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Kinderbetreuung am Nachmittag: In Garching wird‘s eng.

Grundschule-West in Garching

30 Kinder ohne Hortplatz

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92 Kinder, 62 Plätze: Schlimmstenfalls gibt‘s für 30 Kinder keinen Hort-Platz an der Grundschule-West in Garching. Das hat mehrere Gründe.

Garching – Rund 30 Eltern angehender Erstklässler in der Grundschule-West drohen im September ohne Hortplatz oder sonstige Nachmittagsbetreuung dazustehen. „Wir haben dieses Jahr im Sprengel-West einen sehr starken Jahrgang“, sagte Cornelia Otto, Fachbereichsleiterin für Soziales, im Hauptausschuss des Stadtrats.

Dort rechne man anhand der Schuleinschreibungen mit 92 Kindern. „Wir gehen davon aus, dass alle Eltern eine Nachmittagsbetreuung brauchen, und die können wir Stand jetzt nicht decken.“

„Katastrophale Situation“

Sie könne verstehen, ergänzte Otto, „dass das die Eltern stark verunsichert, weil sie es bislang anders gekannt haben. Aber im kommenden Schuljahr müssen wir davon ausgehen, dass wir uns das nicht leisten können. Das ist räumlich und personell nicht möglich.“ Zu Tage gebracht hatte diesen Mangel eine Anfrage der CSU, die sich angesichts der Zahlen überrascht zeigte. „Wir haben in den letzten Monaten sehr häufig über diese Thematik gesprochen“, sagte Salvatore Disanto, „und dann stellt man plötzlich fest, dass so eine katastrophale Situation entstanden ist – und dass man keine Lösung anbieten kann.“

Freistaat gefragt

Derweil hielt Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) entgegen, dass „eigentlich mehr offene und gebundene Ganztagsangebote geschaffen werden müssten, und da ist jemand anderes gefordert als die Stadt“ – nämlich der Freistaat. Zudem gebe es keinen Rechtsanspruch auf eine Nachmittagsbetreuung, betonte der Rathauschef, der dennoch zusicherte: „Wir werden versuchen, die Probleme in den Griff zu bekommen. Bis zum 1. September haben wir ja noch etwas Zeit.“

Im Osten sieht‘s besser aus

Auf Nachfrage von Michaela Theis (UG) erläuterte Cornelia Otto, dass die Situation im Ost-Sprengel „nicht ganz so dramatisch“ sei. Hier würden mehr Viertklässler die drei Horte verlassen, weshalb sie davon ausgehe, „dass wir da deckend arbeiten können“. Entgegen einer „irrigen Meinung“, so Otto, sei der Ost-Sprengel bei der Nachmittagsbetreuung aber nicht grundsätzlich besser versorgt als der West-Sprengel. Man dürfe schließlich nicht vergessen, dass es an der West-Schule pro Jahrgang eine gebundene Ganztagsklasse gebe. „Aktuell sind im Sprengel-West sogar mehr Kinder in der Nachmittagsbetreuung als im Sprengel-Ost“, sagte Otto.

Ferien nicht so gefragt

In Sachen Ferienbetreuung – auch hierzu hatte sich die CSU erkundigt – biete die Nachbarschaftshilfe an 18 Ferientagen eine Betreuung für Kinder beider Schulen an, sagte Otto. „Das wird aber nicht so stark nachgefragt wie anfangs gedacht.“ Überdies würden Schüler bei Bedarf auch im städtischen Hort und im gebundenen Ganztag betreut, so Otto. „Das ist eine Zusatzleistung.“

Allen voran die CSU-Räte trieb aber der drohende Hortplatzmangel im September um. „Hinter den 30 Kindern stecken dreißig Einzelschicksale – das sind Mütter, die verzweifelt sind“, sagte Salvatore Disanto. Er regte an, sich auch über die Situation im Ost-Sprengel Gedanken zu machen: „Da ist der Bedarf momentan zwar gedeckt. Aber nachdem man weiß, wie sich die Zukunft gestalten wird, wird sich die Situation dort in ein zwei Jahren auch weniger angenehm darstellen, als sie jetzt ist.“

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