nachmittagsunterricht haben wir uns mehr Sport erhofft, doch zu wenige Lehrer und der Druck auf die Schüler verhindert das“, sagte sie im Rahmen der Gesprächsreihe „Frauen im Landkreis“ in der Vereinsgaststätte des TSV Feldkirchen. Diese Reihe hat die SPD-Landtagskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche initiiert. Diesmal drehte sich das Thema um den Sport.

„Wir Vereine stünden schon bereit mit unseren Übungsleitern“, sagte Brigitte Pfaffinger, Vorsitzende des TSV Feldkirchen. Der TSV bot Tischtennis, Judo und die Flitze-Kids als „Sport nach Eins“ an. Diese Angebote hätten immer mehr Kinder angenommen. „Wir haben dafür keinen Cent erhalten. Also gibt es das nicht mehr“, bedauert Pfaffinger.

Mehr Geld für Schulsport

Gemeinsam mit Baumgärtner fordert sie, dass der Staat mehr Geld, Personal und Ausbildung für die Lehrer zur Verfügung stellt, um den Schulsport zu fördern. „Das muss nichts Großes sein“, betonte die BLSV-Vorsitzende. Zum Beispiel genüge eine Box mit Frisbees, Bällen und ein paar Schlägern für Sport in den Pausen – oder „im Englisch-, Mathe- oder Biounterricht zur Auflockerung“. Doch es fehle auch am Engagement der Lehrer, war bei der Veranstaltung zu hören. „Mehr als jede Woche Völkerball mit Jeans und strumpfsockig kommt selten raus“, sagte eine Mutter.

Kritik an Gemeinde Ismaning

Kritik übte Barbara Fesl, Vorsitzende des SV Solidarität Ismaning, auch an der Kommune. Der Verein bietet Rollsport, Radball und Kunstrad an und benötigt „speziellen Boden und genügend Platz“. Bei Fuß- oder Handball könnten 20 Jugendliche in der Halle einem Ball hinterhertoben, „bei uns geht das nicht“, betonte Fesl. Und obwohl die Gemeinde Ismaning genügend Geld habe, müsse sie immer um Hallen und spezielle Beläge betteln. „Sämtliche Sport-Förderung bei uns in Deutschland geht nur in Richtung Fußball“, schimpfte sie und bekam Unterstützung der anderen Frauen.

Auch Pfaffinger kennt das Problem: Sie sei ständig auf der Suche nach Sponsoren und Förderern für den Gesamtverein. Solche Firmen seien im Münchner Speckgürtel nicht schwer zu finden. Aber: „Das Vereins- und Steuerrecht ist unpraktisch und kompliziert: Wenn uns einer Geld gibt, kann ich eine Spendenquittung ausstellen. Wenn der aber mit uns werben will, bekommen wir als gemeinnütziger Verein große Probleme. Das sollte dringend geändert werden“, forderte Pfaffinger.

Datenschutz nervt DLRG

Bürokratische Hürden kennt auch Magdalena Linke vom DLRG Haar gut. Ein „völlig überzogener Datenschutz“ verhindere es mittlerweile, dass sie den Trainern Listen mit den Namen der Kinder geben darf. „Die haben keine Ahnung, wen sie da vor sich im Wasser haben, ob das Kind angemeldet ist oder nicht. Bei uns wird alles völlig irrsinnig überreguliert.“

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