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Gute Aussichten für Pilzsucher.

Interview mit der Sachverständigen Bettina Haberl

Glücksjahr für Schwammerlsucher

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Passionierte Schwammerlsucher dürfen sich freuen: Heuer sprießen die Pilze zahlreich in den Wäldern rund um München.

Feldkirchen – Zwar gibt es Pfifferlinge und Steinpilze nicht massenweise, aber dafür landet eine breite Vielfalt im Korb. Bettina Haberl (45) aus Feldkirchen kennt sich gut mit ihnen aus. Sie arbeitet im Klinikum rechts der Isar und ist geprüfte Pilzsachverständige. Im toxikologischen Labor hat sie mit Pilzvergiftungen zu tun. Auch in ihrer Freizeit interessiert sie sich für Pilze. Wenn sie auf Schwammerlsuche geht, hält sie besonders Ausschau nach dem Parasol.

-Macht sich die Pilzsaison bei Ihnen im toxokologischen Labor stark bemerkbar?

Ja, heuer ist ein sehr gutes Pilzjahr. Wir hatten in den vergangenen Wochen gut 300 Anrufe. Viele der Anrufer kamen mit echten Pilzvergiftungen. Wenn nach einer Pilzmahlzeit Symptome auftreten, ist es hilfreich, wenn man Putzreste, Essensreste oder Teile des Erbrochenen mitbringt, damit wir den Pilz bestimmen können und die richtige Behandlung eingeleitet wird. Manche Patienten haben aber auch keine echte Pilzvergiftung, sondern eine Lebensmittelvergiftung, wenn zum Beispiel die Pilze nicht ganz durchgegart worden sind oder auch wenn alte, überständige Pilze in der Pfanne landen.

-Welcher Giftpilz ist dieses Jahr denn stark vertreten?

Die Karbolegerlinge sind seit zwei Wochen die Renner. Der Karbolegerling steht vorzugsweise in Gärten oder parkähnlichen Anlagen, dieses Jahr eben sehr häufig – das verleitet die Leute… Ein weiterer giftiger Champignon ist der Perlhuhnegerling, er wächst im Wald. Beide verursachen heftige Magen-Darmprobleme nach einer kurzen Latenzzeit.

-Woran kann man diese beiden giftigen Champignon-Arten erkennen?

Schon beim Sammeln von Karbolegerlingen und Perlhuhnegerlingen fällt auf, dass sich das Fruchtfleisch in der Stielbasis stark chromgelb verfärbt. Spätestens aber beim Erhitzen sollte den Leuten das starke Gilben und ein sehr unangenehmer Geruch auffallen.

-Essen Sie selbst auch Pilze?

Ich esse natürlich schon ab und zu gerne mal Pilze, das bietet sich ja auch an, wenn man sowieso unterwegs ist im Wald. Als Pilzsachverständige wird man natürlich von den Leuten nach dem Geschmack einzelner Arten gefragt. Sodass ich mir dann vorgenommen habe, pro Jahr immer wieder mal einen oder zwei Speisepilze, die ich noch nicht verkostet habe, auszuprobieren, um mir einfach selbst ein Bild zu machen. Etwa 15 habe ich schon probiert. Was mir sehr gut schmeckt, ist der Parasol. Er wird paniert wie ein Wiener Schnitzel und schmeckt auch ähnlich. Beliebt bei den Speisepilzsammlern sind auch Maronenröhrling, Perlpilze und Hallimasch. Aber hier muss man vorsichtig sein. Bei diesen Arten kommt es immer wieder zu Magen-Darm-Problemen, weil diese Pilze roh oder ungenügend erhitzt giftig sind.

-Welchen Pilz haben Sie dieses Jahr neu verkostet?

Den Mehlräsling und Mönchsköpfe.

-Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen unbekannten Pilz bestimmen?

Gerade habe ich noch ein paar Haarschleierlinge zur Bestimmung im Kühlschrank. Dazu benötigt man gute Literatur und ein Mikroskop.

-Was schätzen Sie an Speisepilzen?

Pilze schmecken gut und können eine wertvolle Bereicherung unseres Speisezettels sein. Sie enthalten einen hohen Eiweißgehalt und beachtliche Mengen an Mineralien, Spurenelementen und Ballaststoffen sowie Vitamine aus der B-Gruppe.

-Welche Ecken empfehlen Sie für die Schwammerlsuche?

Pilze gibt es grundsätzlich natürlich überall, aber zum Schwammerlsuchen geht man in den Wald. In unserer Region bietet sich da der Ebersberger Forst, das Moränengebiet um Aying oder auch die Wälder rund um Möschenfeld an. Das ist ein altbekanntes Pilzgebiet und an den Wochenenden in der Saison findet man dort kaum noch einen Parkplatz.

Das Gespräch führte
Charlotte Borst.

Pilzberatung

Der Verein für Pilzkunde München bietet am Montag, 9. Oktober, im Münchner Rathaus am Marienplatz eine Pilzberatung an, von 10 bis 13 und 16.30 bis 18 Uhr. Telefonisch zu erreichen unter 089/ 233 282 42. Ratsuchende können auch zu den Vereinsabenden in der Implerstraße 9 kommen, immer montags ab 18 Uhr.

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