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Skurril: Palmen-Deko von der letzten Veranstaltung in einer der zur Notunterkunft gewordenen Tennishallen.

Dramatische Zuspitzung

700 Flüchtlinge beziehen Notunterkunft in Tenniscenter Keferloh

Grasbrunn/Keferloh - Es ist eine Nacht-und-Nebelaktion: In Windeseile haben Helfer am Dienstag Nachmittag und Abend im Tennis Center Keferloh ein Notlager aufgebaut. Das Landratsamt rechnete mit bis zu 700 Flüchtlingen, die noch in der Nacht unterzubringen sein könnten.

„Notfallplan“ nennen die Behörden das, was seit Wochen im Landkreis zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, Flüchtlingen Quartier zu beschaffen. Jetzt auch in Keferloh. Kurt Gallenberger, der Betreiber des „Tennis Center“ an der Keferloher Straße, hatte die Anlage nach eigener Aussage angeboten als Notunterkunft.

Die Einsatzleitung vor einer der Hallen.

Und heute musste es dann offensichtlich ganz schnell gehen. Stündlich war die Zahl der Flüchtlinge, die mit Zügen am Hauptbahnhof eingefahren kamen, gestiegen. Regierung von Oberbayern und Landratsamt gerieten in größte Not. „Mit Turnhallen kommen wir nicht mehr weiter“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes am späten Nachmittag. „Wir haben auf die Schnelle eine riesengroße Halle gebraucht.“

Bei der Regierung von Oberbayern hieß es lediglich, man sei vor allem dankbar um die Hilfe. Einsatzkräfte des ABC-Zuges München-Land, des Technischen Hilfswerks (THW) München-Land und ein Landkreis-Leitwagen machten sich umgehend auf den Weg, um vor Ort sauber zu machen, aufzubauen und einzurichten. Helfer des Landratsamtes organisierten mobile Toiletten, besorgten Essen und Getränke. Betten und andere Dinge holten THW-Kräfte aus Garching aus den Beständen des Katastrophenschutzes.

Die ungenutzten Hallen mussten ausgeräumt, gereinigt und als Unterkunft eingerichtet werden.

Bleiben sollen die Flüchtlinge nur kurze Zeit. Von zwei bis vier Tagen ist die Rede. In Keferloh sollen sie registriert, aufgenommen und dann auf andere Einrichtungen verteilt werden. „Ein Dach über dem Kopf ist das, was die Menschen brauchen“, sagte die Sprecherin des Landratsamtes.

Landrat Christoph Göbel (CSU) hatte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) am Nachmittag über die Situation informiert. Korneder wiederum hatte sich umgehend an seine Mitarbeiter im Rathaus gewandt und zudem per Mail alle Gemeinderäte darüber verständigt, dass womöglich sehr kurzfristig bis zu 700 Menschen Hilfe brauchen. Noch am Abend sollte zudem eine Information auf der Homepage der Gemeinde erscheinen, um alle Bürger zu informieren. Zudem nahm Korneder Kontakt zur Polizei auf, schließlich beginnen am Freitag die Feierlichkeiten zum Keferloher Montag. Er selbst wollte sich noch am Abend vor Ort ein Bild von der Lage machen. Und schließlich suchte er auch das Gespräch mit seiner Amtskollegin in Haar, Gabriele Müller (SPD). 

Toiletten braucht es auch - für 700 Leute.

Die ist derzeit in Urlaub, aber auch in Haar wird betroffen sein. Denn Keferloh ist ein kleiner Weiler an der B 471 zwischen Haar und Grasbrunn. Die Gemeinde Grasbrunn habe zwar nichts mit der Unterbringung zu tun, sagte Korneder, doch: „Für mich ist klar, dass man den Menschen, die da kommen, ein Dach über dem Kopf bieten muss.“

Müller, die gestern Abend nicht zu erreichen war, wird das ähnlich sehen. Bescheid weiß auch der Helferkreis Asyl Grasbrunn-Vaterstetten ist. Dessen Leiterin, Renate Grunow-Cerwinski, geht davon aus, dass die Hilfe ihrer rund 250 Mitstreiter nicht unbedingt gebraucht wird. Bereitstehen will aber auch sie, zunächst das Gespräch vor Ort suchen, die Kontaktdaten hinterlassen. Denn sie ist überzeugt: „Der ganze Landkreis muss jetzt zusammenhelfen. Wir können die Menschen doch nicht am Hauptbahnhof liegen lassen.“ bw

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