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Kümmerer: Eine Gruppe des Kinderparks der Nachbarschaftshilfe im Jahr 1979. 

Jubiläum

50 Jahre Nachbarschaftshilfe: Garchings gute Seele

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Rund 80 Mitarbeiter, 800 Mitglieder und 800.000 Euro Jahresumsatz: Die Nachbarschaftshilfe Garching ist eine Erfolgsgeschichte.

Garching – Wenn Angelika Faschinger ihre Jahresbilanz durchschaut, dann gleicht die eher einem mittelständischen Unternehmen: die 62-Jährige trägt Verantwortung für rund 80 festangestellte Mitarbeiter, hat eine Personalabteilung und macht rund 800 000 Euro Umsatz im Jahr. Früher war Faschinger Bankkauffrau, dann wollte sie sich sozial engagieren, mittlerweile leitet sie die Nachbarschaftshilfe in Garching – die heuer 50-jähriges Jubiläum feiert. Dazu soll die 800-Mitglieder-Marke geknackt werden.

Als sich die Bürgerinitiative „Nachbarn helfen Nachbarn“ 1969 gründete, war Garching schon ein attraktiver Wohnort für junge Familien: „Da sind viele italienische und türkische Gastarbeiter zu uns gekommen“, erzählt Faschinger, aber: „Da gab’s nichts an Kinderbetreuung.“ Also packten vor allem Frauen aus den Garchinger Kirchengemeinden an und gründeten den „Kinder-Club“, den es noch heute gibt. Es war der Grundstein der Nachbarschaftshilfe. Damals war der Club ein freiwilliges Kinderbetreuungsangebot. Mütter durften ihre Kinder bringen, wenn sie einen Arzttermin hatten oder etwas erledigen mussten. In den 70er-Jahren wurden daraus feste Kindergartengruppen.

Möbelpacker: 1976 richtete die Nachbarschaftshilfe das Möbellager ein. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1979.

Seinerzeit war es noch Gang und Gäbe, dass Frauen zuhause blieben und keinen Job hatten. Deshalb richtete die Nachbarschaftshilfe 1974 eine Babysittervermittlung ein: „Damit die Mütter zumindest am Abend frei und Zeit für den Partner hatten“, erzählt Faschinger. Hinzu kamen das Ferienprogramm und 1995 das Tagesmütterprojekt: „Damit waren die Mütter dann in der Lage fünf Tage in der Woche zu arbeiten“, erklärt sie: „Man braucht heutzutage ein zweites Gehalt in Garching, es ist teurer geworden hier.“

Eine weitere Entwicklung in den vergangenen Jahren, die Faschinger beobachtet hat: „Mütter geben ihre Kinder immer früher ab.“ Vor rund 15 Jahren eröffnete die Kinderkrippe der Nachbarschaftshilfe: „Da kommen schon Mütter mit Kindern ab drei Monaten.“

Das Klientel sei sehr gemischt: „Nachdem Garching eine Uni hat, war hier schon immer Multi-Kulti, wir haben auch viele Kinder von Asylbewerbern.“ Natürlich gebe es mal Verständnisprobleme, wenn Eltern nicht so gut Deutsch sprechen, aber Faschinger sieht das pragmatisch: „Dann muss man eben intensiver zuhören und zweimal erklären.“

Die Chefin der Nachbarschaftshilfe sorgt sich eher um die Älteren in ihrer Stadt: „Es gibt immer mehr Senioren, die alleinstehend sind.“ Einige schaffen es nicht mehr in ihrem Heim zu putzen, zum Arzt oder Einkaufen zu gehen. Für diese Fälle springen die Ehrenamtlichen und Festangestellten der Nachbarschaftshilfe ein, übernehmen Fahrdienste, putzen Bäder – und: „Sie leisten den Menschen einfach nur Gesellschaft, die alleine sind.“

Insgesamt habe Faschinger rund 120 Helfer, sie helfen nicht nur bei der Seniorenbetreuung, sondern auch beim Kleiderbasar, bei der Mittagsbetreuung für Grundschüler, im Möbellager oder im Hospizkreis: „Jeder darf selbst entscheiden, wo und wie viel er helfen möchte.“ Freiwillig ist natürlich auch eine Mitgliedschaft, aber das Ziel bleibt: „Wir würden uns freuen, unser 800. Mitglied beim Jubiläumsfest ehren zu dürfen“, Die Feier steigt am 15. November. 

Mitgliederversammlung

Am heutigen Mittwoch hält die Garchinger Nachbarschaftshilfe ihre Mitgliederversammlung ab – ab 17.30 Uhr im Betreuten Wohnen „Königsgarten“, Mühlfeldweg 2, – mit anschließendem kleinen feierlichen Beisammensein anlässlich des 50-jährigen Jubiläums.

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