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Garchings Bürgermeister Gruchmann 100 Tage im Amt: „Ich leite mit Argumenten, nicht mit Macht“

Garching -

garching - Seit dem 1. Mai ist Dietmar Gruchmann (52) Bürgermeister von Garching. Im seinem zweiten Anlauf nach 2008 schaffte es der SPD-Politiker, die bisherige Bürgermeisterin Hannelore Gabor (CSU) in der Stichwahl mit 56,6 Prozent hinter sich zu lassen. Gruchmann war zuvor Herausgeber des Garchinger Stadtspiegels, Gründer des Umweltinstituts Garching und hat eine erwachsene Tochter.

-Seit 100 Tagen sind Sie im Amt. Wie ist es auf der anderen Seite des Bürgermeisterschreibtischs?

Ich habe so eine Ahnung gehabt, was da auf mich zukommt. Immerhin war ich schon mal Dritter Bürgermeister und habe zwölf Jahre Stadtratserfahrung. Trotzdem ist es eine komplette Lebensumstellung. Früher als selbstständiger Unternehmer habe ich mir meinen Kalender selber gestaltet und mir da auch mal Freiräume eingebaut. Jetzt ist es so, dass mein Kalender gestaltet wird, und selbst wenn dann mal eine halbe Stunde Lücke drin ist, ist die momentan auch noch gefüllt. Insofern staut sich’s hier ein bisschen.

-Was haben Sie in den ersten 100 Tagen schon geschafft?

Gedanke Nummer eins war: Ich leite des Haus hier mit Argumenten und nicht mit Macht. Ich versuche, meine Mitarbeiter zu überzeugen: Warum, wieso, weshalb ich was haben möchte. Ich hab‘ den Eindruck, das funktioniert ganz gut. Dann haben wir ja schon zwei Stadtratsklausuren gemacht. Das soll die Stadträte motivieren, dass sie mit eingebunden sind in Entscheidungsprozesse. Da ist seit der konstituierenden Sitzung bessere Stimmung im Stadtrat. Es ist ein besseres Miteinander. Ich denke, die Kommunikation hat sich da verbessert. Stolz bin ich auf das 1100-Jahr-Feier-Projekt. Das haben wir auf neue Beine gestellt, da ist im Vorfeld so gut wie nix passiert gewesen.

-War es Glück, dass sich zwei große Baustellen - U-Bahntaktverlängerung und neues Geld für die EWG, die „Energiewende Garching“ - schon recht früh erledigt haben?

Ich bin wegen der U-Bahn aktiv aufs Landratsamt zugegangen, die wiederum haben den Freistaat ins Boot geholt. Denn der Tenor im Wahlkampf war: Da gibt’s eine Möglichkeit, nur die Gespräche wurden nicht gesucht. Und dass wir das jetzt so im Hau-Ruck-Verfahren noch hinkriegen, da freue ich mich schon drüber. Für die EWG-Entscheidung sind schon im Vorfeld viele Gespräche gelaufen, das hefte ich mir nicht auf meine Fahnen. Der Vertrag war eigentlich schon vorverhandelt. Ich sitze aber auch in der Jury des neuen Masterplanes für das Forschungsgelände. Dort habe ich darauf gedrängt, regenerative Energie mit in die Ausschreibung aufzunehmen. Jetzt gibt’s die Grundaussage von den Trägern dort draußen, sich an die Geothermie der EWGanschließen zu lassen. Da muss man am Ball sein und anschieben.

-Wie wollen sie sich die Fähigkeit erhalten, über sechs Jahre aktiv auf Leute zuzugehen?

Das werde ich, ganz bestimmt. Dafür bin ich angetreten. Und es macht ja auch wirklich Spaß. Sie hocken in einer Position, wo sie wirklich entscheiden können. Und wenn’s nur ein Straßenschild ist, das irgendwo hingeschraubt werden muss. Die großen Dinge sind natürlich noch viel schöner, wenn man planerisch rangehen kann.

-Viele Versprechen haben Sie ja schon gegeben, aber wie schaut es in der Stadtkasse aus in den kommenden Jahren?

Garching geht’s im Verhältnis zu vielen anderen Gemeinden außerhalb des Speckgürtels gut. Garching war nur immer eine Kommune, die viel für ihre Bürger getan hat. Zum Beispiel die Kinderplatzversorgungsquote. Die ist sehr, sehr gut. Leider können wir’s nicht machen wie Unterföhring, wo der Platz gar nix kostet. So viel Geld haben wir leider nicht auf der hohen Kante. Wir haben ein tolles Bürgerhaus, mit einem tollen Kulturprogramm. Und das, was in Garching für die Vereine gemacht wird, finden sie in keiner anderen Kommune. Da geht schon auch viel Geld weg, aber es ist an der richtigen Stelle investiert. Wir können aber nicht mehr aus dem Vollen schöpfen, deshalb mussten wir eine Prioritätenliste erstellen.

-Eines der nächsten Neubauprojekte soll die Volkshochschule sein.

Unser Ziel wäre: Durch den Verkauf des Grundstücks an der Telschowstraße für das angrenzende Ärztehaus den Bau für das VHS-Gebäude zu finanzieren. Natürlich wär’s mir lieber, wir stellen das alles alleine hin. Das haben wir aber leider nicht im Kreuz. Zumal jetzt auch die Grundschule Ost ansteht. Mit geringen Umbaumaßnahmen kann man die Schule vielleicht fünf Jahre betreiben. Aber aus energetischer Sicht, ist die Schule Steinzeit.

-Wie sieht’s mit Ideen für billiges Wohnen aus? Bieten sich Modelle wie das Mühlfeldtrio an, bei dem die Stadt Grundstücke billiger an einen Investor verkauft, der dann günstigere Mieten anbietet?

Der Stadtrat hat jetzt gerade das zweite Projekt mit der Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim auf den Weg geschickt. Das sind 15 Wohnungen in einem ähnlichen Modell wie das Mühlfeldtrio. Außerdem bietet sich die Kommunikationszone an, das neue Stadtviertel Richtung Forschungsinstitute. Jeder der dortigen zehn Grundbesitzer schmeißt sein Grundstück in einen Topf. Und egal, was für Häuser auf meinem Grundstück entstehen - bei einem Reihenhaus verdiene ich natürlich weniger als bei einem sechsstöckigen Wohnhaus - alle Eigentümer bekommen anteilig an der Fläche ihr Geld. Da können sie davon ausgehen, das dauert noch zwei Jahre, bis da der erste Bagger läuft.

-Auch in Garching sollen jetzt Asylbewerber untergebracht werden.

Von 29 Landkreiskommunen haben sieben keine Asylbewerber. Darunter ist auch Garching. Vom Landratsamt wurde uns eröffnet, dass wir jetzt die Initiative ergreifen sollen, bevor das Landratsamt die Initiative ergreifen muss. Und das hieße im Extremfall Beschlagnahmung der Dreifachturnhalle, Feldbetten reinstellen und kein Sport mehr. Weil es ab 75 Asylbewerbern eine Vollzeitsozialpädagogin gibt, hat der Stadtrat beschlossen, mindestens 75 zu nehmen, die nächste größere runde Zahl ist 100. Jetzt geht’s noch um Grundstücke. Die Leute sollen nicht versteckt werden. Sie sollen schon an die Infrastruktur angeschlossen sein. Wir haben keine leeren Gebäude, wir können also nur schauen, dass wir dem Landratsamt entsprechende Grundstücke empfehlen. Dann muss dort so eine Art Containerdorf entstehen, leider.

-Gibt es schon konkrete Vorbereitungen, wie die Menschen hier betreut werden?

Wir haben die Integrationsbeauftragte hier im Haus, die da schon in der Vorbereitung ist. Und es gab ja vor 25 Jahren schon einen Helferkreis, und es gibt immer noch Menschen von damals, die heute parat stehen.

Das Gespräch führte

Benedict Witzenberger.

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