Bei der Einschulung 1944: Die Kinder mit Lehrerin „Fräulein Schätz“.

Klassentreffen Jahrgang 1938: Dorfkinder wachsen zu Universitätsstädtern heran

Garching - Eine Bitte schickt Alfons Kraft voraus: „Heute wollen wir einmal nicht über Krankheiten sprechen", sagt er in Richtung seiner ehemaligen Mitschüler. 16 von ihnen sind im Gasthof Neuwirt erschienen zum Klassentreffen der 1944 in Garching eingeschulten Kinder.

„Die meisten leben noch im Ort“, erzählt Kraft, der lange Technischer Leiter im Bauamt war und aktuell stellvertretender Bürgermeister ist. Einige seien jedoch auch von außerhalb gekommen.

Bereits zum vierten Mal ist der Jahrgang 1938 zum Klassentreffen zusammengekommen. Auch ohne das Lamentieren über die Wehwechen im Alltag haben sich erneut „wunderbare Gespräche“ entwickelt, sagt Kraft. „Viele haben über ihre Kinder und Enkel gesprochen, doch in erster Linie ging’s natürlich um Geschichten von früher.“

Schließlich gehören die Anwesenden einer Generation an, die miterlebt hat, wie sich Garching binnen eines Menschenlebens komplett gewandelt hat. Bei ihrer Einschulung im Jahr 1944 war der Ort noch ein Bauerndorf mit kaum 1000 Einwohnern. Nach dem Krieg folgte dann ein gewaltiger Bevölkerungszustrom durch die Flüchtlinge, ehe das Wirtschaftswunder auch Garching erfasste - inklusive der Gewerbeansiedlung in Hochbrück und der Entwicklung des Forschungsgeländes sowie später der Stadterhebung und dem U-Bahnbau.

Heute ist Garching eine Universitätsstadt mit über 16 000 Einwohnern. „Vor allem die auswärtigen Mitschüler, die selten nach Garching kommen, sind immer erstaunt, wie viel sich verändert hat“, erzählt Kraft.

Eine Frau, die den Wandel Garchings ebenfalls hautnah miterlebt hat, ist die damalige Lehrerin des Jahrgangs 1938. „Fräulein Schätz, die nach ihre Hochzeit Frau Moser hieß“, sagt Kraft. „Sie war eine ganz Liebe. Jeder von uns hat sie in bester Erinnerung.“ Bei den ersten beiden Klassentreffen sei die einstige Lehrerin noch gekommen, bei der dritten Auflage vor zwei Jahren habe sie sich „mit einem ganz netten Brief“ entschuldigt, sagt Kraft. Erst kürzlich sei sie verstorben.

Ihre ehemaligen Schüler haben schon das nächste Klassentreffen ins Auge gefasst: 2018 soll das stattfinden, sagt Kraft, „wenn die meisten von uns ihren 80. Geburtstag feiern“. Außerdem wolle man die 1100-Jahr-Feier Garchings im kommenden Jahr zum Anlass nehmen, um sich außer der Reihe zu treffen. Denn auch ohne Krankheitsgeschichten steht für Kraft fest: „Der Gesprächsstoff geht uns so schnell nicht aus.“ Patrik Stäbler

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