Symbolbild Gericht
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Der Physiotherapeut war bereits dreifach einschlägig vorbestraft. Das schlug besonders schwer zu Buche.

Richter hält Argumente einer Muskelketten-Methode des Physiotherapeuten für abwegig

Fünf Jahre Haft wegen Vergewaltigung

  • Nina Gut
    vonNina Gut
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Weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung dürften zufrieden sein. Am Ende wurde der angeklagte Physiotherapeut, der mehrere Frauen vergewaltigt haben soll, vom Richter zu fünf Jahren Haft verurteilt. Auch ein Berufsverbot ist ausgesprochen worden.

Landkreis – Niemals habe er bei seiner Therapie das Ziel gehabt, den Patientinnen Schaden zuzufügen, betonte der angeklagte Physiotherapeut (56) in seinem letzten Wort. Alles, was passiert sei, seien „Reaktionen des Körpers auf die Behandlung“. Das Landgericht München I sah das gestern ganz anders. Es verurteilte den Mann, der zuletzt in einer Praxis im Landkreis München tätig war, wegen dreier Fälle der Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft. Außerdem erhielt er fünf Jahre Berufsverbot für weibliche Patienten. Er sitzt bereits seit August 2020 in Untersuchungshaft in Stadelheim.

Der Staatsanwalt hatte sieben Jahre Gefängnis gefordert, ebenso wie die Nebenklagevertreterin Antje Brandes. Die Verteidiger Heidi Pioch und Moritz Baumann hatten sich für eine Strafe von lediglich zwei Jahren ausgesprochen und betont, dass der Kasache keinerlei Gewalt ausgeübt habe.

Das keine Gewalt angewendet wurde, entlastet nicht

Doch diese Ausführungen nützten nichts. Es spiele keine Rolle, dass keine Gewalt angewendet wurde, betonte das Gericht. Der Gesetzgeber habe in einem erst zwei Jahre alten Gesetz vorgegeben, dass es sich in diesen Fällen um Vergewaltigung handelt. Der Therapeut habe den „Überraschungsmoment des sexuellen Übergriffs“ ausgenutzt und sei mit dem Finger in die Patientinnen eingedrungen. Die Ausführungen des Therapeuten dazu seien „vollständig abwegig und absurd“, sagte der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner. So hatte der Angeklagte bereits zu Prozessauftakt krude Aussagen von sich gegeben: Seine „ganzheitliche Methode“ habe das Ziel gehabt, „lange Muskelketten zu aktivieren“. Damit habe er Verspannungen gelöst.

Richter hat keine Zweifel an Opferaussagen

Das Landgericht hatte dagegen „überhaupt gar keinen Zweifel“ daran, dass sich alles so zugetragen hat, wie es die betroffenen Frauen beschrieben haben. Drei Patientinnen hatten den Physiotherapeuten angezeigt – inzwischen haben sich noch weitere Opfer gemeldet. Die drei bisher bekannten Frauen schilderten alle das Gleiche. So hat der 56-Jährige laut Koppenleitner „listiges Verhalten“ gezeigt und nicht sofort, sondern erst bei Folgebehandlungen die Übergriffe begangen; er habe sie alle überrumpelt; er habe die Frauen an den Haaren festgehalten. „Die Aussagen waren selten so glaubwürdig wie hier.“

Vorstrafen zeigten offenbar keine Wirkung

Negativ schlug zu Buche, dass der Mann dreifach einschlägig vorbestraft ist. Man könne ja fast die alten Texte hernehmen und die Namen austauschen, sagte der Vorsitzende. Die Vorstrafen sollten eine „Warnwirkung“ haben. Dreimal habe man ihm gesagt, dass sein Verhalten strafbar sei und seine Einlassungen neben der Sache seien. „Aber er hat es sich nicht zur Warnung dienen lassen.“

Das Gerichtsurteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat noch die Möglichkeit, eine Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen.

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