Auf reges Interesse und Skepsis bei den Brunnthalern stößt der Bürgerdialog auf dem Ganser-Gelände.
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Auf reges Interesse und Skepsis bei den Brunnthalern stößt der Bürgerdialog auf dem Ganser-Gelände.

Allerlei Skepsis bei Bürgerdialog zu Baustoffe-Projekt

Ganser-Gelände: Folgt Lkw-Verkehr auf Kompostgestank?

Baustoffe-Projekt statt Biomüllvergärungsanlage: Die Anwohner äußern beim Bürgerdialog auf dem Ganser-Firmengelände in Kirchstockach Skepsis.

VON VOLKER CAMEHN

Kirchstockach – Begeisterung geht wohl anders: Die Brunnthaler Bürger, so der Eindruck nach dem ersten Bürgerdialog auf dem Ganser-Firmengelände in Kirchstockach, sehen dessen geplante Umstrukturierung vor allem in Sachen Verkehrsaufkommen kritisch. Ganz anders als der Gemeinderat, der im Mai einstimmig die Planungen eines neuen Zentrallagers durch Kraft-Baustoffe befürwortete, treibt aktuell viele Anwohner vor allem eine Frage um: Wie viele Lkw rollen künftig durch ihren Ort über die Taufkirchner Straße aufs dann neue Kraft-Areal?

Und darum geht es: Das Münchner Traditionsunternehmen Kraft-Baustoffe plant, im Gewerbegebiet Kirchstockach die Kompostieranlage auf dem Ganser-Gelände zu beseitigen und zwischen Vergärungsbetrieb und Geothermie ein Zentrallager zu bauen. Auf gut 20 500 Quadratmetern Grundfläche soll hier ein nachhaltig gebautes, zwölf Meter hohes, klimafreundliches Gebäude entstehen, mit begrünten Fassaden plus Photovoltaik-Panels auf dem Dach. Zudem würden offiziellen Angaben zufolge 50 Arbeitsplätze geschaffen. Bauherr des Projekts ist die Josef und Luise Kraft-Stiftung, Eigentümerin der Kraft-Unternehmensgruppe. Der Baustoffhändler braucht nach eigenen Angaben dieses Zentrallager, damit seine Lkw künftig nur noch einen Standort anfahren müssen, um Baustellen mit den nötigen Materialien beliefern zu können.

Anwohner sollen von dem ambitionierten Projekt profitieren

Von dem ambitionierten Projekt sollen auch die Anwohner was von haben. Denn das Bauvorhaben soll neben Gewerbesteuern vor allem Entlastungen für die Kirchstockacher bringen: Ohne Kompostierplatz gäbe es keine Geruchsemissionen mehr. Die Lagerflächen sowie die Be- und Entladezonen lägen dann fast ausschließlich in der Halle, alle Arbeitsvorgänge sollen innen stattfinden, sodass Staub, Lärm und Gestank auf dem Gelände und in der Nachbarschaft stark reduziert würden, versprechen die Planer. Und: Ein höheres Verkehrsaufkommen entstünde dadurch nicht, wobei es sich hierbei um eine „vorläufige Einschätzung“ handelt, wie Kraft-Stiftungsvorstand Harald Mosler einräumt.

Keine Frage: Hier wird groß gedacht. Das Projekt sieht vor, bis 2035 ganz auf ökologisch umzustellen. Der Münchner Architekt Michael Wimmer von der 03 Architekten GmbH verspricht „eine deutliche Veränderung“, alles „was überdacht ist, soll begrünt werden“. Unter anderem wolle man Wasser auf den Dächern zurückhalten und so den Pflanzenwuchs, quasi on top, fördern. Die Fassaden sollen dann auch „außenbegrünt“ sein. Das ist gut fürs lokale Klima, weil es kühlt“, so Wimmer. Damit nicht genug: Künftig will Kraft hier komplett auf E-Mobilität umstellen, und das Ganze in kompletter Eigenversorgung durch Photovoltaik-Strom. Und am Wochenende sei Ruhe angesagt: „Am Samstag wird hier nicht mehr gearbeitet“, betont Mosler. Läuft alles nach Plan, könnte ab 2024 mit dem Bau der Kraft-Solar-Halle begonnen werden, bis 2035 wären die Baubetriebe und das Kieswerk beseitigt und die Biomüllvergärungsanlage des Landkreises Geschichte.

Leicht gereizte Atmosphäre wegen kritischer Fragen

Klingt also gut. Während die Kirchstockacher auf den Kompostgestank sicher gerne verzichten, befürchten viele indes Zumutungen durch ein höheres Verkehrsaufkommen. Zumal eine neue Südanbindung des Geländes bislang nur als „eine mögliche Lösung“ gehandelt wird. Auf Bürger-Bedenken reagierten die Verantwortlichen mitunter auffällig dünnhäutig. Ganser-Chef Dr. Matthias Ganser („Ich bin eigentlich Mediziner“) beschwor zwar das demokratische Gemeinwesen und bürgernahes Miteinander („Wir sind hier ja nicht in China“), Kraft-Mann Harald Mosler schien gleichwohl gegen Ende der Veranstaltung nach vermehrten Fragen zur Verkehrslage leicht gereizt: „Wir können auch woanders hin!“ Heißt wohl: Wir zahlen auch an einem anderen Standort unsere Gewerbesteuern.

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