Chorgesang zu Ehren der Orgel: Kirchenmusiker Gregor Gardemann leitet den Chor von St. Katharina. Im Hintergrund die restaurierte Orgel. Foto: Förtsch

Nach dem Holzwurm kommt der Wohlklang

Garching - Wer in die Jahre kommt, braucht schon mal eine Auffrischungskur: Die 1893 gebaute Franz-Borgias-Maerz-Orgel in der Garchinger Kirche St. Katharina bekam eine solche Kur: Das Gehäuse wurde vor Ort restauriert, andere Teile mussten in die Werkstatt der Orgelbaufirma Linder in Nussdorf am Inn gebracht werden.

Nun präsentierte sich die Orgel beim Festgottesdienst, erhielt von Pfarrer Michael Ljubisic ihren Segen und bedankte sich mit voluminösem Klang, der mit den ebenso voluminösen Stimmen des St. Severin Chors wetteiferte.

Die Orgel „war in einem schlechten Zustand“, sagte Orgelbauer Michael Gartner. „Vor allem der Holzwurmbefall war stark.“ Hinzu kamen Schäden, wie eine kaputte Belederung. Zwar war die Orgel über die Jahre immer wieder einmal restauriert worden, doch jetzt war’s eine große Instandsetzung. „Es mussten Holzteile erneuert werden, der Holzwurm wurde begast und abgetötet und die vom Holzwurm befallenen Stellen mussten abgedichtet werden“, sagte Gartner.

Pro Jahr bauen sechs Mitarbeiter der Orgelbaufirma Linder eine Orgel und richten zwei Orgeln her. „Mehr darf’s auch nicht sein“, sagte Michael Gartner. Allein die Restaurierung der Orgel von St. Katharina hat etwa ein halbes Jahr gedauert. So lange blieb die Orgel stumm, die einst der Komponist und Hofkapellmeister Josef Gabriel Rheinberger mitgestaltet hatte. In dieser Zeit half die Firma den Garchingern mit einer kleinen Leihorgel aus.

Natürlich wurde die für 56 000 Euro restaurierte Orgel vor ihrem Wiederauftritt auf jeden Pfeifenton - und das sind immerhin 624 - getestet, doch die Premiere nach der hauptsächlich von der Pfarrei finanzierten Runderneuerung war auch für Michael Gartner ein besonderer Moment: „Vor allem diesem Klang nachzuspüren, ist ein Erlebnis“, schwärmte er. Beim Restaurieren war darauf geachtet worden, dass keine Pfeife verloren geht und möglichst viel Originalsubstanz erhalten bleibt: „Nur so kann man davon ausgehen, dass es das nahezu authentische Klangbild aus der Romantik ist“, sagte Gartner. Glanzvoll war das Orgelspiel beim Festgottesdienst, denn Kirchenmusiker Gregor Gardemann hatte mit der Messe brève no. 7 C-Dur von Charles Gounod genau das richtige Werk ausgesucht. Gounod hatte die Messe 1893 - also im Jahr des Orgelbaus - geschrieben. Messe und Orgel stammen aus der Romantik und bieten lange Melodiebögen, weiche Klänge und viel Volumen. Eine Harmonie, zu der die ausdrucksstarken Stimmen des St. Severin Chors passten. Ein Genuss - auch wenn aus der Uraufführung von Chorleiter und Kirchenmusiker Gregor Gardemanns Katharinenmesse nichts wurde. „Die liegt fertig komponiert in der Schublade“, sagte er. „Aber wir konnten sie aus mehreren Gründen nicht aufführen.“ Statt der zwei Probenwochen für die Gounod-Messe „hätten wir für die Katharinenmesse fünf Wochen mehr gebraucht“. Zudem war der Chor nicht komplett: Von 35 Sängern konnten nur rund 20 mitwirken. Zu guter Letzt haperte es auch am Komponistenhonorar.

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