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Wild zugewachsen ist der Garten um das Mordhaus in der Zunftstraße in Haar. Sieben Jahre lag hier die Leiche des Studenten tief vergraben im Erdreich. Bewohnt ist das Haus seit dem grausigen Fund nicht mehr.

Mord mit Handkreissäge

Freund bei lebendigem Leib zerstückelt

Frauen töten, um sich aus Beziehungen zu befreien. Das behaupten Kriminalpsychologen. Bei Gabriele P. (32) war es wohl auch so. Im Dezember 2008 ermordete sie nach zahllosen Streitereien ihren Freund (27). Sie zerstückelte ihn bei lebendigem Leib. Mit einer Handkreissäge. Am Montag beginnt ihr Prozess. Sie ist geständig.

Haar – Das Haus in der Zunftstraße in Haar (Kreis München) hatte Gabriele P. geerbt. Sie funktionierte es zu einer Studenten-WG um. Fortan gingen die jungen Leute dort ein und aus, fröhliche Männer und Frauen, die gerne im Garten werkelten. Einmal hoben sie einen Teich aus. Der ist mittlerweile zugewachsen, wie der gesamte Garten. Das Mord-Haus ist nicht mehr bewohnt, seit auf dem Grundstück die sterblichen Überreste von Sebastian H. gefunden wurden und Gabriele P. in Haft kam. Das war im Januar 2016. „Ich weiß nicht, ob sich da jemand mit dem Haus befassen möchte“, sagt Karl-Heinz Schilling, Leiter der Polizei in Haar. Die Dienststelle liegt nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt.

Was „Gabi“ – wie die Nachbarn die Frau mit den roten Rasta-Locken nannten – im Dezember 2008 anrichtete, ist für den normalen Menschenverstand kaum nachvollziehbar. Auf dem Dachboden fesselte sie ihren Freund Sebastian H. an ein Bett und verband ihm die Augen. Vorher hatte sie noch mit ihm geschlafen. Doch statt Sadomaso-Sex, mit dem der Literatur-Student nun gerechnet hatte, rammte ihm die heute 32-Jährige eine Kreissäge in die Brust und fräste seinen Kopf ab. Der junge Mann war sofort tot. Anschließend ließ sie die Leiche auf dem Dachboden liegen.

Opfer Sebastian (l.) und die mutmaßliche Täterin Gabriele P.‘

Im Mai 2009 entdeckte ihr neuer Freund Christian K. (34) den verwesenden Leichnam. Der 34-Jährige sollte die Katze füttern, während die Freundin im Urlaub war. Als er sie zur Rede stellte, gab sie die Tat sofort zu. Die Polizei wurde nicht gerufen. Stattdessen überlegte der Mann, wie er die Leiche beseitigen konnte. Auf dem Dachboden versuchte er, den leblosen Körper zu zerteilen. Mit einem Beil hackte er auf die Beine des Toten ein, schaffte es aber nicht, sie abzutrennen. „Ich musste mich zu oft übergeben“, sagte er im September 2016 vor dem Münchner Amtsgericht. Dort wurde er wegen Strafvereitelung zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Komplize, der ihm geholfen hatte, bekam fünf Monate weniger. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Schließlich umwickelten die Männer die Leiche mit Plastikfolie und verscharrten sie im Garten. Danach beseitigten sie zusammen mit Gabriele P. die Spuren der Tat. Den blutgetränkten Boden überstrichen sie mit weißer Farbe. Als die Ermittler im Januar 2016 mittels einer Chemikalie die Blutspuren wieder sichtbar machten, glühte der Raum rot auf.

Über Geschehenes wurde die nächsten sieben Jahre nicht mehr gesprochen. „Wir haben das verdrängt und sind zur Tagesordnung übergegangen“, sagte Christian K. Doch irgendwann hielt er sein Schweigen nicht mehr aus und vertraute sich einer Bekannten der Angeklagten an. Die wandte sich im Dezember 2015 an die Polizei.

Seltsamerweise wurde das Opfer über all die Jahre nicht vermisst. Seine Adoptiveltern wähnten ihn im Ausland. Gabriele P. hatte ihnen erzählt, er sei mit seiner neuen Freundin weggezogen. Seine leibliche Mutter Thea E. (63) traf ihn nur sporadisch. Sie lernte Gabriele P. aber persönlich kennen. Beim Prozess vor dem Landgericht München I wäre die 62-Jährige gerne als Nebenklägerin aufgetreten. Doch das Schwurgericht lehnte ihren Antrag ab.

„Zurecht“, sagt Verteidigerin Birgit Schwerdt. „Sie hat ihre Rechte an die Adoptiveltern abgegeben.“ Doch Thea E. will nicht nur gewöhnliche Zeugin sein. Sie kämpft um ihre Anerkennung als Mutter, schrieb dem Vorsitzenden Richter Michael Höhne sogar einen Brief. Da heißt es unter anderem: „Ich möchte Gabi ins Gesicht sehen können, wie sie sich fühlt, was sie denkt, wie ich auf sie wirke, warum sie es tat...“ Doch als Nebenkläger sind nur die Adoptiveltern zugelassen.

Verteidigerin Schwerdt will ihre Mandantin zu Prozessauftakt aussagen lassen. „Sie ist nicht die Bestie, als die sie hingestellt wird“, sagt die Juristin. Es gebe Beweggründe für das Geschehene. Sie gehe von einer Verzweiflungstat aus. Am Tag zuvor soll es wieder zu einem heftigen Streit gekommen sein. Gabi warf Sebastian aus der WG, versöhnte sich zum Schein mit ihm und brachte ihn um.

Angela Walser

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