Stichworte wir Schrottplatz, Gleisanlagen und Biomasseheizkraftwerk werden uns sicherlich nicht ruhen lassen. Dr. Eckhard Kirchner, Vorsitzender Aktionsbündnis Lohhof-Süd
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Stichworte wir Schrottplatz, Gleisanlagen und Biomasseheizkraftwerk werden uns sicherlich nicht ruhen lassen. Dr. Eckhard Kirchner, Vorsitzender Aktionsbündnis Lohhof-Süd

Anwohner beklagen seit Jahren Lärm und Gestank

Lohhofern stinkt’s noch immer: Immissionsgutachten von Recyclingunternehmen überzeugt nicht

  • Sabina Brosch
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Die Auflagen der Behörden sind alle abgearbeitet und mit dem vom Recyclingunternehmen „Die Umweltmeister“ präsentierten Immissionsgutachten ist auch der Garchinger Stadtrat zufrieden. Doch das Aktionsbündnis Lohhof-Süd bleibt skeptisch.

Garching - Die Recyclinganlage, in der Bauschutt, Holz, Müll und Schrott aufbereitet werden, steht seit Jahren in der Kritik. Das Aktionsbündnis Lohhof-Süd klagt über Lärm und Gestank, brachte Gutachten ins Spiel, dass die Anlage nicht auf dem technisch neuesten Stand betrieben würde. Es bemängelte zudem, dass Emissionsgutachten fehlten. Auch der Garchinger Stadtrat forderte aufgrund des Großbrandbrandes Ende 2019, ein entsprechendes Gutachten über den Zustand der Anlage. Dieses wurde nun von dem Recyclingunternehmen vorgelegt.

Umfangreiche Messungen

Demzufolge wurde eine umfangreiche Messkampagne mit Kosten von rund 250 000 Euro zwischen Mai 2019 und März 2021 durchgeführt, die Feinstaubkonzentration sowie die Zusammensetzung und Menge des Staubniederschlags ermittelt. „Sämtliche Beurteilungs- und auch Grenzwerte werden deutlich unterschritten“, bestätigt die Projektleiterin Rebecca Thiel des beauftragten Prüfinstituts Müller BBM. Ergänzt wurden die Messungen durch Rastergeruchsbegehungen, die im Rahmen von 52 Begehungen Tag und Nacht zwischen Mai 2019 bis März 2019 stattfanden. Auch hier alles im positiven Bereich, im Stadtteil Lohhof seien keine anlagentypischen Geruchsbelästigungen von Altholz, Grüngut oder Gewerbeabfall festgestellt worden.

Wichtige Grundlage für künftige Genehmigungsverfahren

Für Umweltmeister-Geschäftsführer Joachim Schön ist dies eine wichtige Grundlage für künftige Gutachten und Genehmigungsverfahren, „die für eine zukunftsweisende Entwicklung unseres Recyclingstandorts unumgänglich ist.“ Dieses Zukunftskonzept mündet in einem mehr als 20 Hektar großen modernen Recyclingunternehmen, welches auch Bauschutt- und Altholzrecycling sowie Gewerbeabfall, den Ausbau als Bürostandort sowie von Mitarbeiterunterkünften einbezieht. Zudem soll mit dieser Erweiterung ein bereits genehmigter Bahnanschluss einhergehen. Ein mögliches Biomassekraftwerk werde gerade geprüft. Auch Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) ist mit dem Gutachten zufrieden: „Es ist umfänglich und aussagekräftig und wurde vom Stadtrat akzeptiert.“

Aktionsbündnis stellt Gutachten in Frage

Das Aktionsbündnis jedoch hat erhebliche Einwände und präsentiert auch eigene Geruchsprotokolle, konträr zu den Aussagen des BBM Büros: 18 mit Uhrzeit versehene Erhebungen im November und Dezember 2019 beziehen sich auf „großflächigen Gestank durch chemiebelastetes Altholz“, „beißenden Holzchemiegeruch“ sowie „starken Silagegeruch in Lohof-Süd“. „Von all diesen Geruchs- und Gestankereignissen, die eindeutig von der Recyclinganlage ausgingen, haben die nichts mitbekommen?“, fragt Bündnis-Vorstand Dr. Eckhard Kirchner. „Das stellt aus unserer Sicht das Gutachten doch mehr als in Frage.“ Seit dem Brand habe es kein einziges Mal mehr gestunken. „Das bedeutet doch, dass ausgerechnet der Hallenteil, der uns zwei Jahrzehnte extrem in unserem Wohlbefinden einschränkte, im Dezember abbrannte. Stichworte wir Schrottplatz, Gleisanlagen und Biomasseheizkraftwerk werden uns sicherlich nicht ruhen lassen.“

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