„Gehen Sie den Weg mit, dann wird das gut.“ Bürgermeister Werner van der Weck appelliert an die Feldkirchner. Foto: bew

In Feldkirchen schwinden die Vorbehalte gegen Asylbewerberheim

Feldkirchen - Am Ende gab es Lob, und das bei einer Infoveranstaltung zum Thema Asyl in Feldkirchen: „Wenn ich so informiert werde, wie heute, ist das ein ganz anderes Ding", sagte eine Anwohnerin der Bodmerstraße. Vorher habe sie sich überfahren gefühlt vom einstimmigen Beschluss des Gemeinderats: Auf dem Gemeindegrundstück zwischen Emeran- und Bodmerstraße sollen Asylbewerber untergebracht werden.

In der vergangenen Gemeinderatssitzung waren die Bürger beim Thema Asylbewerberunterkunft auf die Barrikaden gegangen, hatten aus dem Zuschauerraum geschrien und die Sitzung gestört (wir berichteten). Die Infoveranstaltung im Rathausfoyer sollte Ruhe in die Diskussion bringen. Dass sie im Landratsamt durchaus ernst genommen wird, zeigte die Präsenz von gleich drei stellvertretenden Landräten: Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) und Otto Bußjäger (FW) begleiteten Ernst Weidenbusch (CSU), der versuchte, auf alle Fragen der Feldkirchner zu antworten.

Wichtig dürfte den Bewohnern an der Bodmerstraße vor allem eine seiner Aussagen sein: „Wir haben nicht die Absicht, dort 60 junge Männer isoliert unterzubringen. Das wird nicht passieren.“

Zuvor hatten zahlreiche Anwohner beklagt, dass sie Angst vor lauter Musik hätten und keine Möglichkeit sehen würden, die jungen Flüchtlinge zu integrieren. Bei Familien mit Kindern sei das viel einfacher, so der Tenor.

Bislang sind allerdings schon zehn junge Männer in Feldkirchen untergebracht, ohne Probleme, sagt Michaela Strathmann vom Asyl-Helferkreis, der momentan schon 150 aktive Mitglieder hat: „Die kommen nicht, um sich aushalten zu lassen.“ Vielmehr seien sie aktiv bei der Wasserwacht, würden Zeitungen austragen oder machten Hausmeistertätigkeiten für den Sportverein.

Wie auch im gesamten Landkreis gab es hier noch nie Kriminalität außerhalb der Unterkunft, innerhalb gäbe es landkreisweit manchmal Rangeleien oder kleine Diebstähle - nichts gravierendes, teilt die Polizei mit. Momentan steht noch gar nicht fest, wie viele Asylbewerber auf dem Grundstück an der Bodmerstraße untergebracht werden. Rein technisch, so betont Vize-Landrat Ernst Weidenbusch, wäre Platz für über 70 Personen. „Das nutzen wir aber nie aus.“ Die Bürger könnten sich auf ungefähr 60 Asylbewerber einstellen.

Damit würde Feldkirchen allerdings nicht einmal sein aktuelles Soll nach dem Berechnungsschlüssel des Landratsamts erfüllen. 80 Asylbewerber sollten in Feldkirchen untergebracht werden, Tendenz steigend. 14 werden momentan schon angerechnet, obwohl nur noch zehn Asylbewerber aktuell in Feldkirchen leben, die anderen sind verschwunden.

Klar ist: Jetzt muss etwas passieren. „Es ist eher fünf nach Zwölf“, sagte Karena Brodback von der Koordinationsstelle Asyl im Landratsamt. In jeder Gemeinde führe sie dieselben Diskussionen über Standorte, zeitgleich müsse sie momentan 90 neue Asylbewerber pro Woche unterbringen, insgesamt bis Jahresende nach derzeitigem Stand 3800 im ganzen Landkreis, der bisher schon die schlechteste Unterbringungsquote in ganz Oberbayern habe. Und noch etwas fügte sie hinzu, wohlwissend, dass sich die Feldkirchner bevorzugt Familien wünschen: „In der Zeit, die Sie uns kosten, zu prüfen, bleibt uns nichts übrig, als Traglufthallen zu bauen und Turnhallen zu belegen.“ Und in solchen Massenunterkünften werden nur junge Männer untergebracht, die dann im Ort blieben. Es lohnt sich also, schnell zu sein.

Trotzdem könnte sich das Grundstück in Feldkirchen noch ändern. Denn ein Anwohner der Emeranstraße hat sein Grundstück im Südosten Feldkirchens der Gemeinde angeboten. Erste Gespräche gab es bereits. Es heißt jedoch aus dem Gemeinderat, dass dieses größere Grundstück nur dann zur Verfügung steht, wenn der Plan an der Bodmerstraße fallengelassen wird. Für dort laufen allerdings jetzt schon Planungen des Landratsamtes, die dem Gemeinderat als Bauantrag vorgelegt werden. Feldkirchens Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) resümierte die Veranstaltung am Ende: „Gehen Sie den Weg mit, dann wird das gut.“

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