Thilua Nguyen steuert ein Lied aus ihrer alten Heimat Vietnam bei.

60 Frauen aus vielen Nationen vergewissern sich in Unterföhring ihrer Heimat

Unterföhring - Trixi Firgo-Stopka macht das Heft mit ihren Notizen zu, atmet tief durch und lächelt. Das Programm, durch das sie als Moderatorin geführt hat, ist ein Erfolg gewesen. Die Ausstellung im Bürgerhaus ist eröffnet.

Das Publikum hat spätestens beim Blues-Song der Italienerin Katja Taliani begeistert applaudiert und gejohlt. Jetzt unterhalten die Leute sich, betrachten die Fotos, bedienen sich am Büfett.

Trixi Firgo-Stopka, Uschi Zehentmeier, Haleh Mohajerani und Monika Mann stoßen mit einem Glas Weißwein an. Viel Vorbereitungsarbeit liegt hinter ihnen. Sie wirken beschwingt und erleichtert. Alles ging gut. Das hätte Theresia Romberg auch gefreut. „Sie war der Motor und Motivator“, sagt Trixi Firgo-Stopka. Theresia Romberg war die Ideengeberin für das Film-und Foto Projekt „Heimat“, das nun im Bürgerhaus zu sehen ist. Seit August lebt sie mit ihrer Familie in China, aber viele Gedanken gehen heute Abend zu ihr.

Heimat ist im „interkulturellen Frauentreff“ immer Thema. „Seit über einem Jahr arbeiten wir in der Gruppe daran, unsere Gedanken in Form einer Ausstellung darzustellen“, sagte Trixi Firgo-Stopka in ihrer Rede. Die mittlerweile 60 Frauen, die sich in diesem offenen Netzwerk treffen, leben in Unterföhring, stammen aber aus mehr als zwölf Nationen. Unterföhring ist für sie erste oder zweite Heimat. Und ihr ganz persönliches Verständnis von Heimat haben sie an diesem Abend in unterschiedlicher Weise dokumentiert: in Fotos, in Gedichten, Liedern und Tanz.

Die Fotografie von Josephine Isichei aus Nigeria zeigt einen Tisch mit gefüllten Schalen. Sie schreibt: „Heimat finde ich dort, wo ich mein Essen esse. Wo ich mich wohl und akzeptiert fühle. Heimat finde ich da, wo ich Liebe und Freundschaft erfahre.“

Als die Hebammen Theresia Romberg und Christa Hamm-Lierl bei ihrer Arbeit merkten, wie viele Frauen aus verschiedenen Ländern in Unterföhring leben, gründeten sie 2011 gemeinsam mit Monika Mann von der Nachbarschaftshilfe und Katrin Reimann vom Projekt „MAMA“ den interkulturellen Frauentreff. Seither wächst die Gruppe. Der rege Austausch, den die Frauen pflegen, macht ihren Alltag mit Familie, Kindern und Arbeit erfüllter. Dass sie Unterföhring als ihre Heimat betrachten, wünschte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer in seiner Begrüßungsrede.

An diesem Abend ist viel Wärme und Herzlichkeit zu spüren. Und Freude über das Erreichte: „Wir haben es geschafft, Theresia!“, grüßt Trixi Frigo-Stopka in ihrer Moderation stolz nach China.

Die Frauen haben den Abend mit eigenen Beiträgen aus ihrer Heimat bereichert und dabei den Mut gehabt, sie selbst zu sein: Thilua Nguyen singt ein Lied aus Vietnam, begleitet von Van Ho an der Gitarre und Uschi Zehentmeier am Klavier. Patricia Colchado-Witzel aus Peru zeigt eine Tanz-Choreographie. Gedichte aus Russland und Nigeria werden vorgetragen. Mit den Auftritten und Fotografien spannt sich ein Bilderbogen durch das Bürgerhaus: Die Akteurinnen haben in vielen Facetten von sich und ihren Wurzeln erzählt, von ihrer ursprünglichen und ihrer neuen Heimat, die durchaus einen großen Wert bekommen kann. icb

Ausstellung und Film

Die Ausstellung ist bis 1. November im Bürgerhaus zu sehen. Unterhaltsam ist auch der Dokumentarfilm, den die Frauen am 1. Mai in Unterföhring drehten und der im Bürgerhaus abgespielt werden kann: Männer und Frauen aus Unterföhring werden darin zu ihrem Heimatgefühl befragt. Wo ist Heimat? Wie schmeckt Heimat? Welche Farbe hat sie?

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