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Der Verein "Bürger gegen Atomreaktor Garching" fordert effektiven Schutz angesichts der weltweiten Terrorgefahr.

In Garching

Wie groß ist die Terror-Gefahr am FRM II?

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Garching - Der Verein "Bürger gegen Atomreaktor Garching" ist besorgt. Seine Vorsitzende Ingrid Wundrak betont mit Blick auf jüngsten Festnahmen von Terror-Verdächtigen in München: „Diese Besorgnis ist Anlass, daran zu erinnern, dass auch in Garching ein gefährdeter Atomreaktor in Betrieb ist.“

Vor Kurzem erst hat US-Präsident Barack Obama vor der wachsenden Gefahr gewarnt, dass atomwaffenfähiges Material in die Hände von Extremisten gelangen könnte. Genährt werden solche Sorgen von Meldungen aus Belgien, wo die Attentäter von Brüssel einen Kernforscher mit einer versteckten Kamera beobachteten – womöglich, um ihn zu entführen. Am Donnerstag sind auch noch zwei Terrorverdächtige in München und im Kreis Fürstenfeldbruck festgenommen worden.

Derlei Nachrichten ängstigen nicht nur den mächtigsten Mann der Welt, sondern auch den Verein „Bürger gegen Atomreaktor Garching“. Seine Vorsitzende Ingrid Wundrak betont mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen: „Diese Besorgnis ist Anlass, daran zu erinnern, dass auch in Garching ein gefährdeter Atomreaktor in Betrieb ist.“ Sie weist nachdrücklich darauf hin, dass im Forschungsreaktor München II (FRM-II), dem Nachfolger des Atomeis, mit hochangereichertem Uran (HEU) gearbeitet werde – also mit atomwaffenfähigem Material.

Die Gefahr der Waffenverbreitung bestehe „sogar nach der Benutzung und jahrelangen Zwischenlagerung der Brennelemente im Abklingbecken“, warnt Wundrak. Wie berichtet sollen die ausgedienten Brennelemente aus dem FRM-II mittelfristig ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden – voraussichtlich mittels Castor-Transporten auf der Straße. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren, das sich wohl bis 2018 hinzieht. Derzeit lagern alle 37 Brennelemente, die seit der Inbetriebnahme des Garchinger Reaktors im Einsatz waren, im Abklingbecken, das Platz für 50 dieser Kompaktkerne bietet. Pro Jahr braucht der FRM-II bis zu vier Brennelemente, die aus Frankreich angeliefert werden und 1,1 Millionen Euro pro Stück kosten.

Dass nun potenzielle Terroristen in den Forschungsreaktor gelangen und dort Brennelemente entwenden, hält eine Sprecherin des FRM-II „für schier ausgeschlossen“. Sie verweist auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen: Nicht nur befindet sich der Reaktor hinter einer 1,80 Meter dicken Wand aus Stahlbeton, sondern das Gelände sei „nach allen Regeln der Objektsicherung“ gesichert. Zudem müssten sich Besucher anmelden, ausweisen und einer Leibesvisitation unterziehen.

Derweil verweist Wundrak darauf, dass der FRM-II „von wechselnden, internationalen Mitarbeiter genutzt wird“ – rund 1000 Gastwissenschaftler pro Jahr zieht der Reaktor an. Dem entgegnet die Sprecherin: „Es gibt zweimal im Jahr Antragsrunden, bei denen Forscher ihre Experimente schildern müssen. Außerdem sind die Wissenschaftler eine große Community, da kennt man sich untereinander.“

Unabhängig davon warnen die „Bürger gegen Atomreaktor Garching“ vor den Gefahren, wenn man hochangereichertes Uran aus Garching abtransportiere. Auch Christina Hacker vom Verein Umweltinstitut München, fordert aus diesem Grund „die Prüfung der Errichtung eines für hoch angereichertes Material entsprechend gesicherten Zwischenlagers am Standort Garching“. Zudem müsse man ein Verfahren entwickeln, um den Betrieb am FRM-II künftig auf Brennelemente mit niedrigeren Anreicherungsgraden umzustellen, da diese nicht zum Bau einer Atombombe verwendet werden können.

Genau diese Umstellung war ursprünglich auch das Ziel des Betreibers: Bis 2010 wollte man auf niedriger angereichertes Uran wechseln – sofern die Technik es erlaubt. Allerdings gebe es bis jetzt noch keinen geprüften Brennstoff, sagt die Sprecherin des FRM-II. „Mit diesem Problem kämpfen viele Forschungsreaktoren in Europa.“

Patrik Stäbler

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