Markus Sperl aus Feldkirchen hat eine Knochenmarkspenderin für seinen Sohn Alex gefunden.
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Markus Sperl aus Feldkirchen hat eine Knochenmarkspenderin für seinen Sohn Alex gefunden.
Das ist Alex, dessen Familie um sein Leben kämpft.
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Das ist Alex, dessen Familie um sein Leben kämpft.
Monika Ptacek und Sabine Horak.
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Monika Ptacek und Sabine Horak.
Pfarrer Martin Zöbeley.
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Pfarrer Martin Zöbeley.
Hubertus von Pilgrim in seinem Atelier.
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Hubertus von Pilgrim in seinem Atelier.
Bernd Heinrich engagiert sich mit seiner Frau Monika und dem Verein ProNam in Namibia.
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Bernd Heinrich engagiert sich mit seiner Frau Monika und dem Verein ProNam in Namibia.
Midhi (l.) und Surush.
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Midhi (l.) und Surush.

Rückblick

Leser erzählen: Mein bewegendster Moment 2016

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Landkreis - Von der Hoffnung für den todkranken Sohn bis zum Pfauenauge im Winter: Menschen erzählen ihre Geschichte

Für die einen war es der Moment im Frühling, als endlich die ersten Blümchen durch die Schneedecke gespitzt sind. Andere waren besonders beeindruckt, als sie in Afrika die Dankbarkeit der Kinder dort spürten für die geleistete Hilfe. Wieder andere erlebten magische Augenblicke, weil sich Dinge fügten, die man als Mensch gar nicht bewirken kann. Sozial Engagierte, Pfarrer, Künstler und junge unbegleitete Flüchtlinge, die voller Hoffnung hier ein neues Leben begonnen haben, erzählen über die Situationen im vergangenen Jahr, die sie am meisten bewegt haben. Viele von ihnen haben uns mehrere Geschichten erzählt.

Midhi und Surush

Die beiden 17-Jährigen sind zwei der noch rund 70 gleichaltrigen Schutzsuchenden, die auf der Burg Schwaneck beim Kreisjugendring in Pullach untergebracht worden sind. Wo sie nur bis März des Neuen Jahres bleiben können. Die beiden haben sich bestens eingelebt, sie haben heuer in Pullach in der Bücherei ein Praktikum gemacht, sie haben hier Freunde gefunden. Sie sprechen passabel Deutsch und besuchen mittlerweile die Berufsschule in München-Riem. Dorthin sind sie eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrmitteln unterwegs, einfache Strecke. Sie kommen aus Syrien und Afghanistan. Sie sagen: „Für uns ist es vor allem toll, dass wir jetzt endlich in eine Schule gehen können, wir wollen den Quali machen. Das Praktikum in der Bücherei hat uns sehr gefallen, die Leute waren so freundlich und haben uns viel geholfen.“ Für Midhi war außerdem besonders, dass ihm in dem Maler-Betrieb, in dem er ebenfalls aushilfsweise gearbeitet hat, gleich eine Lehrstelle angeboten worden ist. „Das hat mich besonders gefreut, aber ich konnte noch nicht genug Deutsch.“ Der wichtigste Tag für ihn in diesem Jahr: Ein Tag im November, an dem er mit seiner Freundin Einjähriges gefeiert hat.

Bernd Heinrich

Der 70-Jährige aus Unterschleißheim hat schon vor vielen Jahren zusammen mit Bekannten von den Pfadfindern eine Hilfsorganisation gegründet, die „ProNam“ heißt und verschiedene Projekte in Namibia betreut. Auch heuer war Heinrich zusammen mit seiner Frau Monika wieder in dem afrikanischen Land, diesmal, um Spenden an ein Waisenhaus zu übergeben. Wo sie dann bei einer Veranstaltung erlebten, wie plötzlich ein kleines Mädchen zu Monika Heinrich kam und ihre Hand in die der weißen Besucherin schob. „Das war ein Moment, der einem wirklich unter die Haut ging, dieses Händchen des vielleicht vierjährigen Kindes in der großen Hand meiner Frau. Wir haben dem Waisenhaus mehrere 1000 Euro überbracht. Für uns hier an sich keine so große Summe, aber dort kann man damit sehr viel bewegen.“

Monika Ptacek

Die 48-Jährige aus Pullach setzt sich zum einen sehr für Flüchtlinge ein in ihrer Gemeinde. Zum anderen hat sie heuer Weihnachten mal ganz anders gefeiert – in Afrika, wohin ihre Tochter für ein freiwilliges soziales Jahr gegangen ist. Der Abschied von der Tochter im Sommer, der war freilich auch besonders bewegend für die junge Mutter. „Aber wenn wir uns jetzt dann wiedersehen in Benin, das wird uns allen auch ziemlich nahe gehen“, sagte sie vor der Abfahrt. Einen anderen Moment, den sie nicht vergessen hat, erlebte sie in diesem Jahr mit einem jungen Schutzsuchenden aus Syrien, der mit seiner Familie nach Pullach gekommen war. Der Junge ist 15, für ihn fand sich länger kein Platz in einer Schule – bis irgendwann klar wurde: Er kann nach Oberhaching gehen. „Ich hab ihm das dann erklärt, er hat mich angeschaut, er sprach noch nicht soviel Deutsch. Aber dass er jetzt auch in die Schule gehen kann, das hat er sehr wohl verstanden. Und dann sagte er zu mir: ,Ich bin glücklich.’ Das war sehr sehr rührend.“

Sabine Horak

Für die 67-Jährige, sehr engagierte Leiterin des Helferkreises Asyl in Pullach, war heuer wieder ein besonders schönes Erlebnis, zu beobachten, wie es langsam Frühling wird im eigenen Garten.„Schon in meinen frühen Kindheitserinnerungen spielt die Natur eine große Rolle. Den Wechsel der Jahreszeiten mit den entsprechenden Tätigkeiten erlebte ich von klein an ganz bewusst im Garten meiner Familie“, erzählt Sabine Horak. Und sie fährt fort: „Wobei der Winter immer eine Sonderstellung hatte mit seiner großen Stille, den reduzierten Farben und der damals noch wirklich dicken, weißen Schneedecke. Wenn sich dann aber eines Tages die ersten gelben Winterlinge durch den Schnee ans Licht gekämpft haben und dem Winter vorwitzig sein nahendes Ende ankündigen, dann schlägt mein Herz auch heute noch schneller und lässt mich die Tage ungeduldig zählen, bis die Sonne wieder uneingeschränkt das Regiment übernimmt.“

Martin Zöbeley

Der 54-Jährige ist seit fast zwei Jahren Pfarrer der evangelischen Jakobuskirche in Pullach, hat zwei Momente erlebt in diesem Jahr, die ohne menschliches Zutun magischen Charakter angenommen haben: „Der eine dieser Momente war heuer im Sommer, wir hatten in der Gemeinde ältere Leute eingeladen, um mit ihnen ihre Geburtstage zu feiern. Unter ihnen war auch Herr Eggelsmann, ein alter Mann, der sich schon länger zurückgezogen hatte und nicht mehr sprach. Er wurde an den Tisch geschoben im Rollstuhl, ich hatte zu jedem Gedeck einen kleinen Segensspruch gelegt. Und da nimmt Herr Eggelsmann das Papier – und liest einfach laut und deutlich diesen Spruch vor, der da stand. Er ist vor kurzem gestorben, und das, was er an diesem Tag vorgelesen hat, waren wirklich seine letzten Worte. Das andere Erlebnis passt da ganz gut dazu, es war am Sonntag vor dem ersten Advent, dem Ewigkeitssonntag. Wir hatten einen Gottesdienst mit Totengedenken gefeiert, das Ganze war schon fast vorbei, da flog plötzlich ein besonders schönes Pfauenauge in unserer Kirche herum. Ein Pfauenauge, mitten im Winter! Was umso wundersamer war, weil ja Schmetterlinge seit der Antike schon als Symbol gelten für die Auferstehung.“

Markus Sperl

Der 31-Jährige ist Rettungsassistent aus Feldkirchen. Heuer im Mai ist er Vater geworden. Aber schon zwei Monate später erfuhren er und seine Frau, dass ihr kleiner Sohn, Alex, eine schwere, genetisch bedingte Immunerkrankung hat. Die muss man behandeln wie Leukämie – die quälende Suche nach einem Stammzellenspender begann, mit der Kampagne „Sei ein held – rette Alex“. Gott sei Dank ist ein Stammzellenspenderin gefunden worden. „Dieses Jahr war für mich und meine Frau natürlich voller bewegender Momente, schlimmer wie solcher voller Hoffnung. Aber der umwerfendste Augenblick von allen, der war jetzt vor vier Wochen. Alex hatte die Transplantation schon hinter sich, es war der erste Moment, als wir ihn sahen nach dem Eingriff. Und er hat uns angelächelt. Wir hoffen so, dass wir das Allerschlimmste einfach geschafft haben, wir drei.“

Hubertus von Pilgrim

Der bekannte Bildhauer und Wahl-Pullacher Hubertus von Pilgrim ist heuer 85 geworden – und hat viele viele Glückwünsche bekommen, auch von Bundespräsident Joachim Gauck. Bewegt hat ihn aber dieses Jahr, wie er sagt, vor allem, „das vielfältige Flüchtlingsgeschehen. Denn auch ich war vor vielen Jahren auf der Flucht, 1945 – und zwar vor der anrückenden Front. Tagelang war ich unterwegs quer durch Mitteldeutschland auf einer Strecke, für die man normalerweise nur Stunden braucht. Letztlich bin ich noch glimpflich davongekommen, das habe ich immer gewusst und weiß ich auch heute. Und trotzdem haben mich die gegenwärtigen Bildberichte zu zwei plastischen Arbeiten bewegt: ,Exodus’ nenne ich die 70 Zentimeter hohe Figuration aus gebranntem Ton mit eingebrannten Zeichnungen. Und ,Vertreibung’ die andere, eine vielgestaltige Figurenkomposition auf einer 70 auf 60 Zentimeter großen Fläche.“

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