Rot, bunt, umfangreich: v.l. Johann Linsmaier, Kommandant Thomas Schwinghammer, Tobias Rousselle, Andreas Kaltenberger, Vorstand Ludwig Kaltenberger, Claudia Schwanitz und Michael Fahmüller mit dem Jahresbericht 2015 der Freiwilligen Feuerwehr Haar. SAb

Feuerwehr steht vor großen Aufgaben

Haar - Gemeinschaft und Staat funktionieren nur, wenn es ein Miteinander aller Menschen gibt. Das machte Ludwig Kaltenberger, der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Haar deutlich, bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr.

„Das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehr ist Verantwortung gegenüber den Bürgern, ihnen in Krisensituation beizustehen und zu helfen“, sagte er. Es dürfe aber nicht nur zu einem „Nehmen“ geben, der Gesellschaft müsse klar sein, dass Gemeinschaft und Staat nur funktionierten, wenn jeder sich engagiere.

Um auch in den kommenden Jahren erfolgreich zu arbeiten, hält es Kaltenberger für sinnvoll, Flüchtlinge in die Arbeit einzubinden. Einige der 27 Neumitglieder, die im Herbst der Feuerwehr begetreten sind, haben Migrationshintergrund. „Wir wünschen uns, dass sie nicht nur fachliches Know-how erlangen, sondern auch die Gemeinschaft mit ihren Erfahrungen und Gepflogenheiten erweitern.“

Anhand des Jahresrückblicks wurde deutlich, dass die Anforderungen steigen: Das Jahr 2015 war insgesamt ein Spitzenjahr, gerade im Vergleich zu 2014. „355 Einsätze mit 4033 Mannstunden sind 32 Prozent mehr“, resümierte Kommandant Thomas Schwinghammer. Im Schnitt sei die Feuerwehr sieben Mal pro Woche ausgerückt, 77 Einsätze mit 40 Einsatzkräften erforderte alleine der Sturm „Niklas“. Von den 355 Einsätzen, was etwa elf Arbeitswochen für eine neun Mann starke Löschgruppe entspricht, entfallen die Hälfte vor allem auf Unwetterschäden, Wohnungsöffnungen und Verkehrunfälle. Ein Viertel fällt unter „Sonstiges“ wie Sicherheitswachen, Erste Hilfe oder Hilfeleistungen für die Gemeinde. Zehn Prozent waren Brände. Insgesamt konnten die Haarer 39 Verletzten helfen, für neun Menschen kam jede Hilfe zu spät. Allein bei 184 Einsätzen wurden die Ehrenamtlichen von ihrer Arbeitszeit abberufen und von ihren Arbeitgebern freigestellt. Zu den „reinen“ Einsatzstunden summieren sich 7030 Übungsstunden. Rechne man die erbrachten Leistungen um, ergibt sich laut Schwinghammer eine Summe von 93 000 Euro. Berechnet auf Basis des Mindestlohns, ohne Feiertags-, Nacht- oder Schlechtwetterzuschlag und ohne Berücksichtigung von Spezialistenwissen.

Zum Glück mangelt es nicht an Nachwuchs, die Werbung für die ehrenamtliche Arbeit mittels Kino, einer Briefaktion, aber auch mit dem Stand auf der Künstlermeile hat Früchte getragen. Mehr als 30 Interessenten kamen zum Infoabend, 27 davon entschieden sich zu einer Mitgliedschaft. Der Feuerwehr Haar gehören derzeit 104 Aktive an. „Wir sind auch tagsüber sehr gut aufgestellt“, sagte Schwinghammer.

Neben seinem Dank an die Kommune, die für die Wehr ein weiteres Löschgruppenfahrzeug kauft, sparte er nicht mit mahnenden Worten. Für ihn sei es eine spannende Frage, wie es mit den Sicherheitswachen im Kleinen Theater weitergehe und welche Planungen es für die Wohn- und Gewerbebebauung in Gronsdorf gebe, denn dies ist der von der Feuerwache am weitesten entfernte Ortsteil, die Anfahrt also entsprechend lang. „Bei diesen beiden Punkten, aber auch beim Stichwort ’Feuerwehrbedarfsplanung’ wünsche ich mir, dass wir von Anfang an aktiv eingebunden werden, um gemeinsam die richtigen Weichen für die Zukunft stellen zu können.“ Sabina Brosch

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