Gute und weniger gute Neuigkeiten: Der Radweg zwischen Oberhaching und Oberbiberg rückt in greifbare Nähe. Näher kommt aber auch die Straßenausbau-Beitragssatzung am Pfaffensteig. Hier soll es eine Anwohnerversammlung geben, kündigt Bürgermeister Stefan Schelle an.

Wer früher kommt, hat spät das Wort

Oberbiberg - Die Bürger der Ortsteilversammlung Oberbiberg brauchen vor allem eins: Geduld

Der Bürger hat das Wort, wenn der Bürgermeister zu Ende referiert hat. In der Ortsteilversammlung von Oberbiberg mussten sich die rund 60 Zuhörer gedulden, bevor sie selbst mitreden durften.

Manche Nachrichten dauern etwas länger. Im Fall von Oberbiberg knapp 90 Minuten. So lange nahm sich Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) Zeit, über die Eckdaten der Gemeinde Oberhaching zu berichten: die jüngsten Haushaltsberatungen, wichtige Investitionen, die Straßenausbau-Beitragssatzung, die als Damoklesschwert über Oberbiberg hängt.

Gefahrenmeldung

Eineinhalb Stunden später waren dann die Bürger dran. Den verkehrlichen Stein ins Rollen brachte Harald Beck. Von seinem Küchenfenster am Pfaffensteig beobachtet er immer wieder gefährliche Verkehrssituationen in kurvigem Terrain, wenn Schulkinder an der Haltestelle Schwaigerweg/Staatsstraße aus dem Bus steigen und ohne Federlesens die Hauptstraße queren. „Die Situation dort ist sehr unübersichtlich“, erklärte der besorgte Anwohner. „Kann man denn nicht den Busausstieg vielleicht zum Bereich beim Kandler verlegen?“ Die Gemeinde solle nicht warten, bis etwas passiert, „wenn die Autos mit bis zu Tempo 80 millimeterscharf an den Kindern vorbeischlittern“. Bürgermeister Schelle reichte den Vorschlag an die Verwaltung weiter.

Der Verkehr blieb Thema. „Die Gestörten einbremsen“ solle die Polizei mit verstärkten Kontrollen entlang der Hauptstraße und die Gemeinde über weitere stationäre Geschwindigkeitsmesser nachdenken, forderte ein Bürger. Den Einwand von Polizeivertreter Udo Wunsch, wonach die Polizei ihre Maßnahmen vorrangig dort intensiviere, wo dies nötig sei, mochte der Anwohner nicht gelten lassen. „Das ist eine schlechte Argumentation, wenn wir warten, bis jemand überfahren wird“. Die Oberbiberger Hauptstraße sei derzeit ohnehin nur im Laufschritt zu queren. Prüfen will die Gemeinde den Ansatz von Ronalf Kramer, der die Lichtverhältnisse beim Bushäuschen Ecke Pfaffensteig/Hauptstraße moniert hatte.

Straßenausbau-Beitragssatzung. Das Wort allein ist ein Ungetüm, rechtlich trotz intensiven Sachvortrags Schelles schwer zu durchleuchten und doch immer mehr allgegenwärtig - offenbar auch in Oberbiberg:

Buschtrommel

Die kostenintensive Straßenausbaubeitragssatzung bereitet den Bürgern zunehmend Sorgen. Susanne Gerlach wollte vom Bürgermeister wissen, was am Pfaffensteig geplant sei. Die Buschtrommeln hätten etwas von einer Instandsetzung und finanzieller Beteiligung für die Bürger verkündet. „Dort ist etwas geplant, es besteht das Anrecht auf eine anständige Straße“, gab Schelle zurück. Er mochte nicht verhehlen, dass hier unter Umständen auch „erhebliche Kosten“ auf die Anwohner zukämen. „Die Maßnahmen dort werden umgelegt“, räumte der Rathauschef ein“. Allerdings sei hier „noch kein Zeithorizont“ gegeben. Erst sei eine Anwohnerversammlung vorgesehen.

Den Einwand eines Bürgers, doch nicht am Pfaffensteig ein Exempel zu statuieren, ließ Schelle nicht gelten. „Wir können nicht diese Trasse auslassen, nur weil früher anderswo nichts von Bürgern bezahlt werden musste.“ Bereits im eigenen Vortrag hatte der Rathauschef die rechtlichen Zuständigkeiten ohnehin vom Rathaus weg in Richtung Landratsamt und Freistaat transferiert.

Fortschritte

Die Sanierung der Münchner Straße (mit Bürgerbeteiligung ab März) und der aufgrund von Fundamentsschäden notwendige Neubau der Brücke Kapellensteig wird dagegen vom Freistaat finanziert. Fortschritte gibt es offenbar auch beim Langzeitthema einer Radwege-Verbindung zwischen Oberhaching und Oberbiberg. „Bis auf einen Grundeigentümer“ habe man mittlerweile alle Flächeninhaber von einem Verkauf ihrer Flurstücke überzeugen können. Gegen den einen Grundeigentümer, der nicht mitzieht und laut Schelle sogar seinen Anwalt gefeuert hat, werde ab Frühjahr das Enteignungsverfahren laufen. „Dann sehen wir, wie es weitergeht“, sagte der Rathauschef. Die Bürger lachten. Man kennt das Thema.

Katar 2022

Gute Nachrichten hatte Schelle neben dem Verweis auf das ehrgeizige Einheimischenmodell und 15 neue kommunale Mitarbeiterwohnungen auch mit Blick auf den Oberbiberger Bolzplatz im Gepäck. Dessen Zustand sei gerügt worden. In diesem Jahr werde er wieder in einen Zustand versetzt, dass sich die ortsansässigen Talente „für die WM 2022 in Katar“ wieder unter Champions-League-Bedingungen vorbereiten könnten.

Lob gab es für den hervorragend funktionierenden „Bürgerbus“ zur Anbindung der Landgemeinde in Richtung Stadt und S-Bahn, den Freiwillige organisieren. In Bezug auf den Konzertsaal richtete Schelle den Blick keck gen München. Mit den Aufführungen zur „Fledermaus“ von Johann Strauss in der Ödenpullacher Maschinenfabrik lebe man in Oberbiberg vor, was München nicht leiste.

Harald Hettich

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