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„Frauenfeindliches Verhalten hat nichts mit dem Islam zu tun“: (v.l.) Muntaser (21) aus Syrien, Ignatius (29) aus Nigeria, Basel (39), Osama (22), Zain (17) und der 30-jährige Fadi (alle aus Syrien) . Im Landkreis sind der Polizei keine sexuellen Übergriffe bekannt.

"Ich schäme mich für dieses Verhalten"

Flüchtlinge verurteilen Übergriffe von Köln

Landkreis - Die Übergriffe von Asylbewerbern auf Frauen in Köln werden auch im Landkreis München diskutiert. Flüchtlinge, die hier leben, distanzieren sich davon. 

Wenn Ignatius (29) über die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof spricht, merkt man, wie in ihm der Zorn aufkommt. Zorn auf die Schuldigen dieser „Tragödie“. Der Flüchtling aus Nigeria rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Die Worte kommen immer schneller aus seinem Mund. Ihm schießen mehr Gedanken und vor allem Emotionen durch den Kopf, als er zum Ausdruck bringen kann.

„Die Leute, die das getan haben, bringen Schande über alle anderen Flüchtlinge“, ärgert sich Ignatius, der seit August in Deutschland lebt. „Ich schäme mich für dieses Verhalten.“ Verstehen kann er es nicht. Keiner der neun Asylbewerber, die sich zum Gespräch mit dem Münchner Merkur getroffen haben, kann das. Eines ist ihnen allen wichtig: Mit dem Islam hat dieses frauenfeindliche Verhalten nichts zu tun.

Das verdeutlicht auch Basel (30) mit Nachdruck: „Der Respekt gegenüber Frauen ist im Islam sehr, sehr groß. Sie sind dem Mann gleichgestellt.“ Auch er kann seine Enttäuschung nicht verbergen. Der Syrer befürchtet nun, dass die Taten der „Kriminellen“ auf alle Flüchtlinge zurückfallen. „Diese handvoll Menschen, die so ein Fehlverhalten an den Tag legen, haben den Effekt eines Virus’, der sich auf alles und jeden ausbreitet“, sagt er.

Sexuelle Übergriffe dieser Art hat es bislang nicht gegeben, heißt es von offizieller Seite. Bei der Polizei Ottobrunn, in deren Zuständigkeitsgebiet die Traglufthalle Neubiberg fällt, sind keine sexuellen Übergriffe bekannt.

Keine sexuellen Übergriffe im Landkreis bekannt

„Uns wurden diesbezüglich keine Straftaten gemeldet“, sagt Achim Ganserer. Der Leiter der Inspektion fügt hinzu: „Wir können natürlich nur das berichten, was angezeigt wurde.“

Von Übergriffen auf Frauen im Landkreis hat auch Otto Bußjäger noch nichts gehört. Der stellvertretende Landrat ist stark in der Flüchtlingshilfe engagiert. So hat er beispielsweise im Spätsommer in der Notunterkunft in Keferloh geholfen, kennt viele Flüchtlinge aus Syrien und Afrika, hat Kontakt zu verschiedenen Helferkreisen. „Ich glaube, dass wir das Problem im Landkreis nicht haben werden, weil wir hier einen eigenen Weg gehen“, sagt Bußjäger. Entscheidend sei der „Dreiklang“: registrieren, unterbringen, integrieren.

Zur Integration gehöre auch, dass „man den Neuankömmlingen klar und deutlich sagt, was unsere Werte sind“. Fakt ist allerdings auch, dass vor allem afrikanische Flüchtlinge öfter Frauen ansprechen, sagt stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche. „Sie sehen das eben auch als Möglichkeit, hier eine Frau kennnenzulernen, aber von sexuellen Übergriffen ist das natürlich weit entfernt.“ Ein Gefahrenpotenzial sieht Ganssmüller-Maluche aber im Alkohol, den manche Asylsuchende konsumieren. Da bestehe durchaus das Risiko der Enthemmtheit. Deshalb spricht sie sich auch für ein striktes Alkoholverbot in den Unterkünften aus.

In Dornach betreuen die Johanniter die derzeit 444 Flüchtlinge in der Übergangsunterkunft. „Wir haben ein gemischtes Klientel“, sagt Pressesprecher Gerhard Bieber. In dem Haus lebten Menschen unterschiedlicher Kulturen - arabische Männer und westafrikanische Frauen. „Es gab noch nie Situationen, die über die Maßen hinweg auffällig gewesen wären“, sagt Bieber. Es komme hin und wieder zu kleineren Streitereien, doch die seien nicht so tragisch. „Wir gehen damit offen um.“ Die Arbeit der weiblichen Helfer werde generell „wertschätzend“ gesehen, betont der Pressesprecher. Es gebe viele weibliche Helfer in Dornach, Frauen arbeiteten auch bei der Security.

"Es ist falsch, alle Flüchtlinge als Straftäter abzustempeln."

Eine, die sich für die Flüchtlinge in Fischerhäuser einsetzt, ist auch Veronika Schwarzbauer. Die 26-Jährige ist eine WG-Familienpatin und kümmert sich um männliche Asylbewerber aus Pakistan und Nigeria. Dass Asylbewerber nach den Zwischenfällen in Köln pauschal am Pranger stehen, findet Veronika Schwarzbauer „einfach nur furchtbar“. Noch nicht einmal habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Flüchtlinge sie belästigen würden. „Und das als blonde Frau mit blauen Augen.“

Noch nie sei einer der Flüchtlinge respektlos ihr gegenüber gewesen. Ganz im Gegenteil: „Sie bieten mir immer einen Platz an, machen mir Tee und wir kochen gemeinsam.“ Natürlich, sagt die junge Frau, gibt es in jeder Kultur Menschen, die sich daneben benehmen. „Nicht alle Flüchtlinge sind automatisch freundlich und respektvoll, aber sie jetzt alle als Straftäter abzustempeln, ist genauso falsch.“

„Nicht Negatives“ ist Margit Markl bei ihrer ehrenamtlich Arbeit auch mit männlichen Flüchtlingen aufgefallen. Die Oberhachingerin engagiert sich im Helferkreis für die Asylsuchenden in der Traglufthalle ihres Wohnorts. Die Männer seien freundlich und höflich, betont Markl. „Manche begrüßen mich mit Handschlag, andere halten sich zurück.“ Je nach Kultur und Religion. Im Helferkreis arbeiteten viele Frauen, die beispielsweise Behördengänge mit Flüchtlingen erledigen. Bei regelmäßigen Treffen würden sich die Helfer austauschen: Von Belästigungen oder Übergriffen sei noch nie die Rede gewesen.

Nach den Übergriffen in Köln hat der 17-jährige Zain aus Syrien die Hoffnung, „dass alle, die solche Missetaten begehen, auch dafür büßen.“ Im extremsten Fall, findet der Flüchtling, müsse man die Täter abschieben - als Abschreckung.

fp/hei/pk

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