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Eine der letzten S-Bahnen , die noch über die alte Brücke fahren. Gerade wird die neue (im Vordergrund) auf einem Stickstoff-Luftkissen auf Stahlschienen in Position geschoben, mit einem Tempo von einem Meter pro Minute.

Kein Geld

Neue Bahnbrücke wieder nur zweispurig

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Drei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert, um die Eisenbahnbrücke über die Franz-May-Straße auszutauschen. Der Einbau ging ruckzuck.

Feldkirchen –  Die alte Brücke aus dem Jahr 1910 wurde innerhalb von 26 Stunden von einer österreichischen Spezialfirma komplett abgerissen, zerlegt und geschreddert. Die neue, 600 Tonnen schwer und gebaut seit Juli, stand schon bereit und wurde am Sonntag in Schienen auf einem Stickstoffkissen in weniger als einer halben Stunde in die Lücke geschoben. „Am Montagabend um 22.30 Uhr ist die Strecke zwischen Feldkirchen und Heimstetten wieder frei“, verspricht Projekt-Ingenieur Thomas Vorwerg (36).

Kein Geld für vierspurigen Streckenausbau

Bernd Honerkamp, Pressesprecher der Bahn in Bayern, kann die Verwunderung der Passanten verstehen, die zufällig am kleinen Weg zum Erholungsgelände Heimstettener See vorbeikommen und kritisieren, dass die neue Brücke wieder nur zwei Spuren hat. „Ich weiß, dass Bürger und Bürgermeister der Region seit Jahrzehnten auf der Strecke München – Markt Schwaben einen vierspurigen Ausbau der Bahnstrecke fordern. Aber die Politiker in Berlin haben entschieden, dass im Moment dafür kein Geld da ist.“ Sollte doch einmal die Entscheidung für einen dritten oder vierten Schienstrang erfolgen, werde man einfach eine Brücke nebendran bauen.

Alte Brücke war schon 107 Jahre alt

Vor drei Jahren begannen die Planungen an der neuen Eisenbahnbrücke. Die alte war 107 Jahre alt und langfristig nicht mehr stabil genug angesichts der ständig wachsenden Zahl an Zügen und S-Bahnen. „Am Samstag früh um drei Uhr wurde der Zugverkehr komplett gesperrt und begannen die Abrissarbeiten“, berichtet Bau-Ingenieur Vorwerg. „Zuerst wurden die Schienen abgeschraubt und in kürzere Stücke zerlegt, der Stahl wird natürlich wieder eingeschmolzen. Dann haben die Spezialisten aus Österreich gemeinsam mit unserem Team, insgesamt 20 Mann, den Schotter rausgeschaufelt, die Schwellen abgebaut und die Brücke zerkleinert.“

Einbau dauert 25 Minuten

Die neue Brücke hat die gleichen Abmessungen wie die alte, ist ebenfalls aus Beton und Spezialbausteinen gebaut und wurde seit Juli 25 Meter neben der alten errichtet. „Zwischen Bodenplatte und eigentlicher Brücke haben wir eine Spezialfolie gelegt, so konnten wir die 600 Tonnen schwere Konstruktion mit mächtigen Hubzylindern anheben und in Stahlschienen setzen. Als die alte Brücke weg war, haben wir in die Schienen von unten Stickstoff gepresst, so glitt die neue Brücke auf einem Luftkissen“, erläutert Vorwerg. Zwei Zylinder bewegten die Brücke mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Minute vorwärts. „In exakt 25 Minuten hatten wir die neue Brücke genau an der Stelle, wohin sie sollte“, sagt Vorwerg und strahlt. Nun wurden die Schienen, Hub- und Zugzylinder entfernt, Beton eingegossen, Schotter und Kies eingefüllt und langsam rechts und links der Damm wieder aufgefüllt. „Am Montagnachmittag kommen die neuen Schienen, spätestens um halb elf abends läuft alles“, ist Vorwerg sicher.

Gekostet hat die neue Brücke 1,3 Millionen Euro. „Damit sind wir exakt im Rahmen der Kalkulation geblieben“, sagt Honerkamp. Die kleine Franz-May-Straße bleibt allerdings noch bis Dezember gesperrt.

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