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Serienmäßig in vier bis fünf Jahren : Professor Bernd Eissfeller hofft, dass sein Warnsystem bald in alle Fahrzeuge eingebaut werden kann.

Neues Warnsystem stoppt Geisterfahrer

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Geisterfahrer sind der Schrecken aller Autofahrer. „Ghosthunter“ heißt ein Warnsystem, das solche gefährlichen Falschfahrten bald einmal verhindern könnte. Forscher der Bundeswehr-Uni arbeiten daran.

Neubiberg – Für Angst und Schrecken sorgte ein Geisterfahrer vor wenigen Monaten auf der A 95 in Schäftlarn. Er kam einer jungen Fahrerin entgegen. Die Frau zog ihren Wagen nach rechts und prallte gegen die Mittelleitplanke. Wie durch ein Wunder, blieben alle unverletzt. Doch im schlimmsten Fall kann so ein Unfall tödlich enden.

In Deutschland sind rund 2000 Geisterfahrer im Jahr unterwegs, 180 Unfälle sind darunter mit 20 bis 30 Todesopfern. „Wenn zwei Fahrzeuge aufeinanderprallen mit hohen Geschwindigkeiten, dann sieht das wie auf einem Schlachtfeld nach einem Sprengstoffattentat aus“, sagt Professor Bernd Eissfeller von der Bundeswehr-Universität in Neubiberg.

Ein Horror-Szenario. Eissfeller und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Kathrin Frankl haben jetzt ein Warnsystem entwickelt, mit dessen Hilfe Geisterfahrer aufgespürt werden. „Ghosthunter“ heißt das Projekt, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Die Forscher sind inzwischen mitten in der Testphase.

Aus dem vielversprechenden Forschungsansatz ist seit Beginn im August 2015 ein spannendes Projekt mit Digitaltechnik geworden: Eissfeller und Frankl vom Institut für Raumfahrttechnik und Weltraumnutzung kennen alle verfügbaren Satellitensysteme. Das wissenschaftliche Team setzt auf ein autonomes Erkennungssystem im Auto plus eine Verknüpfung in Warnsysteme, die es bereits gibt – zum Beispiel Verkehrsfunk oder eine Verkehrsleitzentrale. Dann könnten Verkehrsteilnehmer auf dem betroffenen Abschnitt in Echtzeit gewarnt werden. Ab März nächsten Jahres müssen alle Fahrzeuge mit einer Box mit E-Call-Funktion ausgestattet sein, die bei einem Unfall automatisch den Notruf anwählt. Hier könnte die Innovation der Wissenschaftler eine Lücke schließen. „Viele Information liegen ja bereits im Auto vor, wir wollen diese Daten nur intelligent ausnutzen.“

Als erstes ist es wichtig, die Position mit Satellitennavigation festzustellen, im einfachsten Fall GPS, aber auch Galileo, Glonass, Beidou – der unmittelbare Zugriff auf alle wird kurz mit GNSS zusammengefasst. „Das heißt, Sie haben 120 Satelliten im Orbit, etwa 60 über dem Horizont. Allerdings: Wenn es in einen Tunnel geht und die Verbindung abreißt, ist eine autonome Sensorik an Bord des Fahrzeugs unabdingbar.“ Dann ist noch eine digitale Karte notwendig. Nur so lässt sich erkennen, ob das Auto in die falsche Richtung fährt. „Hier geht es um Dezimeter. Wir wollen nicht, dass aufgrund von Ortungsfehlern ständig Falschmeldungen im Radio laufen“, sagt der Experte für Satellitennavigation. Testreihen am Computer waren bereits erfolgreich. Frühzeitig wurden die Falschfahrten erkannt. „Zusätzlich haben wir das Equipment ins Auto gebaut und auf unserer Teststrecke im Campus geprüft“, sagt Kathrin Frankl.

Ein Warnhinweis im Fahrzeug könnte Autofahrer, die nur versehentlich auf die falsche Spur abbiegen, rasch auf ihren Fehler aufmerksam machen – bevor ihnen andere entgegenkommen. Wie dieser Hinweis an den Fahrer genau aussehen soll, darüber hat man sich auf dem Uni-Campus noch keine Gedanken gemacht. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle, wird aber auch erst kurz vor der Marktreife interessant. Davor müssen erst einmal Kontakte zur Automotive-Industrie geknüpft werden. Denn nur in einer Zusammenarbeit lässt sich am Ende ein Produkt erfolgreich verkaufen. Wenn alles reibungslos läuft, könnte man in vier bis fünf Jahren die Ghosthunter-Hardware serienmäßig verbaut sehen.

Kritiker der Geisterfahrer-Forschung werfen dem Experten an der Neubiberger Uni allerdings vor: „Wir haben 3200 Verkehrstote im Jahr, da liegt ihr mit eurem Geisterfahreranteil unter einem Prozent.“ Aber das Statistische ist nach der Überzeugung Eissfellers nicht allein ausschlaggebend: „Wenn man das Problem zu 95 Prozent lösen kann. Warum nicht? Man sollte jedes Menschenleben retten.“

Das sagt die Polizei

Im Interview berichtet Walter Stumbeck, Leiter der Autobahnpolizei Holzkirchen, was Geisterfahrer für die Einsatzkräfte bedeuten. Seite 35

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