Die Finanzkraft der Gemeinde Grünwald schwindet

- Ratsmitglieder beschließen Haushaltsplan für das laufenden Jahr

VON MARC SCHREIB Grünwald - Die Wirtschaft der Grünwalder Firmen brummt wie ein Sechs-Zylinder-Motor auf der Überholspur. Mit einem Haushaltsvolumen von insgesamt 70 731 790 Euro kann die Gemeinde heuer wirtschaften, im Vorjahr waren es noch 61 238 410 Euro. Davon lässt sich jedoch Kämmerer Dieter Bickel nicht blenden, der für die kommenden Jahre sinkende Einnahmen prognostiziert. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates riet er den Mandatsträgern, auch einmal unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn sie für eine solide Haushaltspolitik dienlich sind. Seinem Haushaltsplan und der mittelfristigen Finanzplanung sprachen die Mandatsträger einstimmig das Vertrauen aus.

Nur knapp sieben Prozent des 18,6 Millionen Euro starken Vermögenshaushaltes können durch die Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt gedeckt werden. Der Rest wird aus den allgemeinen Rücklagen finanziert. "Daran erkennen Sie die schwindende Finanzkraft der Gemeinde", so der Kämmerer. Dieses Jahr schlagen laut Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) die großen Finanzposten, Kinderkrippe, Schwimmbad und Musikschule, voll durch. "Wir versuchen gegenzusteuern. Aber wie bei einem Tanker ist es schwer, den Kurs zu halten." Vor allem, weil es sich bei den allermeisten Ausgaben um zwingende Folgelasten handelt. Das Personal unter anderem für den laufenden Betrieb im neuen August-Everding-Saal, der Krippe im Kindergarten Struwwelpeter und am neuen Wertstoffhof kostet 7,53 Millionen Euro, das sind 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr - ein großer Brocken.

Den größte Brocken führt Grünwald als Umlage an den Landkreis München ab. "In jedem Fall müssen wir einen hohen Anteil der gesamten Umlage tragen, mit 16,84 Millionen voraussichtlich 20 Prozent mehr als im Vorjahr", sagte Bickel.

Doch trotz der allgemeinen Finanznot, die fast alle deutschen Kommunen erfasst hat, schwimmt die Gemeinde obenauf. "Das ist der soliden Hebesatzpolitik seit 1983 zu verdanken, die für die Unternehmen anziehend wirkt", erklärt Bickel gegenüber dem Münchner Merkur. Die niedrigen Sätze könne sich nicht jede Gemeinde leisten. Außerdem ziehe der prestigeträchtige Name Grünwald die Firmen zusätzlich an.

Mit dem gut gefüllten Portemonnaie will Bürgermeister Neusiedl die Konjunktur am Ort ankurbeln und "in den Bauunterhalt stark investieren". Gleichzeitig könne die Gemeinde sich damit hohe Sanierungskosten zum Gebäudeerhalt in den nächsten Jahren sparen. Auf Anregung von PBG-Gemeinderat Jens-Peter Oldenburg, sich die Sorgen und Wünsche der Grünwalder Finanziers anzuhören, damit keiner abwandert und die Gewerbesteuerumlage stabil bleibt, erwiderte Neusiedl: "Ich stehe in engem Kontakt zu den Gewerbezahlern und bin findig im Akquirieren."

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