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Die Lebensmittel-Engel von Feldkirchen

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Von: Bert Brosch

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Helfer mit Herz: Jutta Rasp, Initiatorin der „Feldkirchener Engel“ mit zwei ihrer „Engel: Bürgermeister Andreas Janson (li.) und Fahrrad-Lieferant Alfred Kraus.
Helfer mit Herz: Jutta Rasp, Initiatorin der „Feldkirchener Engel“ mit zwei ihrer „Engel: Bürgermeister Andreas Janson (li.) und Fahrrad-Lieferant Alfred Kraus. © Bert Brosch

Als die Tafeln zu Beginn der Corona-Pandemie schließen mussten, wollte Jutta Rasp aus Feldkirchen das nicht einfach so hinnehmen. Um Bedürftige auch weiterhin mit Lebensmitteln und dem Nötigsten für den Alltag zu versorgen, gründete sie vor zwei Jahren die Initiative „Feldkirchner Engel“.

Feldkirchen - Bis zu zwei Tonnen Lebensmittel verteilen Jutta Rasp (54) und ihre sechs Mitstreiter der „Feldkirchener Engel“ seit zwei Jahren täglich an Menschen, die sich aus finanziellen oder körperlichen Gründen nicht mehr selbst versorgen können. Alles begann mit einem Hilferuf der Tafeln zu Beginn der Corona-Pandemie.

Zu Spitzenzeiten 366 Bedürftige

Wenn sich Rasp gegen 13 Uhr nach ihrer Arbeit als Physikerin ans Steuer des Kleinbusses setzt, den ihr die Gemeinde über die „Feldkirchner Bürgerstiftung“ zur Verfügung stellt, dann hat sie viele Stunden ehrenamtliches Engagement vor sich. Rasp leitet die „Feldkirchener Engel“, sammelt gemeinsam mit sechs weiteren Helfern – vom katholischen Diakon Markus Paulke, über Gemeinderat Knut Schwarz bis hin zu Bürgermeister Andreas Janson – täglich Lebensmittel in den umliegenden Supermärkten und Bäckereien ein. Diese verteilt sie an Menschen mit geringem Einkommen im Gemeindegebiet von Feldkirchen, Kirchheim, Aschheim bis nach Parsdorf. „Zu Spitzenzeiten haben wir 366 Familien und Einzelpersonen versorgt. Jetzt sind die Tafeln zwar wieder geöffnet, aber wir unterstützen täglich immer noch bis zu 90 Haushalte“, berichtet Rasp.

Vom Senior bis zum Arbeiter

Jutta Rasp wohnt seit 19 Jahren in Feldkirchen, schon immer engagiert sie sich sozial. „Es macht mir einfach Spaß, Mitmenschen etwas zu schenken: kleine Kuchen und Backformen oder Kärtchen zu Ostern und Weihnachten, für jemanden etwas einkaufen“, sagt sie. Vor zehn Jahren bemerkte sie in ihrer Nachbarschaft, dass es immer mehr Menschen gab – Senioren, Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende, Azubis oder auch „normale“ Arbeiter mit geringem Einkommen –, die es nicht mehr schafften, sich komplett zu versorgen. „Viele davon scheuen den Weg zur Tafel oder zum Sozialamt, also half ich ihnen und kaufte für sie ein. Das erkennt man sehr schnell, wem es nicht langt und wem man helfen muss“, betont die 54-Jährige.

Als Tafeln schließen, springt Jutta Rasp ein

Vor zwei Jahren las sie in der Zeitung, dass die Tafeln Probleme hatten, ihre Lebensmittel unter Pandemie-Bedingungen zu verteilen. „Dann schlossen die Tafeln ganz, auch die für Feldkirchen zuständige in Kirchheim. Das war ein Desaster für viele Menschen in der Umgebung.“ Noch am gleichen Tag rief Rasp bei Supermärkten und Bäckereien an und fragte, ob diese die für die Tafeln reservierten Lebensmittel auch an sie abgeben würden. „Überall stieß ich auf große Unterstützung. Denn was kurz vor dem Ablaufdatum stand, war ja fest vorgeplant zum Verteilen an Bedürftige, die wollten das nicht wegwerfen.“

Gemeinde stellt Bus zur Verfügung

Nun stand Rasp vor dem Problem, wie sie die großen Mengen an Waren einsammeln und kühlen sollte, so ein Auto hatte sie nicht. Kurzerhand rief sie Gemeinderat Knut Schwarz (UWV) an, der am Feldkirchner Bauhof arbeitet, daher gute Kontakte in alle Richtungen hat, auch zu Bürgermeister Andreas Janson. Beide waren sofort mit dabei, ebenso Diakon Markus Paulke. „Von der Gemeinde erhielten wir den Kleinbus der Bürgerstiftung, vom Getränkemarkt Haussmann oder dem Fahrzeug-Bauer Jännert einen Kühlanhänger. „Und so konnten wir bereits am nächsten Tag starten, Lebensmittel einzusammeln, die noch am gleichen Tag verteilt waren“, berichtet Janson. Einige Menschen seien schon sehr überrascht gewesen, wenn sie geklingelt hätten und Tüten mit Lebensmittel brachten. „Eine Frau hat jedes Mal geweint vor Dankbarkeit und dann Erdbeerkuchen gemacht für das ganze Haus“, erzählt Janson.

Menschen zwischen 18 und 92 Jahren

Es sei im Ort bekannt, wer bedürftig ist oder körperlich nicht mehr in der Lage, alles selbst einzukaufen. An Spitzentagen belieferten sie 366 Haushalte mit Menschen zwischen 18 und 92 Jahren. Seit die Tafel wieder geöffnet hat, sind es immer noch 70 bis 90 Stationen, an denen die Feldkirchner Engel täglich Lebensmittel abgeben, jeder Kunde wird zwei Mal in der Woche beliefert. „Das sind bis zu zwei Tonnen am Tag – eine ganz schön harte Arbeit“, sagt Rasp.

Engel brauchen Spenden

Sie bräuchten dringend Geldspenden, denn der Sprit für das Auto ist so teuer geworden, sie fahren am Tag bis zu 300 Kilometer. „Darum beliefere ich die Kunden auch mit dem Fahrrad, da gibt’s keine Spritkosten“, sagt „Engel“ Alfred Kraus. Wer helfen möchte kann sich melden: feldkirchener-engel@web.de.

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