Charme und Kurven: Karrieretyp Tom (Martin Lindow) hat sich verliebt in Helen (Katrin Filzen). Nur leider ist sie wegen ihres Übergewichts in seinen Kreisen nicht präsentabel. Foto: Rabe

"Fettes Schwein" mit Herz und Hirn

Aschheim - Was als witziger Schlagabtausch und Flirt zwischen zwei „Ungleichen“ beginnt, endet als Liebesdrama, das noch lange nachhallt. Schauspielerisch geht es in der Komödie „Fettes Schwein“ von Neil LaBute unter der Regie von Volker Hesse gleich komisch und schrill zur Sache.

Das Bühnenbild von Jens Telschow ist sehr reduziert und markiert die Räume mit Bändern. Die äußerst füllige Helen, hervorragend und mutig gespielt von Katrin Filzen, begegnet dem charmanten Karrieretyp Tom, sehr überzeugend dargestellt von Fernsehschauspieler Martin Lindow, mit prägnant rauer Stimme.

Obwohl Helen durch ihr opulentes Aussehen nicht der Norm entspricht, ist sie voller Selbstbewusstsein und Lebendigkeit, hat eine große Klappe und ein mitreißendes Lachen, so dass man ihr abnimmt, dass sie anfängt, mit diesem Mann auszugehen. So weit so gut, wären da nicht Toms Kollegen. Der bösartige Lackaffe Carter, sehr gut verkörpert von Benjamin Kernen, verfolgt jede Intimität Toms und veröffentlicht sie anschließend per Rundmail.

Als Toms kühle Exfreundin Jeannie, überzeugend gespielt von Julia Hansen, erfährt dass er in „dieses fette Schwein“ verliebt ist, will sie alles ausdiskutieren und verfällt vor lauter Ehrgeiz und Eifersucht dem Fitnesswahn.

Zunächst schafft es Tom, sich von den Provokationen seines Umfelds zu befreien und beginnt mit Helen eine Liebesaffäre.

Helen gibt sich dieser Geschichte hin, ihre Fettleibigkeit tritt in den Hintergrund und das Publikum erlebt eine sinnliche, leidenschaftliche, schöne Frau, die auch noch zart singen kann.

Was zu Beginn des Stückes komisch wirkte, ist wie verflogen und man fragt sich: Muss es immer eine durchtrainierte, große Blonde sein? Tom und Helen gehen eine Beziehung ein, er will nicht, dass sie wegzieht und steht zu ihr. Doch seine ganze Liebe hält er im Geheimen, er weiß um das Unverständnis seiner Umwelt und scheut die Auseinandersetzung.

Hier erfährt das Stück eine Wende, es kommt zur Zerreißprobe, die Komödie wird zur Tragödie. Trotz seiner Innerlichkeit und Zuneigung zu dieser Helen, vielleicht die größte, die er je erfahren hat, schafft er es nicht, sich vom Außen zu lösen und zu ihr zu stehen. Für ihn ist sie attraktiv und sexuell anziehend, aber mit ihr kann er seinen Status nicht aufrechterhalten. Der Besitz einer schönen Frau, ist die Trophäe, die ihm in der Gesellschaft, in der er lebt, Anerkennung verleiht.

An dieser Stelle geht das Stück in die Tiefe, Fragen tauchen auf: Was ist ein Mensch zu welcher Zeit wert? Welchen Normen hat man zu entsprechen, um anerkannt zu sein?

Im Zeitalter von „Deutschland sucht den Superstar“, „Germany‘s next Topmodel“ und Extremsport ist Helens Schönheit nicht so „up to date“. Um so mehr wünscht man ihr eine weitere Plattform für ihr Können. Tom lässt Helen also gehen, er ist nicht mutig genug, seine Liebe nach außen zu tragen. Ein grandioser Abend, von allen vier Schauspielern und der Regie. Tobender, verdienter Beifall… Von Kathrin Sänger

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