Diese Plakette prangt am Kloster Schäftlarn und stellt eine Auszeichnung des Landesamts für Umwelt dar. Foto: sh

Fledermausarten nutzen den Dachstuhl als Herberge

Schäftlarn - Sehen so willkommene Gäste aus? Spitze Zähne, nachtaktiv und als Blutsauger verschrien. Die Fledermaus galt lange Zeit im Volksglauben als Sinnbild für das Bedrohliche und Böse. Nicht so im Kloster Schäftlarn.

Im Kloster stehen bereits seit Jahrzehnten für die fliegenden Leichtgewichte die Türen offen. Sogar eine Tafel am Eingang zum Friedhof der Klosterkirche lädt die kleinen Flattertiere zum Bleiben ein.

14 Fledermausarten sind im Landkreis München heimisch, und „Fledermäuse Willkommen“ steht auf der Plakette am Kloster Schäftlarn, die ein schützendes Haus symbolisieren soll und so manchen Besucher, ob religiös oder nicht, zum Nachdenken bringt. Die Auszeichnung als „Fledermauswirt“ bekamen vor sechs Jahren Abt Petrus Höhensteiger und Verwaltungsleiter Stefan Rührgartner als Vertreter des Klosters vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) überreicht. Schon 1950 hatten die umweltbewussten und toleranten Mönche ein besorgtes Auge auf ihre Mitbewohner gehabt. Schließlich lebte man fast Tür an Tür - die Mönche in ihren Zellen, die Fledermäuse im Gebälk nebenan. Der Lebensraum der seit 1936 unter gesetzlichen Schutz stehenden Tiere wurde und wird nach wie vor durch die Sanierung von Altbauten und Versiegelung von benötigten Schlafplätzen sowie der Umweltzerstörung immer weiter verkleinert. Tummelten sich früher an die 2000 Tiere unbehelligt im Dachstuhl, waren es 2008 nur noch an die 500 Exemplare, wie LfU- Fledermausexperte Bernd-Ulrich Rudolph feststellte. Doch auch heute noch fühlen sich die Fledermäuse, unter ihnen die selten gewordene Wimperfledermaus, in Obhut der Mönche mehr als wohl und vergelten es ihren Wohltätern mit einer „Mietzahlung“ der besonderen Art, nämlich, indem sie nach Einbruch der Dunkelheit unnachgiebig Jagd auf Insekten machen.

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