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Der junge Neufahrner befindet sich auf der Anklagebank. 

Seine Mutter belastet ihn schwer

20-Jähriger rettet Bub aus gefährlicher Lage - und landet auf der Anklagebank

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Ein Neufahrner hat einen Bub aus dem Auto gezogen, das drohte, in Flammen aufzugehen. Nun saß er auf der Anklagebank.

Garching– Plötzlich kommt der Audi von der Dietersheimer Straße (Kreis Freising) ab, kracht gegen einen Baum und schleudert zurück. Im Auto sitzen eine Frau aus Garching (32) und ihr kleiner Sohn, beide sind schwer verletzt und können sich kaum rühren. Ein 20-Jähriger aus Neufahrn, der hinter dem Audi unterwegs war, springt aus seinem Opel und rettet den Buben aus dem Audi, der jederzeit hätte in Flammen aufgehen können. Dann ruft er Hilfe.

Bub ist traumatisiert

Und nun sitzt der Retter auf der Anklagebank im Amtsgericht Freising. Ihm wird vorgeworfen, die Frau durch haarsträubende Überholmanöver bei rasendem Tempo von der Straße gedrängt – und somit den Unfall verursacht zu haben. Die als Zeugin geladene 32-Jährige schleppt sich auf Krücken zu ihrem Platz in der Mitte des Sitzungssaals. Ihr Sohn, sagt sie, sei seit dem Unfall traumatisiert.

Die Situation verbessert sich nicht für den Angeklagten, als die Garchingerin zu erzählen beginnt: Nach zahlreichen Operationen an der gebrochenen Hüfte muss sie weitere Male unters Messer. Dem Sohn brachen beim Unfall zwei Rippen. „Ich hätte sterben können“, sagt sie unter Tränen. „Ich bin eine Mutter von drei Kindern.“ Für die Fahrt zum Prozess nach Freising habe sie Beruhigungspillen schlucken müssen.

Mit Blinker bedrängt

Die Frau wirft dem 20-Jährigen vor, sie mit ständig gesetztem Blinker vor sich hergetrieben zu haben. Zwei Mal habe er versucht, zu überholen, sei durch Gegenverkehr ausgebremst worden. Tempo 60 ist auf der Dietersheimer Straße gestattet. Schließlich habe sie Platz machen müssen, sei möglichst weit nach rechts ausgewichen und dabei ins Bankett geraten. An alles weitere kann sie sich nicht mehr erinnern. Ihre Angaben allerdings decken sich nicht mit der Aussage des Angeklagten und mit den Erkenntnissen des Gutachters. Die Garchingerin versicherte, niemals schneller als 60 km/h gefahren zu sein, muss aber zwischen 100 und 113 km/h gefahren sein, als sie von der Straße abkam. Das ergeben Spuren am Unfallort.

Kein Gespür für Tempo und Abstand

Es stellt sich im Gericht die Frage, ob der 20-Jährige sie im Bemühen zu überholen, tatsächlich vor sich her trieb. Zehn Sekunden braucht es, um den Audi von 60 auf 100 zu beschleunigen. Es kommen Zweifel auf, dass sie diese Beschleunigung nicht bemerkt habe. Und auch ihre Angaben zum Abstand beider Autos lassen Zweifel übrig: Die Garchingerin spricht von Zentimetern – bei voller Fahrt. Was sie denn glaube, wie weit sie vom Richtertisch entfernt sei, fragt Jugendrichter Boris Schätz. „50, 55 Zentimeter“, antwortet die Zeugin. Gut zwei Meter sind es. Offenkundig hat sie Probleme, Zeit und Geschwindigkeit einzuschätzen. Mehr als zehn Minuten soll der 20-Jährige sie gejagt haben.

Klarer Freispruch

Und letztlich beantragt auch die Staatsanwältin Freispruch für den Angeklagten. Sie kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass die Frau offenbar beschleunigte, um die Überholversuche des 20-Jährigen zu behindern. Den Kompromissvorschlag vom Anwalt der Garchingerin, das Verfahren gegen Zahlung eines „kleinen Schmerzensgelds“ einzustellen, wies die Verteidigung zurück. Der 20-Jährige wurde freigesprochen.

Der Fall erinnert an eine Geschichte aus dem Jahr 2017 aus Peißenberg. Damals bekam ein Lebensretter eine Rechnung vom BRK. Wie es dazu kam, lesen Sie hier auf merkur.de.

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