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Voneinander lernen: Die Neuntklässlerinnen Emily, Marie und Sonja (h. v. l.) vom Gymnasium Haar sprechen mit ihren Mitschülern aus einer 5. Klasse über die Demos.

„Fridays for Future“

Klima-Debatte im Klassenzimmer

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Seit einigen Wochen gehen Schüler in ganz Europa an jedem Freitag auf die Straße und protestieren für eine bessere Klimapolitik. Ihr Vorbild ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag in Stockholm für den Klimaschutz demonstriert. Aus der One-Girl-Show wurde eine weltweite Schülerbewegung, die auch im Landkreis München angekommen ist.

Landkreis – Zum Beispiel am Ernst-Mach Gymnasium in Haar. Statt in den Unterricht zu gehen, nehmen freitäglich zwischen 40 und 70 Haarer Schüler an einer Demonstration teil, „meist aus den siebten Klassen aufwärts“, sagt Edwin Busl, Lehrer am EMG. Die Teilnahme an den Demos wird den Schülern nicht verwehrt. „Wir haben uns das angeschaut und auch geduldet, sofern ein Befreiungsantrag von den Eltern vorliegt“, sagt Busl.

Der Lehrer freut sich über das große Engagement: „Die Schüler stellen sich der Frage, wie es mit unserem Planeten Erde weitergeht.“ Für ihn, das Lehrerkollegium und Direktorin Gabriele Langner ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum mündigen Bürger. Dennoch müssten die Teilnehmer natürlich ihren versäumten Schulstoff nachlernen und sollen ihre Eindrücke von den Demonstrationen in die Schule tragen.

Heraus kam der „Friday-for-Future-Tag“ am vergangenen Freitag, an dem die Haarer Demo-Teilnehmer aus den 8., 9. und 10. Klassen alle 5. und 6. Klassen besuchten und mit ihnen über die Fridays-for-Future-Initiative berichteten und diskutierten.

Am EMG ist Edwin Busl seit Jahren die treibende Kraft, wenn es ums Thema Umwelt- und Klimaschutz geht, initiierte Aktionen wie Energie- und Umweltscouts oder Botschafter für die Klimagerechtigkeit. Die Umweltscouts halten über 150 Vorträge pro Jahr vor den Klassen des EMG und sogar an anderen Schulen. Der Lehrer betont, dass die Schüler nicht nur versäumten Stoff selbst nachlernen, sondern auch viel (Frei-)Zeit und Kraft investieren – „weil es ihnen die Sache wert ist.“

Auch das Ottobrunner Gymnasium ist mit von der Partie. „Anfangs mit über 20 Schülern, mittlerweile im Schnitt um die fünf“, berichtet Schulleiter Achim Lebert. Er habe für das Anliegen seiner Schüler Verständnis, auch an seinem Gymnasium, seit Jahren als Umweltschule ausgezeichnet, gibt es Umweltgruppen, werde viel über den ökologischen Fußabdruck oder jüngst das Volksbegehren Artenvielfalt diskutiert. Geplant ist auch wieder ein schuleigener Bienenstock. „Junge Menschen müssen spüren, dass sie etwas bewegen können“, sagt Lebert. Umwelt, Klima und Naturschutz seien Riesenthemen.

Die auch lange schon am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching zur Sprache kommen. „Wir haben eine Wahnsinns-Umwelt-AG und eine sehr aktive Schülermitverwaltung“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Michaela Trinder. Es gibt Wissenschafts-Seminare zu Umwelt-Themen, wie plastikfreiem Leben(wir berichteten)sowie zahlreiche Arbeitsgruppen.

Viele Beurlaubungsanträge für die Freitags-Demonstrationen seien nicht auf ihrem Schreibtisch gelandet, aber bei den rund 15 Demonstranten habe sie sich genau angeschaut, ob diese sich bereits sozial engagiert hätten oder nur auf einen freien Tag spekulierten. Mindestens in der 9. Klasse sollten sie ebenfalls sein. Bei drei Schülern aus den sechsten Klassen ging das Bestreben laut Trinder eher von den Erwachsenen aus, die mit ihren Kindern die Demo besuchen wollten. „Aber wir sprechen sehr viel und offen in den Klassen.“ Wenn es mehr Schüler werden, könnten daraus Diskussionstage an der Schule werden.

Die Schüler aus Haar, Ottobrunn und Unterhaching haben mit ihren bayernweiten Mitstreitern eines ihrer erstrebten Ziele erreicht: Die Landespolitik reagiert mit einem Dialogangebot. Der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) plant zwei Klimakonferenzen, in denen er sich die Schüler-Anliegen persönlich anhören möchte. Der Minister findet: „Das ausdauernde und sichtbare Engagement der jungen Menschen auf Bayerns Straßen spricht eine deutliche Sprache.“

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