„Kapazitäten verdoppeln.“ Landrätin Johanna Rumschöttel wirbt für Akzeptanz der Asylsuchenden und findet ein positives Echo. Foto: sh

200 Gäste beim Informationsabend „Asylbewerber in Schäftlarn“ im TSV-Vereinsheim

Schäftlarn - „Vorbehalte abbauen und wissen, was auf uns zukommt.“ Unter diesem Motto hat die Gemeinde Schäftlarn zusammen mit Fachbehörden einem Informationsabend zum Thema „Asylbewerber in Schäftlarn“ eingeladen.

Bürgermeister Matthias Ruhdorfer sah sich erstaunt um: Statt der von ihm erwarteten 60 bis 70 Zuhörer drängten sich knapp 200 Interessierte im TSV-Vereinsheim. „Wir sollten den Asylbewerbern zeigen, dass sie willkommen sind“, sagte Landrätin Johanna Rumschöttel in ihrer Begrüßung. „Denn keiner dieser Menschen hat seine Heimat freiwillig verlassen.“ Die Zuweisung der Asylanten an die verschiedenen Landkreise erfolgt über den „Königssteiner Schlüssel“, der entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet wird. „Bisher konnten wir 629 Menschen in 20 von 29 Orten unterbringen“, gibt Florian Schlämmer, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung den aktuellen Sachstand wieder. „Bis Ende des Jahres kommen 500 weitere - das heißt, wir müssen unsere Kapazitäten verdoppeln.“

In der Gemeinde Schäftlarn sollen fünf und im ehemaligen Koppermann-Gebäude (Ebenhausen) 20 bis 25 Menschen untergebracht werden. „Hier“, so Christian Dauer vom Bauamt des Landratsamtes, „müssen allerdings noch ein paar bauliche Veränderungen durchgeführt werden.“ So soll noch für ausreichende Koch- und Waschgelegenheiten gesorgt sowie ein Lärmschutz errichtet werden. „Ich denke, dass wir in zwei bis vier Monaten fertig sind.“ Neben der Unterbringung erhalten die Flüchtlinge Geld, um den notwendigen Bedarf an Lebensmitteln oder Hygieneartikeln zu decken. „Ein Alleinstehender bekommt dafür pro Monat 136 Euro und für Kleidung einen Gutschein von 32 Euro“, rechnet Katrin Baumer vor, zuständig für die finanziellen und sozialen Leistungen. „Zudem gibt es noch eine Art Taschengeld in Höhe von 153 Euro.“ Von diesem sollen beispielsweise auch Tickets für öffentliche Verkehrsmittel bezahlt werden. Arbeiten, um selbst mit für den Unterhalt aufkommen zu können, dürfen die Flüchtlinge frühestens nach neun Monaten. „Erst dann kann eine offizielle Arbeitserlaubnis beantragt werden.“ Je nach Sprachkenntnissen kann man sich bis dahin auch als Dolmetscher zur Verfügung stellen, für 1,05 Euro die Stunde. „Doch noch wichtiger ist die Sozialbetreuung“, sagte Baumer. So sind die Kinder nach drei Monaten bereits schulpflichtig. Ebenso werden Deutschkurse organisiert, um die Sprachbarrieren zu überwinden.

Die wichtigste Arbeit allerdings leisten die bis dato 15 Helferkreise. „Sie unterstützen die Menschen dabei, sich im Alltag zurechtzufinden - das fängt schon bei der Mülltrennung an.“ Zwar würde sich auch eine ausgebildete Vollzeitkraft um die Asylbewerber kümmern, doch liegt hier der Schlüssel bei 1:100. Ein weiterer Helferkreis soll sich jetzt auch in Schäftlarn unter der Leitung der kirchlichen Vertreter Abt Petrus Höhensteiger, Johannes Vogelsang und Elke Stamm bilden. Letztere hatte zu dem Treffen gleich Listen mitgebracht, in der sich die Unterstützer noch vor Ort eintragen können. Bis zum Ende der Veranstaltung hatten 75 Schäftlarner ihre Hilfe zugesagt. Sabine Hermsdorf

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