Nur die rote Verwenkungsvariante ist als Kompromisslösung umsetzbar: Sie reicht direkt an die Messe, kreuzt die Ottendichler Straße in Höhe des Autobahnkreuzes und schwenkt am Ortsteingang Feldkirchen wieder in die Stammlinie ein
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Nur die rote Verwenkungsvariante ist als Kompromisslösung umsetzbar: Sie reicht direkt an die Messe, kreuzt die Ottendichler Straße in Höhe des Autobahnkreuzes und schwenkt am Ortsteingang Feldkirchen wieder in die Stammlinie ein. Diese Streckenführung ist bereits mit Verkehrsministerin Schreyer abgesprochen.

Vierspuriger Ausbau stößt auf Kritik

Kein Bündnis mit den Lärmbringern: Feldkirchen hat weiterhin Bedenken gegen S-Bahn-Streckenausbau

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Die Gemeinde Feldkirchen ist bisher nicht im S-Bahn Bündnis Ost vertreten. Ob sich dies ändert und Feldkirchen doch noch beitreten soll, wurde im Gemeinderat jetzt kontrovers diskutiert. Denn die Bedenken über die Auswirkungen des vierspurigen Ausbaus der Strecke München Ost bis Markt Schwaben sind groß.

Feldkirchen – Vertreter der Messe München und des Projekt-Gutacherbüros haben versucht, ihr Projekt, den vierspurigen Ausbau des Strecke München Ost bis Markt Schwaben inklusive der Anbindung der Messestadt, den Mitgliedern des Gemeinderats schmackhaft zu machen. Feldkirchen hat bereits seit Jahren Bedenken gegen das Projekt, der frühere Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) befürchtete stets Nachteiliges für die Wohnbebauung aufgrund der Verschwenkung der S-Bahn zur Messe und die Rückführung auf die Stammstrecke. Diese Streckenführung durchschneidet Feldkirchner Gebiet und rückt nah an die bestehende und künftige Wohnbebauung heran.

Mehr Bewohner und Ausbau der Zugstrecke München-Freilassing erfordern Taktverdichtung

Die S-Bahnlinie S2 im Münchner Osten sei jedoch übervoll, die Kapazität der U-Bahn erschöpft, ein starkes Bevölkerungswachstum werde bis 2030 prognostiziert und der Erdinger Ringschluss sowie der Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing erfordere eine Taktverdichtung, argumentiert das S-Bahn-Bündnis. Zu dem haben sich die Landkreise Ebersberg, Erding und München, die Bürgermeister entlang der S2, die Handwerkskammer und IHK sowie die Messe München 2015 zusammengeschlossen. Würde sich Feldkirchen dem Bündnis anschließen, dann „könnten wir mitreden und nicht nur über Ergebnisse informiert werden“, regte Bürgermeister Andreas Janson (UWV) an.

Gutachter Konrad Daxenberger von Lahmeyer Deutschland GmbH präsentierte nun dem Gemeinderat Varianten, die nicht über die Feldkirchner Fluren laufen, aber „nicht realisiert werden können aufgrund der mit 80km/h zu geringen Geschwindigkeit der S-Bahn.“ Zudem liege der Ausstiegspunkt zu weit vom Messe-Eingang entfernt, „das ist nicht zumutbar und rechtfertigt nicht die hohen Investitionen.“ Die Verschwenkung koste rund 250 Millionen Euro, ein Viertel des Strecken-Gesamtausbaus.

Kompromisslösung bereits mit Verkehrsministerin abgestimmt

Eine vom ersten Planungsentwurf abgemilderte Kompromisslösung reicht nun direkt an die Messe, kreuzt die Ottendichler Straße in Höhe des Autobahnkreuzes und schwenkt am Ortsteingang Feldkirchen wieder in die Stammlinie ein. Diese Linienführung sei auch bereits mit der Bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) abgesprochen, mit dieser Lösung wolle man nun in Verhandlungen mit der Bahn treten, damit die Planungen aufgenommen werden können.

Da die gesamte Bahnstrecke vom Ostbahnhof bis Mühldorf in einzelnen Schritten erfolge, führe zumindest die Verschwenkung der S-Bahn bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Kapazität“, betonte Messe-Chef Klaus Dittrich. Die Feldkirchner würden von der Taktverdichtung profitieren, die Straßen vom Verkehr entlastet und hätten aufgrund von Schallschutzmaßnahmen auch nicht mehr Lärm. „Die Grenzwerte werden aktuell bereits tags und nachts überschritten, das bleibt gleich“, versicherte Daxenberger.

Die Reaktionen der Feldkirchner Gemeinderäte

Die Gemeinderäte reagierten allerdings verhalten, Herbert Vanvolsem (CSU) wurde hellhörig, wenn die Messe „uns verspricht, dass wir profitieren. Das ist meist nicht der Fall.“ Sein Kollege Stefan Seiffert hat generelle Bedenken gegen den vierspurigen Ausbau. „Feldkirchen hat alle Anbindungen, die wir nicht brauchen: Die A94 und A99, die Umgehungsstraße von Ebersberg, den Schnellbus aus Poing“, monierte Michael Schön (UWV). „Wir brauchen das alles nicht in dieser Intensität, aber wir können uns gegen nichts wehren, wir können nur verzögern.“

Ob die Taktverdichtung von allen Bürgern gewünscht und gebraucht wird, zweifelte Sylvia Ritter (UWV) an. Sie als S-Bahn Pendlerin brauche keine Verdichtung, sie fahre morgens nach München und abends heraus. Ob fünf Minuten früher oder später sei ihr egal. „Ich möchte aber in Ruhe an der S-Bahn wohnen.“ Der gut vier Meter hohe bepflanzte Lärmschutzwall entlang der Bahnstrecke und dann noch eine zwei Meter hohe Mauer darauf im Zuge der Lärmschutzvorsorge und -sanierung seien für sie keine erstrebenswerte Lösung. Vor allem, da der Lärm und Schall ja irgendwo wieder herunterkomme, wie Silvia Pahl-Leclerque (Grüne) anmerkte.

Eine Weiterführung der U-Bahn um etwa zwei Kilometer, da hierfür ja die Gleise ja bereits bis in Feldkirchener Flur liegen, wie Christian Wilhelm (SPD) anregte oder eine Einhausung „kommt für das Bündnis nicht in Frage“, sagte Daxenberger. Ob Feldkirchen dem Bündnis beitritt wurde letztlich nicht entschieden, sicher waren sich die Gemeinderäte darüber: „Hier wird es immense Widerstände auch aus der Bürgerschaft geben.

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