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Auf fünf Grundstücken könnte Wohnraum für circa 2500 Menschen entstehen: Auf dem Areal des ehemaligen EADS-Geländes, auf dem Feld direkt gegenüber am Furtweg sowie auf dem Erdbeerfeld am südlichen Stadtrand. Hier ist laut Böck für die Planungen zentral, dass eine Grünverbindung zum Berglwald bestehen bleibt – auch nach einer Bebauung. Das Grundstück in Lohhof Süd gehört der Stadt bereits. Grundstück fünf hält die Verwaltung noch unter Verschluss. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer laufen.

SPD-Bürgerdiskussion zum Wohnungsbau 

Fünf Standorte, einige Bedenken

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Unterschleißheim wächst und wächst und wächst. Wohnraum muss her. Die SPD hat nun fünf Grundstücke ins Auge gefasst, die sie als Wohnbaugebiete ausweisen will. Wohnungen für 2500 Personen könnten dort entstehen. Doch das Thema Verkehr bereitet den Unterschleißheimern Sorgen.

Unterschleißheim – Es ist noch nicht allzu lange her, da wollte Katharina Bednarek, Stadträtin und Baureferentin der Unterschleißheimer SPD, eine Wohnung vermieten. Wie groß besagtes Objekt ist, darüber machte Bednarek keine Angaben, als sie nun davon erzählte. Im Grunde ist es aber auch egal. Denn das Interesse an der Wohnung war offenbar ohnehin enorm: „Innerhalb kürzester Zeit hatte ich 60 Anfragen“, erzählte Bednarek bei der SPD-Bürgerdiskussion zum Thema „Wie viel neue Wohnungen braucht Unterschleißheim?“.

Die Stadträtin weiß also, wovon sie spricht, wenn sie eben jene Frage mit einem überaus deutlichen „Unterschleißheim braucht dringend neuen Wohnraum“ beantwortet. Zwar geht die Antwort etwas an der Frage vorbei, was Bednarek jedoch damit sagen will, dürfte klar sein. Schon jetzt reißt die Nachfrage nach Wohnungen in allen Größen nicht ab. Sinken wird sie in keinem Fall. Ganz im Gegenteil. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Stadt mit einem Bevölkerungszuwachs von 2500 Menschen. Für die muss neuer Wohnraum geschaffen werden. Das steht außer Frage. Wo er geschaffen werden soll, darüber scheiden sich derzeit allerdings die Geister.

Zeit für einen neuen Flächennutzungsplan

Die Stadt arbeitet gemeinsam mit den Stadtplanern vom Münchner Büro Dragomir an einem neuen Flächennutzungsplan. Der bestehende ist 24 Jahre alt. „Es ist Zeit für einen neuen“, verdeutlichte Bednarek. Im neuen Plan sollen neue Areale innerhalb der Stadt zur Wohnbebauung ausweisen werden. Bei der Bürgerdiskussion machte die Unterschleißheimer SPD nun deutlich, welche Grundstücke sie dabei favorisiert.

Derer sind es fünf: das sogenannte Erdbeerfeld im Süden der Stadt, der nördliche Teil des ehemaligen EADS-Geländes und das Feld am Furtweg gegenüber sowie ein Grundstück in Lohhof Süd, das der Stadt bereits gehört, und eine unbenannte Gewerbefläche, wegen der die Stadt bereits mit dem Eigentümer verhandelt. Alle Grundstücke seien „sehr gut geeignet“, sagt Bednarek.

Das große Ziel sei es dabei, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Stichwort: sozialer Wohnungsbau. Profitieren sollen vor allem die, „die sich die Wohnungen in der Stadt nicht mehr leisten können, die wir hier aber dringend brauchen“, sagte Bürgermeister Christoph Böck, der zusammen mit seiner SPD-Kollegin Bednarek die Fragen der rund 100 anwesenden Bürger beantwortete. Gemeint waren Erzieher, Pflegepersonal und Verwaltungsmitarbeiter.

Stadt forciert sozialen Wohnungsbau - nur wo?

Rund 100 Unterschleißheimer kamen zur Bürgerdiskussion.

Bei dem schmalen Grundstücksstreifen in Lohhof Süd ist die Sache klar. Es gehört der Stadt. „Es ist derzeit die einzige Chance, sozialen Wohnungsbau zu verwirklichen“, sagte Bednarek. Anders stellt sich das auf dem Areal des ehemaligen EADS-Geländes und des unbenannten Grundstücks dar. Hier sieht der Flächennutzungsplan Gewerbeflächen vor. „Wir können die Eigentümer nicht zwingen, das in Wohnbau umzuwandeln“, sagte Bednarek. Versuchen will man es allemal. Sollte es gelingen, so versicherte Böck, „werden wir beim Umbau der Gewerbeflächen auch günstigen Wohnraum schaffen“.

Im Falle des Erdbeerfeldes gelingt das der Stadt nicht. Da ist sich Gerhard Keppler sicher. „Das Erdbeerfeld wird ein Prestigeobjekt“, sagte er. „Jeder will einen Platz an der Sonne – gerade im Süden der Stadt.“ Die Konsequenz: die Wohnungen seien unerschwinglich für junge Familien oder Geringverdiener.

Böck: Ein Mehr an Verkehr darf keine Ausrede sein

Ein ganz anderes, wenn auch kein neues Problem sieht Georg Wildgruber auf die Stadt zukommen: die aus seiner Sicht zusätzlich angespannte Verkehrssituation durch die Neubaugebiete. „Lohhof ist doch jetzt schon überlastet“, sagte Wildgruber und fügte an Stadträtin und Bürgermeister gewandt an: „Das Thema wird mir überspielt. Ihr müsst doch erstmal den derzeitigen Verkehr abwickeln.“ Unterstützung bekam Wildgruber von einer Anwohnerin der Käthe-Kollwitz-Straße. Unterschleißheim so schon jetzt mit seinen rund 30 000 Einwohnern mit Abstand die größte Kommune im Umkreis, sagte sie: „Mir bereitet es Sorgen, dass wir, wenn wir weiter aufstocken, im Verkehr ersticken.“

Den Verkehr als Argument gegen neue Wohnbaugebiete wollte Bürgermeister Böck allerdings nicht gelten lassen. „Wir haben hier so gut wie keinen Durchgangsverkehr“, sagte er. In anderen Kommunen im Landkreis sehe das ganz anders aus. Das beste Beispiel liege auf der anderen Seite des Berglwalds: Oberschleißheim. „Da führen zwei Bundesstraßen quer durch Wohngebiete“, sagte Böck. Auch der Föhringer Ring bei Unterföhring sei ein mahnendes Beispiel dafür, dass Unterschleißheim „so gut wie gar nicht belastet“ sei. „Für den Großteil des Verkehrs sorgen wir schon selbst“, sagte Böck.

Dass die Stadt neuen Wohnraum benötigt, war an diesem Abend im Sehbehindertenzentrum so ziemlich jedermann klar. „Die Stadt verfügt selbst über fast keinen Wohnraum“, sagte Böck, und seine Parteikollegin Bednarek ergänzte: „Freien Wohnraum können wir nur durch Neubauten schaffen.“ Genau dafür sei die Neuschreibung des Flächennutzungsplans der erste Schritt. „Das heißt nicht, dass wir allle ausgewiesenen Flächen gleich bebauen“, beschwichtigte Bednarek. Viel mehr wolle sich die Stadt so Optionen für die Zukunft offen halten, um dann nach Bedarf zu handeln. Mit der Ausweisung der fünf angedachten Flächen hätte man Wohnraum für circa 2500 Zuzügler sowie Unterschleißheimer im Petto.

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