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Gipfelfoto: Luis Stitzinger und Alix von Melle auf der Shisha Pangma (8027 Meter).

In flottem Tempo bis auf 8027 Meter Höhe

Höhenkirchen - Gipfel-Erfolg für Alix von Melle (41) und Luis Stitzinger (44) in Tibet: Dort stieg das Höhenbergsteiger-Ehepaar aus Höhenkirchen auf die Shisha Pangma (8027 Meter).

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name des Bergs: der „Kamm über den Weiden“. Das klingt harmlos, doch nur wenige Bergsteiger erreichen die Shisha Pangma. Denn beim Kamm zum Hauptgipfel handelt es sich um einen messerscharfen, meist verwechteten Grat, der Anstieg ist meist lawinengefährdet. Der niedrigste Achttausender gilt auch als einer der schwierigsten - auf dem Hauptgipfel standen seit der Erstbesteigung 1964 bis heute weniger als 300 Menschen.

Alix von Melle ( und Luis Stitzinger haben es geschafft, und das sogar relativ schnell - nur 25 Tage benötigten sie vom Start der Himalaya-Expedition bis höchsten Punkt. „Die ganze Expedition hat wirklich wie am Schnürchen geklappt, es gab keinen Tag des Wartens wegen schlechten Wetters oder anderer Verzögerungen“, berichten die beiden Höhenkirchner. „Wir schätzen uns glücklich, so schnell und komplikationslos zum Zuge gekommen zu sein.“ Für Alix von Melle und Luis Stitzinger war es schon der sechste Gipfelerfolg an einem Achttausender ohne die Verwendung vom künstlichem Sauerstoff. In den Jahren zuvor hatte das Ehepaar Cho Oyu, Gasherbrum II, Nanga Parbat, Dhaulagiri und Broad Peak erklommen; am Makalu, K2 und Manaslu hatten die Höhenkirchner jeweils umkehren müssen.

Um sich für die Shisha Pangma zu akklimatisieren, hatten Alix von Melle und Luis Stitzinger zuvor eine Trekkingtour in der Annapurna-Region in Nepal absolviert. Ende April waren sie dann mit einer Expeditionsgruppe nach Tibet und zu dem mit Fahrzeugen erreichbaren Basislager angereist. Weil dort ungewöhnlich viel Schnee lag, ging es schon zum vorgezogenen Basislager auf 5650 Metern mit Skiern. Bis dorthin konnten sie die Logistik der Gruppe nutzen, fortan waren die Höhenkirchner auf sich allein gestellt. Zusammen mit dem befreundeten Expeditionsbergsteiger Rupert Hauer aus Österreich transportierten sie ihre gesamte Ausrüstung selbst bis in die benötigten Hochlager.

Von Wetter-Guru Charly Gabl kam aus Innsbruck unerwartet bald die Kunde: Ein günstiges Wetterfenster zeichnet sich ab. Also wagte das Ehepaar schon sehr früh - am 30. April - zusammen mit Rupert Hauer einen Gipfelversuch. Zwei Tage zuvor ging es los, über Lager C1 (6450 Meter) und zu Lager C2 (7100 Meter) am oberen Ende eines vergletscherten Hochtals.

Der Gipfeltag beginnt um Mitternacht, unbarmherzig der Wecker klingelt. Ein leichtes Frühstück mit Knäckebrot und Kaffee oder Tee, anschließend das Anzieh-Procedere (Klettergurt, Schuhe, Steigeisen) im engen Zelt, ehe es um 2.15 Uhr losgeht. Mit Pickeln und ohne Fixseile steigt das Trio über 40 bis 45 Grad steile Hänge, Schnee und blankes Eis wechseln sich ab. „Angesichts der Verhältnisse entschieden wir uns, anstelle der Normalroute auf den Zentralgipfel die Inaki-Variante durch die Nordost-Wand des Gipfels zum Hauptgipfel zu versuchen.“ Diese führte sie - bei zunächst traumhaft schönem Wetter - durch eine steile Rinne in eine Einsattelung unterhalb des ausgesetzten Gipfelgrats. Dort blies zur allgemeinen Überraschungs aber ein jäh zunehmender Wind. „Die Böen erreichten Geschwindigkeiten, die uns ein paar Mal regelrecht von den Füßen hoben“, erzählt Alix von Melle. War’s das also? Abbruch der Tour, Umkehr?

Nein, nach einer halben Stunde Wartezeit flaute der Wind etwas ab, am kurzen Seil startete die Höhenkirchner einen Versuch - und erreichten über den messerscharfen Grat einen Vorgipfel. „Zuvor haben wir unsere Ski an einer sicheren Stelle tief in den Schnee eingerammt, sodass sie der Sturm nicht hinfort reißen kann“, schildert Luis Stitzinger.

Nun galt es, den exponierte Verbindungsgrat zum Hauptgipfel zu überwinden - um 13.30 Uhr standen Alix von Melle und Luis Stitzinger auf dem höchsten Punkt. Rund eine halbe Stunde lang genossen sie die Aussicht auf Mount Everest, Lhotse, Nuptse und Cho Oyu. Dann begann der Abstieg: für Luis Stitzinger mit Skiern, für Alix von Melle zu Fuß. „Die Flanken waren bretthart oder sogar blank gefegt - keine idealen Skiverhältnisse“, erinnert sich Stitzinger an die Abfahrt, bei der er zudem plötzlich technische Probleme mit der Skibindung hatte. „In dem Steilgelände kein Spaß.“ Mit etwas Improvisationskunst gelang es dem 44-Jährigen aber, den Ski wieder flott zu bekommen - Stitzinger konnte die Abfahrt fortsetzen und traf später im Lager C2 seine Ehefrau. Nach einer weiteren Nacht fuhren sie bei schlechtem Wetter gemeinsam mit Skiern ab bis zum Gletscherbruch. Ende gut, alles gut - vor allem die Taktik, auf Schnelligkeit zu setzen, zahlte sich aus.

Martin Becker

Expeditionstagebuch unter www.goclimbamountain.de

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