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Sorgen bereitet der Polizei der Anstieg von „Badesalz“-Opfern.

Wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht

Badesalz-Psychose: Garchinger muss in Klinik

Auf der Flucht vor Menschen und Figuren ist ein Garchinger (51). Der Mann ist schwer drogenabhängig, hat eine Wahnvorstellungen - und Waffen ohne Erlaubnis. Darum stand er nun vor Gericht. 

Garching – Der Lebenslauf klingt erschütternd: Seit knapp 30 Jahren Drogenkonsum, eine schwere Abhängigkeit und Wahnvorstellungen: Doch vor dem Amtsgericht München stand der 51-Jährige aus Garching nun, weil er illegal Waffen besaß. Die Richterin hielt den Mann zwar zum Tatzeitpunkt für unschuldig und verurteilte ihn nicht, ordnete aber eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an und setzte die Vollstreckung der Unterbringung zur Bewährung aus. Die Begründung: Es bestehe die Gefahr, dass der Mann bei einer erneuten Psychose „mit hoher Wahndynamik“, die ihn „in ständige Angst vor vermeintlich feindseligen Handlungen versetzt, auch aggressiv gegen sich und andere reagiert, dass er sich zur Wehr setzen oder Vorkehrungen treffen wird, sich gegen vermeintliche Verfolger verteidigen zu können“. Das Gericht sieht die Gefahr, dass der Garchinger weitere erhebliche rechtswidrige Taten aufgrund seiner Erkrankung begeht.

Der 51-Jährige konsumierte seit seinem 23. Lebensjahr Betäubungsmittel, zunächst Cannabis, Ecstasy und LSD. Seit 2012 nimmt er sogenannte Badesalze. Er wurde sofort abhängig, steigerte seine Dosis schnell. Der Konsum löste bei dem Mann aus Garching eine sogenannte Badesalz-Psychose aus.  Eine legale Droge, die wie Kokain wirkt, aufputscht, aber auch Wahnvorstellungen auslöst. Die Zahl der Opfer und Abhängigen steigt seit einigen Jahren massiv. Der Mann leidet unter der Wahnvorstellung, von Menschen oder Figuren verfolgt zu werden.

Darum rief die Mutter des Garchingers am 4. Juni 2016 die Polizei. Nach einem Telefonat mit ihrem Sohn machte sie sich aufgrund seines Verhaltens Sorgen um ihn. Als die Polizei bei dem Mann klingelte, zeigte er den Beamten ein Video auf seinem Fernseher und erzählte ihnen, dass man auf dem Video sehe, wie er nachts von einem Mann belästigt werde. Tatsächlich war das aber auf dem Video nicht zu erkennen. Als ihm die Polizisten das sagten, wurde der 51-Jährige so wütend, dass die Beamten ihn ins Krankenhaus bringen mussten.

In seiner Wohnung fanden sie eine Schreckschusswaffe samt acht Patronen. Der Mann besaß die Waffe, obwohl ihm dies mit Bescheid des Landratsamts München vom 2. April 15 verboten worden war. Wegen dieses Verstoßes gegen das Waffengesetz musste er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. Der Garchinger räumte den Waffenbesitz ein. Verurteilt wurde er nicht, da das Gericht nach Anhörung einer Sachverständigen feststellte, dass er zum Tatzeitpunkt an einer durch Drogenkonsum verursachten Psychose litt und deshalb schuldunfähig war. Die Sachverständige bescheinigte dem Mann eine Abhängigkeit.

Das Gericht ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, da es davon überzeugt ist, dass der Beschuldigte durch eine stationäre Entwöhnungsbehandlung therapiert werden kann. Das Gericht setzte die Unterbringung zur Bewährung aus. Denn trotz der Psychose kam es „nicht zu einer Ausübung von Gewalt gegenüber Personen durch den Beschuldigten“. Zudem betonte der Garchinger in der Verhandlung, eine Therapie machen zu wollen. „Er kümmert sich aktiv um die Aufnahme einer stationären Entwöhnungsbehandlung“, heißt es im Urteil. Diese Motivation „wird dabei günstig beeinflusst durch den Umstand, dass der Beschuldigte inzwischen eine Erwerbsunfähigkeitsrente erhält und mithin von seinem inneren Druck befreit ist, einer Arbeit zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes nachzugehen“. Er kann sich voll auf seine Therapie konzentrieren. Das Urteil ist rechtskräftig.

mm

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