Täter muss fünfeinhalb Jahre in den Knast

Schülerinnen in Feldkirchen mit Messer bedroht

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Sechs Frauen hat Joseph J. aus Nigeria bedroht, ausgeraubt und manche sexuell belästigt. Auch zwei Schülerinnen in Feldkirchen. Seine Erklärung ist interessant.

Feldkirchen – Für die betroffenen Frauen muss es ein schreckliches Erlebnis gewesen sein. Der Nigerianer Joseph J. hatte im Juni und Juli 2017 sechs Frauen im Münchner Umland ausgeraubt, zwei davon zudem sexuell belästigt.

Das sah zumindest das Landgericht München II als erwiesen an. Die Richterin verurteilte den abgelehnten Asylbewerber deshalb am Dienstag zu fünfeinhalb Jahren Jugendstrafe. Der heute 21-Jährige habe die zwischen 16 und 33 Jahre alten Frauen jeweils mit einem Messer bedroht, um deren Handys oder Geld abzupressen.

Ende Juni raubte er einer 16- sowie einer 17-jährigen Schülerin am Feldkirchner Bahnhof ihre Handys. Einer der Jugendlichen hatte er das Messer direkt vor ihren Bauch gehalten. In Kirchseeon (Landkreis Ebersberg) soll er einer 33-Jährigen zudem an die Brust gefasst und sie aufgefordert haben, mit ihm nach Grafing zu fahren. Falls sie ihm nicht gehorche, werde er sie „töten“, sagte Joseph J. dem Opfer zufolge. Das Gericht hielt dessen Aussage für absolut glaubhaft. Die Frau täuschte einen Asthma-Anfall vor – der in diesem Fall mit einem 15 Zentimeter langen Messer bewaffnete Afrikaner gab sich deshalb mit ihrem Smartphone und ihrem Bargeld zufrieden.

Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, den Asylsuchenden nach dem Erwachsenstrafrecht zu zehn Jahren Haft zu verurteilen. Joseph J. hatte die Vorwürfe während des Verfahrens in weiten Teilen eingeräumt. Er hatte gestanden, den Großteil der Frauen mit Messern überfallen zu haben, eines der Messer soll 30 Zentimeter lang gewesen sein.

Bei dem ersten Raub bestritt Joseph J. jedoch, dass er bewaffnet gewesen sei. Er habe nur einen Kamm in der Hand gehabt, behauptete er. Zum Teil drohte der Afrikaner auch, er wolle sein Opfer töten, wenn dieses ihm nicht das Geld geben würden. Einer Frau, der er laut deren Aussage in Erding die Hose herunterziehen wollte, konnte sich durch den Einsatz von Pfefferspray retten.

Dass Joseph J. 27-mal schwarzgefahren war und auch anderer Delikte beschuldigt wurde, fiel bei der Urteilsbegründung nicht ins Gewicht. Anders als die Staatsanwaltschaft wertete das Gericht es als strafmildernd, dass der Nigerianer eine lange strapaziöse Flucht hinter sich gehabt habe. Zudem habe die Jugendgerichtshilfe Reifeverzögerungen festgestellt. Da Jospeh J. zum Tatzeitpunkt jünger als 21 Jahre alt war, durfte das Gericht in seinem Fall das Jugendstrafrecht anwenden.

Zwar erbeutete der abgelehnte Asylbewerber nur die Handys und zum Teil auch Bargeld. Doch mehrere Opfer sagten vor Gericht, sie konnten nach der Tat lange nicht mehr mit der S-Bahn fahren. Einige haben noch immer Angst im Dunklen. Ein Opfer musste sogar den Arbeitsplatz wechseln, weil es nicht mehr S-Bahn fahren konnte.

Joseph J. sagte vor Gericht, die Überfälle täten ihm leid. Er habe das Geld gebraucht, weil er sich einen Asylanwalt suchen wollte, um gegen seine Abschiebung vorzugehen. Diesen habe er mit der Beute bezahlen wollen. In seinem Schlusswort widmete er seinen Opfern jedoch nur wenige Sätze.Tobias Lill

Rubriklistenbild: © dpa  

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