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Große Bühne für Bernhard Kopp: Mit einem selbst verfassten Song verabschiedeten die Mitarbeiterinnen der Volkshochschule und Direktor Lothar Stetz (r.) ihren Kollegen.

Volkshochschule

Auslöser des Garchinger „Porno-Skandals“ in Ehren verabschiedet

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Garching - Er hat 1982 die Spider Murphy Gang nach Garching geholt – kurz nachdem er das Bürgerhaus mit „Porno-Bildern“ in die Schlagzeilen gebracht hatte. Jetzt ist Bernhard Kopp nach 37 Jahren bei der „Volkhochschule im Norden des Landkreises“ in den Ruhestand gegangen.

Als Bernhard Kopp Anfang der Achtzigerjahre ins Büro seines Chefs zitiert wird, ahnt er nichts Übles. Der Mitarbeiter der Volkshochschule im Norden des Landkreises ist eben erst aus dem Paris-Urlaub heimgekehrt; vor der Abreise hat er eine Ausstellung im Garchinger Bürgerhaus organisiert. Kaum hat Kopp das Büro von Herbert Becke betreten, knallt der damalige VHS-Leiter eine Zeitung auf den Tisch – „mit hochrotem Kopf“, erinnert sich Kopp. Es ist ein Boulevardblatt, das in fetten Lettern titelt: „Bürgermeister lässt Porno-Bilder abhängen.“

Ausstellung mit Akt-Gemälden sorgt für Schlagzeilen

Als Kopp den zugehörigen Artikel erblickt, trifft ihn vor Schreck der Schlag: Er handelt von seiner Ausstellung in Garching, die während seiner Zeit in Frankreich eröffnet wurde. „Da habe ich gedacht: Bernhard, das war’s jetzt“, erzählt Kopp, der wenige Jahre zuvor bei der VHS-Nord angefangen hat – als deren erster pädagogischer Mitarbeiter. Grund für die Schlagzeilen sind einige Aktgemälde in der Ausstellung, die damals – man schreibt die prüden Achtzigerjahre – für hitzige Debatten sorgen. In der Folge lässt die Gemeinde die Bilder abhängen, was zu einem medialen „Shitstorm“ führt, wie man das heute nennen würde. „Der Künstler hat als Layouter bei einer Zeitschrift gearbeitet und war entsprechend gut vernetzt“, erzählt Bernhard Kopp. „Die Zeitungen haben das aufgegriffen und groß berichtet.“

Bürgermeister Helmut Karl ist gnädig

Nun fürchtet er den Rauswurf – was insofern gut passen würde, als er sich im Januar 1979 an seinem ersten Arbeitstag gedacht hat: „Das hier machst du drei, vier Jahre und dann schaust du dich wieder um.“ Doch weder wird etwas aus diesem Plan noch muss Kopp infolge des Akt-Skandals seinen Hut nehmen. Vielmehr habe er sich damals umgehend bei Bürgermeister Helmut Karl entschuldigt, der dies „sehr freundlich“ angenommen habe.

37 Jahre lang der VHS treu geblieben

Und auch fortan bleibt Bernhard Kopp der VHS treu. 37 Jahre lang. Bis zum Juni 2016, als er mit einer großen Feier in den Ruhestand verabschiedet wird. „Es war eine schöne Zeit, meine Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht“, betont Kopp, der erst eine Banklehre und dann ein Studium der Sozialpädagogik absolviert, ehe er bei der Volkshochschule Nord anheuert. Die 1971 gegründete Einrichtung steckt damals in den Kinderschuhen: Es gibt keine eigenen Veranstaltungsräume; das VHS-Büro befindet sich in einem Klassenzimmer in der Severin-Schule Garching. Doch schon im Frühjahr 1979 folgt der Umzug ins Bürgerhaus; zehn Jahre später findet die Einrichtung im früheren Rathaus in der Bürgermeister-Wagner-Straße ein Zuhause. 

1000 Besucher feiern 1982 mit der "Spider Murphy Gang"

Parallel dazu professionalisiert sich die VHS zunehmend und weitet ihr Angebot stetig aus. „Am Anfang haben wir viel improvisiert und gewurstelt“, erinnert sich Bernhard Kopp. Und dennoch habe man tolle Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Etwa im Jahr 1982, als Kopp die Spider Murphy Gang nach Garching holt, kurz nachdem die Band mit „Skandal im Sperrbezirk“ einen Riesenhit gelandet hat. Es ist die erste Veranstaltung dieser Größe im Bürgerhaus, „und wir wussten noch nicht, wie viele Leute wir da hineinlassen können“. 600 Karten habe man verkauft; fast 1000 Zuschauer feierten hernach eine ausgelassene Party. „Das war sicher eines der Highlights für mich“, sagt Kopp. 

Kopp hofft auf VHS-Neubau in Garching

Seinen Ruhestand will der 63-Jährige, der lange in Garching gewohnt hat, in seiner neuen Heimat Landshut verbringen. Wobei der Kontakt zu den Ex-Kollegen nicht abreißen wird, versichert Kopp. „Ich werde sicher zu der einen oder anderen Veranstaltung kommen – dann aber nur noch als Besucher.“ Dass er sich der Volkshochschule weiterhin verbunden fühlt, zeigt sein Appell zum Abschied: „Ich finde es sehr schade, dass die VHS in Garching zurzeit ein Stiefmütterchen-Dasein führt. Ich würde mir wünschen, dass sich dort in punkto Neubau bald etwas bewegt."

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