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Schwere Vorwürfe: In der Oberhachinger Klinik am Bajuwarenring sollen kranke Tiere vorschnell eingeschläfert worden sein, zum Teil angeblich ohne das Wissen ihrer Besitzer. Mitarbeiter und Leitung der Klinik fürchten um ihren Ruf. 

Nach massiven Anschuldigungen

Behandlung richtig oder falsch?

Oberhaching - Nach dem Tod von Labrador "Boby" erheben mehrere Tierhalter schwere Vorwürfe gegen die Tierklinik Oberhaching. Die Fälle und die Reaktionen der Klinik...

Den dort praktizierenden Veterinären werfen mehrere Tierhalter falsches Verhalten vor. Die Vorwürfe der Tierhalter haben wir der Tierklinik vorgelegt – mit der Bitte um Stellungnahme. Die Rückantwort kam von der Rechtsvertretung der Klinik, mit der Bitte, die Namen der Ärzte nicht zu nennen, um persönliche Anfeindungen zu vermeiden. Nicht ohne Grund: Die Anwältin der Klinik berichtet von Drohungen und Hasstiraden gegen die Angestellten. Währenddessen laufen die Ermittlungen rund um den eingeschläferten Labrador „Boby“ aus Putzbrunn, der die Dinge ins Rollen gebracht hatte, weiter. Einige andere Fälle haben wir dokumentiert.

Kater „Mau Mau“

2007 wurde der Kater von Gisela Sawitzki (62) in der Tierklinik eingeschläfert – ohne ihr Wissen, wie sie sagt. Vor seinem Tod habe sie zwar einen Anruf von der Tierklinik erhalten, dass es dem Kater sehr schlecht gehe. Von Einschläferung sei nicht die Rede gewesen. Als die heute 62-Jährige in Oberhaching ankam, war „Mau Mau“ tot.

Das sagt die Tierklinik: „Der Zustand von ’Mau Mau’ war bei der Einlieferung schon sehr kritisch. Er hatte große Schmerzen und war nur noch in Sedation zu behandeln. Durch Leberveränderungen und Niereninsuffizienz hatte der Kater nur mehr eine geringe Aussicht, dass die erheblichen Leiden behebbar sind. Das wurde auch so der Halterin mitgeteilt. Auf Wunsch der Halterin versuchten wir jedoch den Kater zu stabilisieren. Um 21 Uhr verschlechterte sich der Zustand dramatisch, die Katze ging in Schnappatmung über, war nicht mehr ansprechbar und zeigte keine Reflexe der Kopfnerven an. Frau Sawitzki wurde telefonisch informiert und die Katze wurde eingeschläfert, um ihr weitere qualvolle Leiden zu ersparen.“

Dackel „Buckwheat“

Der Rauhaardackel von Uschi Hemrich (56) starb im Januar 2014 in der Klinik. Er sei wegen Atemproblemen stationär behandelt worden. „Die Klinik wollte sich melden, falls sich sein Zustand über Nacht verschlechtert“, sagt Uschi Hemrich. Passiert sei das nicht, obwohl ihre Kontaktdaten und auch die ihrer Tochter vorgelegen seien. Am nächsten Morgen habe sie erfahren, dass „Buckwheat“ eingeschläfert wurde.

Das sagt die Tierklinik: „Der Dackel ’Buckwheat’ war bereits aufgrund seiner Herzinsuffizienz und eines Lungenödems Patient bei uns. Im Januar 2014 wurde er im Notdienst erneut vorgestellt, da sich sein Befinden plötzlich dramatisch verschlechtert hatte. Wir nahmen den Dackel auf und sein Befinden stabilisierte sich zunächst. Allerdings trat nach einigen Stunden eine akute Verschlechterung ein und das Tier drohte qualvoll zu ersticken. Aus Verantwortung dem Tier gegenüber haben wir den Dackel eingeschläfert, um unnötiges Leiden zu verhindern. Auch hier wäre der Dackel unter Todesqualen erstickt. Der Besitzer hätte leider so oder so das Tier nicht mehr lebend aufgefunden.“

Mischling „Hexi“

Wegen eines geplatzten Tumors im Bauchraum wurde „Hexi“ im Dezember 2015 in der Tierklinik eingeschläfert. Die Halterin, Helga Fisch (73), ordnete, nach eigener Aussage, eine Einäscherung im Krematorium Riem an. Dort sei der Hund nie angekommen, sagt sie. Später habe sie erfahren, dass „Hexi“ in die Tierkörperverwertung gegeben worden sei.

Das sagt die Tierklinik: „Die diensthabende Tierärztin klärte die Halterin über die Tierkörperbeseitigung auf und vermerkte deren Einverständnis dazu auch auf der Kartei. Dass die Halterin eine Einäscherung im Tierkrematorium wünschte, wurde der diensthabenden Ärztin nicht mitgeteilt. Wir haben mehrfach mit der Halterin Kontakt aufgenommen und versucht zu klären, wie es zu diesem Missverständnis kam. Des Weiteren wurden die Kosten nicht in Rechnung gestellt und weitere Gespräche angeboten, die nicht angenommen wurden.“

Dackel „Tipsi“

2010 brachte Margarethe H. (60) ihren Rauhaardackel nach Oberhaching. Viele Untersuchungen seien ohne Ergebnis geblieben. Auch die Verordnung von Antibiotika sei wirkungslos gewesen. Margarethe H. wandte sich an einen anderen Tierarzt. Dieser habe nicht nur die Kastration von „Tipsi“ deutlich günstiger durchgeführt, er habe durch einen Bluttest auch eine Allergie auf ein bestimmtes Futter festgestellt: „In der Tierklinik“, sagt sie, „geht es nur ums Geld“.

Das sagt die Tierklinik: „Der Welpe wurde immer wieder mit Durchfall vorgestellt. Schon bald stellte sich heraus, dass ’Tipsi’ beim Spaziergang jeglichen Unrat fraß. Auf Behandlung wurde es sofort besser. Da die Besitzerin nicht die Aufnahme von Unrat verhindern konnte, wurde auch zum Tragen eines Maulkorbes beim Spaziergang geraten. Die Halterin wurde wiederholt über eine mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeit aufgeklärt. Eine Nahrungsmittel-OAllergie kann mit einem Bluttest nicht zu 100 Prozent erkannt werden. Lediglich der Verdacht kann geäußert werden. Die Untersuchung auf Nahrungsmittelallergene spiegelt meist nicht die tatsächliche Problematik im Darm wieder. Die Abbrechung der Leistung erfolgt nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Was den Preisunterschied der Kastration betrifft, so kann es sein, dass der Kollege eine andere Narkose fährt. Wir legen sehr viel Wert auf Narkose und Narkoseüberwachung, was den höheren Preis womöglich erklären kann. Dies ist aber im Sinne des Patienten und wurde den Haltern auch erklärt.“

Hündin „Cara“

Im Jahr 2007 wurde die Hündin von Gabriele Woiwode (55) in der Tierklinik in Oberhaching operiert. In Folge dieser Operation lebte die Hündin mit nur einer Nebenniere weiter, sagt Gabriele Woiwode. Drei Jahre später, 2010, sei es ihrer Hündin dann deutlich schlechter gegangen, sagt Woiwode. In Oberhaching eingeliefert, seien die behandelnden Ärzte nur unzureichend auf die Nierenproblematik eingegangen und hätten sich auf die Leberwerte der Hündin fokussiert. 13 Stunden nach der stationären Aufnahme war „Cara“ tot. Gabriele Woiwode klagt an: „Es wurde kein einziges Mal über Nacht nach ihr gesehen. Sie hat in der gesamten Zeit auch nur 1,5 Liter Flüssigkeit bekommen.“ Dies ginge aus den Untersuchungsberichten hervor, die sie zwei Jahre später, 2012, per Gerichtsbeschluss erstritten habe.

Das sagt die Tierklinik: „Cara wurde im August 2010 eingeliefert. Aufgrund der klinischen und labordiagnostischen Untersuchung bestand der Verdacht auf Leberversagen. Bereits bei der Operation im Jahr 2007 zeigte der Hund intraoperativ deutliche Leberveränderungen. In der Nacht erbrach sich der Hund und setzte Durchfall ab. Das Allgemeinbefinden des Hundes verschlechterte sich zusehends. Ein am Vormittag des 17. August durchgeführter Ultraschall zeigte massive Leberveränderungen und freie Flüssigkeit im Bauchraum. Nach Rücksprache mit der Besitzerin erging der Rat zu einer sogenannten Probelaparotomie. Die Besitzerin wollte ihren Hund vor der Operation nochmals sehen. Bei Eintreffen der Besitzerin (zeitgleich) verstarb der Hund. Die Halterin konnte den Verlust nur sehr schwer verkraften und schrieb im Nachgang ’Hassmails’ an die überweisende Haustierärztin. Das ist einer der ganz seltenen Fälle, bei der die Tierklinik die nicht bezahlte Rechnung einklagte. Die zuständige Richterin verstand nicht ganz, welches Ziel die Tierhalterin verfolgte und sah unseren Bericht als detailliert und nachvollziehbar an. Wir haben dann der Tierhalterin noch Röntgen- und Ultraschallbilder übermittelt, als auch das Behandlungsprotokoll.“

Michael Hoffmann

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