Frohe Botschaft ohne großen Optimismus

- VON UMBERTO SAVIGNANO Unterhaching - Agnes Fischl verkündete die frohe Botschaft ohne jeden Anflug von Euphorie. "Wir werden unsere Mannschaft nicht aus der Ersten Liga abmelden", lautete die positive Nachricht der Volleyball-Chefin des TSV Unterhaching, die deshalb keine Jubelstürme bei der Führungsmannschaft auslöst, weil sich an der schwierigen finanziellen Ausgangslage für die im Oktober beginnende Saison 2004/2005 nichts geändert hat. Nach wie vor fehlt ein Hauptsponsor, das Budget für die neue Spielzeit liegt um etwa 50 000 Euro unter den 300 000 Euro des Vorjahres, der Kader wurde dem entsprechend abgespeckt. "Wir haben keinen Grund zum Optimismus", weiß Fischl.<BR>

<P>Formal war es eine leichte Übung, die Unterhachings Verantwortliche gestern absolvierten. Sie mussten nur das Fax-Gerät ignorieren und so die letzte vom Ligabüro des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) gesetzte Frist für einen eventuellen Rückzug des Lizenzantrags verstreichen lassen. Doch tatsächlich war es ein hartes Ringen, bis die Entscheidung stand, denn die Hoffnungen auf ein erneutes Erreichen der Etatsumme von 300 000 Euro erfüllten sich bislang nicht. "Wir wollten aber die Eröffnung der neuen Halle im nächsten Jahr unbedingt als Erstligist erleben", nennt Fischl einen Grund für den Entschluss, trotzdem weiter Spitzenvolleyball in Unterhaching anzubieten. Ein zweiter, und der wohl letztlich entscheidende: Trainer Mihai Paduretu ist bereit, weiter zu arbeiten, obwohl das ohnehin geringe Budget noch weiter zusammengestrichen wurde. Genaue Zahlen zum Etat will derzeit niemand vom TSV nennen, aber als ein Betrag von 270 000 Euro im Raum stand, meinte Paduretu nur: "Niedriger."<P>Bei einer Viertel Million Euro dürfte sich also die Summe bewegen, mit der die Hachinger die nächste Saison überstehen müssen. Das ist etwa die Hälfte dessen, worüber die die Bundesliga-Konkurrenz laut Paduretu im Durchschnitt verfügt. Entsprechend sieht der Kader aus, der dem 37 Jahre alten Rumänen in der bereits begonnenen Vorbereitung auf die neue Saison zur Verfügung steht. Statt der üblichen zwölf muss er mit zehn Spielern auskommen, darunter die Hälfte mit keiner oder nur minimaler Bundesligaerfahrung. Zu diesem Kreis zählen auch die Neuzugänge Matthias Kolley (22), ehemals Libero des Zweitligisten VC Bottrop und Zuspieler Fabian Zeitler (20), zuletzt beim belgischen Erstligisten St. Vith ohne Matchpraxis. Der dritte Neue ist Rückkehrer Michael Mayer (wir berichteten). Als Hoffnungsträger mag auch Stanislav Zimakijevic gelten. Der Wechsel des Kroaten zum französischen Klub Narbonne zerschlug sich aus privaten Gründen.<P>"Es geht um den Klassenerhalt" Seine Annahmekünste taten dem TSV schon in der vergangenen Saison gut, in Zukunft wird das Team noch stärker darauf angewiesen sein. "Es geht um den Klassenerhalt", weiß Paduretu und auf der Suche nach weiteren Abstiegskandidaten fällt ihm derzeit nur der Lokalrivale ASV Dachau ein. "Das ist der einzige Verein, der finanziell noch unter unseren Möglichkeiten liegt."<P>Allerdings hoffen die Hachinger noch auf eine Erweiterung ihrer Möglichkeiten. "Bis 1. Dezember könnten wir Spieler verpflichten", so Paduretu, der vor allem noch einen Annahmespezialisten benötigt. "Aber ohne neue Sponsoren gibt es auch keine neuen Spieler."<P>Hier soll die Erfahrung des Sportmarketing-Spezialisten Klaus Müller helfen. Müller arbeitet mit der Werbe-Agentur Heye und Partner zusammen, die die Olympiabewerbung der Stadt Leipzig ausgearbeitet hat. Einige Ideen hat er schon angerissen, etwa "die Fernsehübertragung eines Spiels von einer besonderen Location, zum Beispiel im Münchner Stadtbereich." Insgesamt sieht Müller sein Engagement allerdings langfristig, sein Ziel ist es "Vereinbarungen mit Sponsoren über drei Jahre" zu treffen. Immerhin: Auch das wird Paduretu gerne hören, denn: "Unter den Voraussetzungen wie diesmal mache ich es nie wieder."<P>

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