Füllt den ganzen dritten Stock: Professor Arndt Bode zeigt den Super-Muc. Foto: joe

Hochleistungsrechner "Super-Muc" soll Energie sparen

Garching - Er ist Lehrstuhlinhaber an der Technischen Universität München (TUM), begeisterter Familienvater, er radelt gern durch die bayerische Heimat - und er hat sein größtes Hobby zum Beruf gemacht. Professor Arndt Bode (66), Direktoriumsvorsitzender und Leiter des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching.

„Es macht jeden Morgen Spaß, in die Arbeit zu gehen“, erklärt er strahlend.

Schlagerlegende Udo Jürgens hat es einst besungen. „66 Jahre, da fängt das Leben an, mit 66 ist lang noch nicht Schluss“. Schluss, am allerwenigsten im Job, ist auch lange noch nicht für Arndt Bode. Ganz im Gegenteil, er hat große Pläne: Das LRZ soll zum energieeffizientesten wissenschaftlichen Rechenzentrum der Welt werden. Ein enormes Ziel, welches Bode selbst jedoch ganz nüchtern betrachtet. „Die Stromkosten für einen Hochleistungsrechner wie unseren Super-MUC sind inzwischen mindestens so hoch wie die Investitionskosten. Insofern ist die Idee der Energieeffizienz sowohl eine Kostenfrage, als auch eine Umweltfrage. Nicht zuletzt ist es natürlich auch ein Forschungsthema“. Gerade als Familienvater sieht er hier Handlungsbedarf. „Auch die nachfolgenden Generationen sollen noch in einer intakten Umwelt leben“.

Oben im 3. OG des Gebäudes auf dem Forschungsgelände in Garching befindet er sich: Der Super-Muc, der weltweit größte Rechner, der ausschließlich aus Standardkomponenten aufgebaut ist. Was für den Laien nur als eine Aneinanderreihung schwarzer blinkender Kästen erscheint, wurde vom amerikanischen Computerhersteller IBM eigens für das Leibniz-Rechenzentrum maßgeschneidert. Mit einer Spitzenleistung von drei Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde bietet der Super- UC beiden Münchner Universitäten LMU und TUM und nicht zuletzt europaweit mehr als 100 Wissenschaftsteams enorme Rechenkapazitäten für ihre Forschungen. Von der Astrophysik über den Flugzeugbau bis hin zur Medizin gibt es kaum einen Forschungsbereich, der nicht von der hohen wie schnellen Leistung des Rechners profitiert. Simulationen des Erdinneren oder des Blutflusses in den menschlichen Gefäßen, Forschungen zu dunkler Materie im Weltall oder zur Flugsicherheit, all das gehört für den Super-MUC zum täglichen Geschäft.

Dass so ein Gigant jede Menge Energie benötigt, wundert da kaum. Das will Arndt Bode aber so nicht hinnehmen. Vielmehr sieht er durchaus Stellschrauben, trotz der enormen Leistung den Energiebedarf zu drosseln. Warmwasserkühlung statt Luftkühlung, entsprechend ausgefeilte Hardware, die eine vollautomatische Optimierung bietet, Strategien, mit denen bei einer Stromersparnis von 50 Prozent nur fünf Prozent Rechenleistung eingebüßt werden und nicht zuletzt die Qualität der Programme sind hier die Schlagworte zum Erfolg. Zwar ist das LRZ bereits 2012, dem Jahr der Inbetriebnahme des Super-Muc, mit dem deutschen Rechenzentrumspreis für seine Energieeffiziens ausgezeichnet worden, aber Bode will mehr. Das energieeffizienteste wissenschaftliche Rechenzentrum der Welt soll das LRZ werden. Und er ist auf dem besten Weg dahin. Da kann der Ruhestand ruhig noch warten. „Mir macht mein Job so viel Spaß, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, eines Tages vollständig aufzuhören“. Aber das wird vermutlich kaum passieren. Denn da gibt es noch ein Herzensanliegen für ihn: „Ich wünsche mir mehr Nachwuchs, vor allem weiblichen, in den technischen Berufen.“ joe

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das verrät das Tagebuch der Angeklagten
Angst, Panik, Angst. Diese Gefühle stehen angeblich immer wieder im Mittelpunkt bei Gabriele P. (32), die Ende 2008 ihren damaligen Freund Sebastian H. (27) getötet und …
Das verrät das Tagebuch der Angeklagten
Seniorenhilfe als Genossenschaftsmodell
„Hand in Hand“ nennt sich die Mehrgenerationengenossenschaft, die die freien Wohlfahrtsverbände im Landkreis München vor eineinhalb Jahren gegründet haben. Nun will man …
Seniorenhilfe als Genossenschaftsmodell
Taufkirchner rettet Frauen vor Grapscher
Zivilcourage ist wichtig. Das zeigte jetzt auch wieder ein Taufkirchner, der Frauen vor einem Grapscher rettete. Er selbst wurde dabei auch in Mitleidenschaft gezogen.
Taufkirchner rettet Frauen vor Grapscher
Die Alltagshelden des FC Deisenhofen III
Die dritte Mannschaft des FC Deisenhofen spielt nicht nur mit viel Herzblut Fußball, sondern unterstützt auch die DKMS (Deutsche Knochenmarkspende).
Die Alltagshelden des FC Deisenhofen III

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare