In Garching ist ganz Europa daheim

Garching - Vor allem durch den Forschungscampus ist Garching so multikulturell - und so europäisch - wie kaum ein anderer Ort im Umkreis. Das hat der Integrationsbeirat beim Europafest im Rahmen der Europawahl gefeiert.

Darian lehnt mit dem Rücken an den Knien seiner Mutter, in der Hand ein buntes Windrad, auf dem ein Parteienlogo seine Runden dreht. Doch der Sechsjährige hat weder Augen für das Wahlwerbegeschenk noch für die Mama - vielmehr hängt er an den Lippen von Jolanda Huls. Sie sitzt vor einer Gruppe Kinder am Garchinger Rathausplatz und erzählt das Märchen vom Frosch, der in eine Ente verliebt ist.

Das Besondere daran ist: Huls liest die Geschichte zunächst in ihrer Muttersprache vor - auf Niederländisch. Erst danach folgt die deutsche Übersetzung. Doch Darian, der neben Deutsch auch Polnisch spricht, lauscht beiden Versionen fast schon ehrfürchtig. „Er liebt es, vorgelesen zu bekommen“, sagt seine Mutter Joanna Dratwa aus Hochbrück. „Deshalb sind wir heute hierher zum Europafest gekommen, nachdem im Kindergarten auf die Veranstaltung hingewiesen wurde.“

Das wird Sara Hoffmann-Cumani gerne hören. Sie hat dieses erste Europafest am Rathausplatz gemeinsam mit dem Integrationsbereit organisiert. „Wir wollen zeigen, wie international und wie europäisch Garching ist“, sagt sie. Vor allem Kindern sei oft nicht bewusst, dass sie selbst eine europäische Vorgeschichte hätten. „Die sind manchmal ganz erstaunt, wenn sie hören, woher ihre Großeltern oder Urgroßeltern stammen.“

Um dies zu veranschaulichen, haben die Veranstalter eine große Europakarte aufgehängt. Hier können die Besucher mittels bunter Aufkleber zeigen, woher sie selbst und woher ihre Vorfahren kommen. Stark vertreten sind die Türkei, aber auch Tschechien, Polen und Rumänien. „Nach dem Krieg sind viele Vertriebenenfamilien aus Siebenbürgen und Schlesien nach Garching gekommen“, weiß Ingrid Stanglmeier, Integrationsbeauftragte der Stadt.

Neben der Europakarte steht ein Maltisch: Hier können die Kinder Flaggenvorlagen ausmalen oder ihre eigene Europafahne kreieren.

Mit Abstand am beliebtesten ist jedoch die Märchenrunde, wo Garchinger Muttersprachler Geschichten aus ihrem Heimatland vorlesen - nicht nur aus den Niederlanden, sondern auch aus Frankreich, Spanien oder Rumänien.

„Die Resonanz war sehr gut“, freut sich Hoffmann-Cumani. „Viele Besucher haben gelobt, dass wir das Multikulturelle und das Europäische in Garching endlich mal öffentlich gemacht haben.“

(Patrik Stäbler)

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