IKEA Mitarbeiter Streiken vor dem Laden
+
Vergangenen Dienstag bei IKEA: 30 von 55 Filialen gingen deutschlandweit in den Streik. So auch die Mitarbeiter des Ikea München - Echings.

Streikst du schon oder arbeitest du noch?

Ikea München-Eching: Mitarbeiter streiken und fordern eine Erhöhung der Löhne um 4,5 Prozent

  • VonLena Hepting
    schließen

Bunte Plakate und Mitarbeiter in Verdi-Warnwesten: Der IKEA München Eching befand sich vergangenen Dienstag im Streik.

Mit Flyern informierten die Mitarbeiter des IKEA München- Echings die Kunden über ihre Forderungen, immer freundlich und redselig, um auf die Hauptproblematik hinzuweisen: Der Konzern ist ein Krisengewinner, die Mitarbeiter merken das herzlich wenig. Daniel Wenger, Organisator und Betriebsrat, machte diesen Umstand deutlich klar: „Durch das Format Click & Collect konnten 2020 trotz Lockdowns rund 0,9 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Der Onlineumsatz ist somit um gut 75 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Für die Mitarbeiter gab es einen kleinen Coronabonus. Mehr nicht. Deshalb fordern wir eine Änderung der Tarifverträge“. 

Der Streiktermin am Dienstag wurde nicht willkürlich gewählt. Denn am selben Tag fand in Nordrhein-Westfalen eine bundesweite Tarifrunde für den Bereich Einzelhandel statt. Seit Juni 2021 wird hier über Lohnerhöhungen diskutiert, bislang ohne Erfolg. Dominik Datz von der Gewerkschaft Verdi ist zuständig für alle Belangen im Bereich Handel. Er sieht den gelb-blauen Konzern in der Verantwortung: „IKEA hat ein tolles Image. Gerade deshalb sollten sie sich um die Mitarbeiter kümmern.

Daniel Wenger ist seit sechs Jahren bei Ikea angestellt. Als Betriebsrat kümmert er sich um die Sorgen seiner Kollegen und hat deshalb gemeinsam mit Dominik Datz den Streik organisiert. Datz ist bei der Gewerkschaft Verdi zuständig für alle Belangen im Bereich Handel.

Tarifrunden bestimmen, welche Lohnerhöhungen es generell in ganz Deutschland gibt. Einzelne Konzerne können sich hier auch enthalten und vorab mit Verdi verhandeln. Aber obwohl IKEA Verhandlungsführer im Saarland ist und damit ein großes Mandat besitzt, geschieht nichts“. Für die Organisatoren ist es daher auch kein Wunder, dass der Fachkräftemangel weiterhin besteht.

„Aufgrund ständiger Umstrukturierungen müssen ich und meine Kollegen stehts flexibel bleiben. Unsere Arbeit ist sehr stressig; die geistige Leistung enorm. Die Unterstützung wird immer weniger, trotz gleichbleibender Leistung. Diese Arbeitsphilosophie ist für mich mehr Belastung als Entlastung.“ 

Jonathan aus der Küchenabteilung

„Das Geld reicht mir nicht. Selbst mit einem zusätzlichen Nebenjob lebe ich von der Hand in den Mund. Eine Anschaffung von neuen Haushaltsgeräten birgt für mich eine große finanzielle Belastung, ebenso wie ein Besuch beim Zahnarzt“.

Peggy, Teilzeitkraft

Durch die Corona-Krise haben sich viele neu orientiert, als Grund: zu wenig Gehalt. Hinzu kommt die immer teurer werdenden Kosten für Lebensmittel, Miete Sprit und den MVV. Als weiteres Problem gilt die Arbeitsplanung. Im Einzelhandel wird verstärkt auf Teilzeitkräfte und Aushilfen gesetzt und diese müssen flexibel sein. Besonders die Mitarbeiter aus der Küchenabteilung bekommen das zu spüren. Jeden Wechsel ihrer Arbeitsweisen müssen sie hinnehmen, doch die Unterstützung wird, laut eigenen Aussagen, immer weniger. Finanziell wird das in einer Beispielrechnung klar. Die Mitarbeiter haben diese auf den Flyer gedruckt, den sie an die Kunden verteilt haben. Nach Abzug von Miet- und Nebenkosten, Lebenserhaltungskosten und Versicherungen bleiben meist nur noch wenig übrig.

Auf dem Parkplatz des Möbelhaus informierten die Mitarbeiter über den Grund ihres Streiks.

Besorgnis erregend ist das im Bezug auf die steigende Arbeitsarmut: Bundesweit sind 5,7 Millionen Rentner davon betroffen, obwohl sie meist ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben. Die Forderungen sind daher klar formuliert. Die Mitarbeiter wollen eine Erhöhung der Löhne um 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr im Monat. Die unteren Beschäftigungsgruppen sollen ein rentenfestes Mindesteinkommen von 12,50 Euro in der Stunde erhalten. Auch soll die Laufzeit von Tarifverträgen insgesamt 12 Monate betragen.

Auch interessant: Der 18-jährige Jordan ist an Leukämie erkrankt. Nun braucht er dringend einen genetisch passenden Spender, um die Krankheit zu überleben.

Quelle: Forum

Auch interessant

Kommentare