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Der hier fährt schon: Ein autonomer Minibus der Bahn in Bad Birnbach. Garching könnte bald nachziehen.

Pläne im Kreistag

Autonome Shuttles für Garching: Wie in Singapur

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Nicht wundern, wenn bald fahrerlose Autos über den Garchinger Business Campus oder zum Flughafen fahren. Denn der Münchner Norden könnte zur Teststrecke für autonomen Nahverkehr werden.

Garching – Autonomes Fahren ist derzeit eines der meistdiskutierten Forschungsfelder in der Automobilindustrie. In Unterschleißheim forscht BMW an der neuen Technologie, auf der A 9 bei Garching fahren bereits die ersten Fahrzeuge. Im Kreisausschuss für Mobilität und Infrastruktur warb TUM-Professor Thomas Hamacher nun dafür, in Garching die Möglichkeit des selbstfahrenden Nahverkehrs zu testen.

Positive Visionen gefragt

„Wir stehen vor einer größeren Reform im Bereich Technologie und Mobilität. Das größte Ziel ist es, diese Dinge mit positiven Visionen zu verbinden.“ Hamacher denkt im großen Stil, stellt den Landkreis München – fast – auf eine Stufe mit der Weltstadt Singapur. Dort, das erzählt der Professor aus eigener Anschauung, ist man schon etwas weiter: „In den nächsten 15 Jahren wollen sie den Individualverkehr in der Stadt fast auflösen.“

Das ist im Landkreis wohl nicht möglich. Aber in 15 Jahren könnten im Münchner Norden zumindest Teile des Nahverkehrs automatisiert sein. Dann könnten kleine, effiziente Fahrzeuge Pendler von A nach B bringen, ohne dass ein Fahrer benötigt wird.

Erste Tests am Forschungs-Campus

Als erste – geschlossene – Teststrecke schwebt Hamacher der Garchinger Forschungs-Campus vor. Auf festgelegten Routen. Diese könne man dann Stück für Stück erweitern. Eine mögliche erste Pilotstrecke: vom U-Bahnhof Garching-Hochbrück nach Dietersheim. Danach: Eine Verbindung zum Flughafen München und in die umliegenden Gemeinden.

Gleichzeitig sollen die Systeme in den Fahrzeugen lernen, Szenarien im Verkehr besser vorherzusehen. Das hätte Vorteile für die Pendler und die Umwelt: Dem autonomen ÖPNV könnte eine grüne Welle geschaltet werden, die Fahrzeiten würden sich verkürzen. „Man muss die Verkehrsleitsysteme darauf anpassen“, sagte Hamacher. Außerdem kann die Zahl der Fahrzeuge flexibel angepasst werden. In Stoßzeiten könnte ein Verbund aus mehreren kleinen Fahrzeugen den Andrang auffangen. Über den Tag verteilt fahren dann dafür weniger – statt wie jetzt ein großer Dieselbus für eine Handvoll Fahrgäste.

Große Zustimmung im Kreistag

Eine Vision, die große Zustimmung im Kreisausschuss fand. „Ich halte das für sehr erstrebenswert“, sagte etwa Landrat Christoph Göbel (CSU). Außerdem eigne sich der Münchner Norden durch sein Verkehrsproblem besonders für die Pilotphase. Auch Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier war angetan, sicherte die Unterstützung der SPD-Fraktion zu. „Denn die täglichen Probleme liegen wortwörtlich auf der Straße.“

Noch einige offene Fragen

Kritischer war da schon Christoph Nadler von den Grünen: Wann wäre die Technik einsatzbereit? Wer trägt die Kosten? Und können die Fahrzeuge dann schon ohne Fahrer fahren? – Fragen, die sowohl Hamacher als auch Göbel durchaus optimistisch beantworteten. Schon heute könnten autonome Autos kürzere Strecken fahren, in vier bis fünf Jahren auch längere – wobei die Autobauer laut Göbel sogar von nur zwei Jahren sprechen. Die Kosten muss der Landkreis nicht alleine tragen. „Ich werde in erstaunlich dichter Frequenz von Unternehmen angesprochen – vor allem aus Unterföhring – die sich eine bessere Anbindung wünschen“, sagte Göbel. Auch die MVG könne sich autonomen Nahverkehr vorstellen.

Bis zum Start wird es noch dauern

Nur: Bis kein Fahrer mehr gebraucht wird, das wird dauern. In fünf Jahren sei es sicher nicht möglich, komplett ohne einen Menschen, der zumindest im Notfall eingreifen kann, durch den Landkreis zu fahren. Geplant also vorerst: fast fahrerlose Verkehrsmittel.

Dauerthema Nahverkehr: U5-Verlängerung wird konkret

Der Ausschuss beschloss schließlich, dass die Verwaltung ein Pilotprojekt erarbeiten soll. Hamacher bot im Namen der TU München an, das System hierfür zu entwickeln. Ein Autobauer muss ebenfalls noch als Partner gefunden werden – BMW mit Sitz in Unterschleißheim böte sich da an. Außerdem fehlt die gesetzliche Grundlage. Doch wenn das abgehakt ist – wer weiß: In nicht allzu ferner Zukunft könnte der Landkreis München als Vorreiter in einem Atemzug mit Singapur genannt werden.

Autonome Shuttles - was spricht dafür und was dagegen?

Vorteile: Ein elektrischer und autonomer Betrieb verspricht die Senkung der Betriebskosten und die Reduktion von CO2- und Schadstoffemissionen. Die Nutzung autonomer Fahrzeuge ist auf festen Strecken leichter zu realisieren. Zusätzliche Sensoren auf der Strecke unterstützen die Einführung der neuen Technologie. Durch Automatisierung und Koppelungsmöglichkeit der einzelnen Shuttles kann das System extrem flexibel an Nachfrageschwankungen und/oder Störungen angepasst werden. Die niedrigeren Betriebskosten erlauben einen regelmäßigen Betrieb auch in den frühen Morgen-und späten Nachtstunden. Langfristig kann das System immer weiter ausgeweitet werden und eine komfortable Alternative zum Individualverkehr bieten.

Dazu passend: Autonomes Fahren: Wer bei Unfällen künftig schuld sein soll

Nachteile: Noch keine autonomen Fahrzeuge mit Genehmigung auf der Straße, speziell für den Einsatz mit höheren Geschwindigkeiten. Derzeitige Pilotprojekte erfordern aufwendige Einzelzulassungen. Die Entwicklung ist noch in der Pilotphase. Investitionskosten der Fahrzeuge können noch nicht hinreichend abgeschätzt werden. Schaffung einer geeigneten Ladeinfrastruktur setzt Zugang zu erneuerbaren Energien voraus. Die Akzeptanz der Technologie ist noch unklar.

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