Für Schlecker „die höchstmögliche Strafe“

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Nach der Pleite der Drogerie-Kette „Schlecker“ hat Margit Herrnegger aus Garching schnell wieder einen Job gefunden. Sie hatte Glück, viele andere nicht. Trotzdem fordert sie eine harte Strafe.

Von Charlotte Borst

Garching – Heute soll der Prozess gegen Anton Schlecker, den ehemaligen Chef der Drogeriemarkt-Kette „Schlecker“, und seine Familie am Landgericht Stuttgart fortgesetzt werden. Sie sollen Geld in Millionenhöhe zur Seite geschafft und es so dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. War es vorsätzlicher Bankrott oder Insolvenzverschleppung? Eine, die den Prozess mit Spannung verfolgt, ist Margit Herrnegger aus Garching.

Sie ist einer von 25 000 Beschäftigten, die ihren Job verloren haben. Vielen schuldet Schlecker noch Geld. Ob die ehemaligen Mitarbeiter am Ende aber etwas von einer Verurteilung haben, steht und fällt mit der Frage, was bei der Familie Schlecker noch zu holen ist.

Margit Herrnegger aus Garching hat 2012 ihren Arbeitsplatz verloren. Auf die Bitte der Redaktion schildert sie in einem Brief, wie es ihr nach der Entlassung ergangen ist und was sie vom Prozess erwartet.

Die gelernte Biologielaborantin arbeitete elf Jahre für Schlecker in Ismaning. Gleich nach der Entlassung fand sie eine neue Arbeitsstelle. „Ich hatte das Glück, in einem stabilen, sozialen Umfeld zu leben und außerdem beinahe nahtlos von einem Arbeitgeber zum anderen wechseln zu können. Somit ist mir der Umgang mit der ganzen Situation leichter gefallen und ich habe mehr oder weniger damit abgeschlossen.“

Margit Herrnegger hegt keinen Groll gegen Anton Schlecker: „Es liegt mir nichts ferner, als ihm jetzt noch das Kreuz abzufluchen, das er sich selbst gebrochen hat.“ Nichtsdestotrotz wünscht sich die 45-Jährige Gerechtigkeit: „Es gibt sicherlich Kolleginnen und Kollegen, welche finanziell und seelisch bis heute auf der Strecke geblieben sind. Diese Menschen haben sich von Herrn Schlecker, und leider auch vom deutschen Staat, alleine gelassen gefühlt. Leider sieht das Gesetz wohl für solcherlei Unterlassungssünden keine Strafe vor.“ Für alle ehemaligen Mitarbeiter der Firma Schlecker, „die sowohl finanzielle und auch seelische Schäden durch den Umgang oder vielmehr Nicht-Umgang durch die Familie Schlecker erlitten haben, und ein bisschen auch für mich, wünsche ich mir für alle Beteiligten der Schlecker-Familie, je nach Vergehen, die höchste mögliche Strafe, die das Gesetz dafür vorsieht. Denn ein solches Verhalten seinen Untergebenen gegenüber gehört bestraft.“

Den Begriff „Schlecker-Frau“ lehnt Margit Herrnegger aus Garching ab. „Das ist ein Name, der in meinen Augen die Leistung und den Einsatz herabwürdigt, die wir in jahrelanger Zugehörigkeit diesem Unternehmen entgegengebracht haben.“

Für die ehemaligen Mitarbeiter der Drogerie-Kette wünscht sie sich: „Dass jeder einzelne von ihnen das Gefühl erhält, gebraucht zu werden. Auf dem Arbeitsmarkt und im sozialen Umfeld. Damit wir endlich alle abschließen können.“  

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