Filmschmuck auf fünf Quadratmetern: Schon Audrey Hepburn trug Duplikat

- Mit Tricks und Ideen trotzen Aussteller der Krise - Wenig Messe-Besucher

VON BENEDIKT GARSKY Landkreis - Einen eher verhalteten Start verzeichnete die Messe "Heim-und Handwerk", die zum 26. Mal stattfindet. Drängten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche private und gewerbliche Besucher durch die engen Gänge, hielt sich diesmal der Ansturm arg in Grenzen. Auch aus dem südlichen Landkreis kommen einige Schausteller. Sie greifen nun notgedrungen in die Trickkiste.

Noch zu warm

für Kaminfeuer

Die Schweißperlen auf der Stirn verrieten den Arbeitsplatz von Thomas Schieweck aus Oberhaching. Der Kaminbauer steht während der gesamten Messe zwischen zehn heißen Öfen. "Das muss aber sein, denn die Leute müssen sich ein Bild davon machen können", berichtete Schieweck. Zusammen mit anderen Kollegen aus dem Mutterunternehmen teilt er sich die Standkosten. Aus eigener Kraft könnte er sich dieses nicht leisten, denn die kaufstarken Zeiten sind vorbei. "Hier zählt nur, Kontakte zu knüpfen und nach der Messe alles abtelefonieren", erklärte Schieweck und hofft noch vor Weihnachten auf das große Geschäft. "Mir wäre es am liebsten, wenn nach der Messe das Telefon nicht mehr stillstehen würde." Noch aber bleiben die Öfen im Oberhachinger Lager. Die lauen Temperaturen fördern den Verkauf von Kaminen nämlich nicht gerade.

Sie glänzen und blitzen

wie echte Steine

Die Ottobrunnerin Vera Schütz wirkt mit ihrem Stand schon fast niedlich. Auf gerade mal fünf Quadratmeter zeigt sie ihre Sammlung. Sie hat sich auf Filmschmuck spezialisiert. "Meine Steine kann ein Laie nicht von den echten unterscheiden", meinte sie stolz. Aber sie würde jeden Käufer natürlich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich um eine Attrappe handelt. "Die Hauptsache ist doch, dass es den Leuten gefällt, und wenn es auch noch teuer aussieht, dann ist es auch nicht schlimm, schließlich geht es keinen was an, wie viel man bezahlt hat", erklärt sie ihre Taktik. Ihr größter Schatz ist ein Duplikat einer Krone, die die Schauspielerin Audrey Hepburn getragen hat. Viele Besucher bleiben bei der rüstigen alten Dame neugierig stehen und schon steht dem kleinen Plausch nichts mehr entgegen. "Man muss sich schon Zeit nehmen, denn Service ist die oberste Devise", erläuterte sie.

Großer Run auf

Tupperware

Die Halle A 3 ist wie die übrigen auch nur sehr spärlich besucht. Doch bei einem Stand, genauer gesagt bei der Kennziffer 507, wuseln etliche Leute durcheinander. Zwischendurch erkennt man Hostessen mit pinkfarbenen Halstüchern - es sind die Mitarbeiterinnen von Christiane Häusler. Sie ist die Geschäftsführerin der Bezirkshandlung in Sauerlach. Die Marke "Tupperware" sei überall bekannt und das würde sie besonders spüren. In der Tat, denn das Interesse an den Kunststoffbehältern war enorm groß. Dabei verkauft auch sie nichts vor Ort, nimmt aber dafür etliche Bestellungen entgegen. Ganz klar, auch die berühmte "Tupper-Party" ist der große Renner. "Es ist zwar ungewöhnlich, aber uns geht es blendend", freute sich Häusler. Aber auch sie hat tief in die Trickkiste gegriffen. "Ich habe mir sehr viele Gedanken über den Stand gemacht", erläuterte sie und weist darauf hin, dass die offene Schaustellerbude das Beste sei. "Die Leute müssen unkompliziert durchgehen können", beschreibt Häusler. Für das Jammern der Kollegen hat sie kein Verständnis: "Viele stellen sich an ihren Stand und drücken schon alleine mit ihrer Körpersprache aus, dass sie ungestört bleiben wollen."

Kleine Leiter für

das Bücherregal

Er schickt seine Kunden hoch hinaus. Der Pullacher Herbert Malten ist mit seinem Unternehmen "Leitern und Gerüste" auf der Messe vertreten. Über 30 Sprossengeräte lehnen an der Wand und warten wie Malten auf Kundschaft. "Ich bin froh, wenn ich überhaupt die Standkosten reinbekomme", meinte er. Malten spielt ernsthaft mit dem Gedanken, ober er im kommenden Jahr auch noch in Riem anwesend ist. Firmen lassen sich fast gar nicht blicken; wenn überhaupt, kommen Privatkäufer zum Stand. "Und die brauchen dann eine kleine Leiter für das Bücherregal", erklärt der Unternehmer. Ob er davon leben könne, ließ er offen. Tatsache ist, dass die Zeiten vorbei sind, als Bauunternehmer in großen Mengen bei Malten einkauften.

Die Messe im Internet unter www.hh-online.de

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